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Darum fällt der DAX-Crash auch 2018 aus

Foto: Getty Images.

Es nimmt mittlerweile fast religiöse Züge an. Kaum etwas wird so herbeigeredet wie der nächste Bärenmarkt oder gar Super-Crash. „Mr. DAX“ Dirk Müller spricht von der größten Blase aller Zeiten und andere Crashpropheten wie Jim Rogers blasen ins gleiche Horn.

Dabei halte ich es für recht wahrscheinlich, dass der harmlose sogenannte „Flash Crash“ von Anfang Februar bereits das Schlimmste war, was Anleger an den deutschen Börsen 2018 erleben werden. Hier sind vier Argumente:

1. Grund: Überbewertungen können sich auch ohne Crash abbauen

Ein simples, aber wenig beachtetes Argument besteht in der Tatsache, dass sich etwaige Überbewertungen keinesfalls unbedingt über einen Crash entladen müssen. Eine Aktie, die im Moment vielleicht 10 oder 20 % oberhalb eines als fair angenommenen Niveaus notiert, könnte trotzdem weiter steigen, nur eben eine Zeit lang vielleicht nur noch mit jährlich 3 % statt den üblicherweise geforderten durchschnittlich 6 bis 10 %.

Schon über einen relativ kurzen Zeitraum kann sich so wieder eine faire Bewertung einpendeln, ohne dass es jemals zu einer signifikanten Korrektur gekommen wäre. In vielen Fällen werfen selbst überbewertete Aktien immer noch bessere Renditen ab als Sparbuch und Zinspapiere, insbesondere, wenn man bei der Auswahl seiner Unternehmen auf die Qualität geachtet hat.

2. Grund: Deutsche Unternehmen profitieren doppelt von der US-Steuerreform

Gerade hat die Bundesbank die Ergebnisse einer Simulationsstudie zu den neuen Steuerregelungen der USA veröffentlicht. Demzufolge wird der Fiskalstimulus dazu führen, dass die Supermacht noch viel mehr Waren aus dem Ausland einführen wird, wodurch sich das bedenklich große Außenhandelsdefizit noch ausweiten würde. Davon profitieren primär Exportländer wie Deutschland und die Schweiz.

Arbeitnehmer und Unternehmer in den USA haben jetzt mehr Geld in der Tasche und können sich eher einen Benz, Bimmer oder Bentley leisten. Auch andere Luxusgüter dürften sich stärkerer Nachfrage erfreuen und viele Unternehmen aus der erweiterten Rhein-Donau-Region sind dort über alle Wertschöpfungsstufen hinweg gut dabei. Zudem soll Amerika ja reindustrialisiert werden, was ebenfalls kaum ohne mitteleuropäisches Maschinenbau- und Automatisierungs-Know-how gehen wird.

Von daher rechne ich in der Breite mit weiterhin gut gefüllten Auftragsbüchern bis weit in das Jahr 2019 hinein. Klar ist auch, dass die US-Niederlassungen direkt von der reduzierten Steuerlast profitieren werden. Solange die Konjunktur brummt und die Gewinne sprudeln, ist kaum mit einem nachhaltigen Crash oder Bärenmarkt zu rechnen.

3. Grund: Automatisierter Handel stabilisiert

Es wird in Presseberichten immer wieder gerne auf den schwer verständlichen Algorithmen-getriebenen Millisekunden-Handel eingeprügelt. Dieser würde für größere Kursausschläge sorgen und somit den Börsenhandel destabilisieren. Aus meiner Sicht mag das vielleicht auf Tagesbasis eine Rolle spielen, wenn etwa Bären- und Bullenfallen gestellt werden, um die hin- und hertradende Gegenseite zum Ausstoppen zu zwingen. Uns langfristige Anleger muss das jedoch nicht interessieren.

In Wirklichkeit ist nämlich deutlich zu erkennen, dass seit dem vermehrten Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz die Monatsschwankungen viel geringer geworden sind. Noch in den 90er-Jahren hat sich der DAX in wenigen Jahren verfünffacht, nur um sich dann zu dritteln, zu verdreifachen und bis Ende 2008 wieder zu halbieren.

Seit 2009 sind die (prozentualen) Bewegungen viel feiner. Ich stelle mir vor, dass die emotionslosen Algorithmen von Hedgefonds und anderen Profi-Investoren vermutete Über- und Unterbewertungen frühzeitiger erkennen, sodass die Kurse wesentlich enger als zuvor um den fairen Wert pendeln. Aus dieser Perspektive heraus sind so brutale Abstürze wie in früheren Jahren nicht mehr unbedingt zu erwarten.

4. Grund: Viele deutsche Aktien sind nicht teuer

Einem Crash geht normalerweise auch eine Phase der euphorischen Überbewertung voraus und die kann ich zumindest im DAX nicht ausmachen. Im TecDAX und in anderen Nebenwerteindizes lassen sich sicherlich einzelne Aktien finden, die außerordentlich teuer wirken. Aber bei den Schwergewichten fällt es mir schwer, auch nur einen eindeutigen Verkaufskandidaten zu identifizieren.

Optisch am teuersten ist derzeit nach meiner Einschätzung Beiersdorf (WKN:520000), wobei Anleger dort nicht zu Unrecht die sehr defensive Ausrichtung zu schätzen wissen. Auch für Infineon (WKN:623100) wird eine Prämie bezahlt, die allerdings gut durch die hervorragenden Wachstumsaussichten des Chipherstellers unterlegt ist.

Insgesamt sind die meisten Konzerne hochprofitabel und vielen gelang es, ihre Bilanzen über die letzten Jahre zu stärken. Quartalsgewinne jenseits von 1 Mrd. Euro werden immer häufiger zur Regel. Siemens (WKN:723610) meldete zuletzt sogar 2,2 Mrd. Euro für das Weihnachtsquartal. Oft werden bereits jetzt Dividenden von über 3 % problemlos aus den hohen betrieblichen Geldzuflüssen (Cashflows) bezahlt und es spricht wenig gegen weiter steigende Ausschüttungen für dieses Jahr. Da dank des wieder stärkeren Euros der Inflationsdruck gering bleibt, dürften auch die Zinsen über das Jahr 2018 unten bleiben. Somit bleiben einheimische Aktien attraktiv.

Langfristig dranbleiben ist weiterhin Trumpf

Wer im langjährigen Bullenmarkt an der Seitenlinie gestanden hat, der wünscht sich natürlich, dass die Kurse irgendwann heftig einbrechen, um selbst wieder günstig zurück in den Markt zu kommen. Möglicherweise ist das Warten auch in diesem Jahr wieder vergeblich, denn es gibt gute Gründe dafür, anzunehmen, dass der ersehnte Crash auch 2018 ausbleibt und der Foolische langfristige Investor erneut im Vorteil ist.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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