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Wenn Netflix weder Disney noch Apple fürchtet, hat ProSieben dann überhaupt eine Chance im Streaming-Markt?

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Die Streaming-Wars stehen inzwischen kurz vor ihrer Eskalation. Im November werden mit Disney (WKN: 855686) und Apple (WKN: 865985) schließlich zwei weitere große Tech- und Medienkonzerne in diesen Bereich eindringen. Das dürfte so manchen etablierten Platzhirsch gewiss einige Nerven kosten.

Für Netflix (WKN: 552484) scheint es operativ hingegen weiterhin zu laufen. Nach einem durchwachsenen zweiten Quartal konnte der Streaming-Gigant nun, auch dank der Erfolgssendung Stranger Things, wieder in die Wachstumsspur zurückfinden, was die Investoren dem Unternehmen direkt mit einem zweistelligen Kursanstieg dankten.

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Die wahre Faszination war für mich allerdings, wie sich das Netflix-Management über die neue, aufkommende Konkurrenz äußerte. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was Investoren diesbezüglich wissen müssen und ob ein kleinerer Akteur wie ProSiebenSat.1 Media (WKN: PSM777) in diesem Markt überhaupt eine Chance besitzen wird.

Netflix gibt sich selbstbewusst

Wie Netflix nun im Rahmen dieses Zahlenwerks und in dem Ausblick an die Investoren präsentierte, sei man sich seiner Sache weiterhin sicher. Die Dienste von Apple und Disney würden demnach gegenwärtig zwar viel Lärm machen, nichtsdestoweniger habe keiner der Wettbewerber eine gleichartige Vielfalt und Qualität, weshalb Netflix weiter wachsen werde. Wobei das Management expliziterweise ebenfalls zugab, dass kurzweilige Belastungen durchaus im Bereich des Möglichen sein könnten.

Eine Äußerung, die natürlich in vielerlei Hinsicht interpretiert werden kann, wobei insbesondere die Vielfalt diskussionswürdig ist. Gerade Walt Disney mit seinen Tonnen und Gigatonnen an Content könnte möglicherweise über kurz oder lang qualitativ deutlich an Netflix vorbeiziehen, wobei das Maus-Haus wohl nicht gleich zu Anfang aus allen Rohren feuert. Verschlimmern dürfte sich die ganze Angelegenheit für Netflix aber dennoch, denn immerhin wird Disney über kurz oder lang die eigenen Inhalte von dem Streaming-Platzhirsch abziehen, was durchaus eine Content-Lücke hinterlassen wird.

Dass Netflix sich nun so selbstbewusst präsentiert, kann daher definitiv skeptisch beäugt werden. Nichtsdestoweniger zeigt dieser Trotz, dass die Streaming-Wars sich voll entfalten dürften, wobei auch die Preiskomponente mit den Kampfpreisen von Disney und Apple eine Rolle spielen wird. Entsprechend scheint dieser Markt durchaus eng für weitere und insbesondere kleinere Akteure zu werden.

Kann ProSiebenSat.1 Media hier seinen Platz finden?

Die spannende Frage dürfte daher nun sein, ob kleinere Akteure, wie eben ProSiebenSat.1 Media, das ebenfalls mit eigenen Inhalten und dem Format Joyn einen Teil des Kuchens abbekommen möchte, hier überhaupt eine Chance bekommen könnten, selbst wenn es bloß ein Nischendasein sein wird. Und, so komisch die Antwort auch klingen mag: Ich glaube schon. Zumindest, wenn einige Formalia hier stimmen.

Aber langsam. ProSiebenSat.1 Media besitzt nämlich unterm Strich einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu den etablierten Kollegen und Herausforderern: Die geringe Größe. Als kleines und inzwischen arg gebeuteltes Medienunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von lediglich knapp 3 Mrd. Euro ist hier eine strenge regionale Fokussierung möglich. Anders als die anderen Streamer kann sich ProSieben leisten, sich auf eine spezielle Zielgruppe einzuschießen und für diese Content zu kreieren. Das schafft gänzlich andere Möglichkeiten, um sich in einer Nische zu etablieren, als bei den Giganten.

Netflix, Apple und Disney müssen schließlich aufgrund ihrer Größe Inhalte für die Masse kreieren. Die Angebote müssen für viele Zielgruppen und für viele Regionen passend sein. Ein Balanceakt, der es natürlich insgesamt erschwert, ein Profil zu bekommen. Wobei natürlich die Summe aller Inhalte hier ein gewisses Familienprofil geben könnte.

ProSiebenSat.1 Media kann sich hingegen fokussieren und sich die eigene Nische speziell aussuchen. Wenn dann die Inhalte auch ankommen und preislich keine überzogenen Forderungen kommen, kann das möglicherweise ein funktionierender Gesamtmix werden. Zumal ProSiebenSat.1 Media ebenfalls eine Hybridvariante aus kostenlosem, werbepflichtigem Basismodell und kostenpflichtiger Premiumvariante anbieten wird.

Spielt ProSieben seine Vorteile aus?

Die spannende Frage könnte daher unterm Strich sein, ob ProSiebenSat.1 Media seine Vorteile und seine Größe richtig ausspielen können wird, um sich in seiner regionalen und vor allem zielgruppenspezifischen Nische zu etablieren. Das könnte die Konkurrenz auf Distanz halten und zumindest für einen Teil des Kuchens ausreichen.

Investoren, die an diese Streaming-Ambitionen glauben wollen, könnten daher gut daran beraten sein, auf diese Aspekte zu achten. Denn vielleicht wird sich hier der Erfolg oder Misserfolg von ProSiebenSat.1 Media in den kommenden Jahren abzeichnen.

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Vincent besitzt Aktien von Apple und Disney. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple, Netflix und Walt Disney. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple, Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple und Long Januar 2021 $60 Calls auf Walt Disney.

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