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Infineon-Domäne: NVIDIA, Qualcomm und Intel drängen in das Autonome Fahrzeug

Foto: Getty Images

Infineon (WKN:623100) brüstet sich immer, Marktführer bei Chips für Automobile zu sein. Gerade mit den immer leistungsfähigeren Assistenzsystemen und Komfortfunktionen wollen die Deutschen überproportional wachsen. Aber ist das möglich, wenn die zum Teil wesentlich größeren Halbleiter-Konkurrenten jetzt mit immer mehr Kraft in diesen Markt drängen und das Thema Autonomie für sich beanspruchen? Ich habe mir das mal genauer angeschaut.

Ein heiß umkämpfter Markt

Intel (WKN:855681) übernahm Mobileye, Samsung (WKN:881823) hat den Conti-Rivalen Harman geschluckt und Qualcomm (WKN:883121) arbeitet noch an der Übernahme von NXP (WKN:A1C5WJ). Gleichzeitig macht der Graphik-Prozessor-Spezialist NVIDIA (WKN:918422) mit einer neuen intelligenten Plattform für autonome Fahrzeuge Furore, welche die Leistung eines Supercomputers in einem Modul vereint — und auch AMD (WKN:863186) soll Gerüchten zufolge an einer ähnlichen Lösung arbeiten.

Wenn es um das selbstfahrende Auto der Zukunft geht, ist in der Berichterstattung fast nur noch von solchen Namen die Rede. Infineon wird zumindest auf der anderen Atlantikseite von Kommentatoren praktisch nicht mehr als wesentlicher Spieler wahrgenommen. Überhaupt hört man nicht, dass die Deutschen an einem Superprozessor arbeiten würden, der es mit den wahnwitzigen lernenden Rechenmonstern der Konkurrenz aufnehmen könnte.

Man könnte also wirklich den Eindruck bekommen, dass jetzt, wo der Markt erst richtig interessant wird, andere das Ruder übernehmen. In Wahrheit ist die Lage allerdings dann doch etwas anders.

Wie Infineon seine Position hält

Um zu verstehen, wie das alles zusammenpasst, muss man ein bisschen tiefer in die Technik schauen. Diese besteht nämlich grob gesagt aus drei Ebenen: Erstens den essenziellen Fahrzeugfunktionen, die jeweils mit einem Steuergerät bestückt sind, zweitens die Zusammenführung der zugehörigen Sensordaten zu einem Gesamtbild und drittens, alle Informationen die nicht mit dem Auto und seiner direkten Umgebung zu tun haben (Navigation, Medienstreaming, Kommunikation etc.).

Früher waren die ersten beiden Ebenen von der dritten weitgehend getrennt und Infineon hatte mit den Infotainment-Spezialisten eigentlich nur wenig zu tun. Aber um ein autonomes Fahrzeug zu realisieren kann eigentlich gar nicht genug Information zur Verfügung stehen. Positions- und Zustandsdaten sowie die Abtastung der Umgebung über Radar, Lidar und Kamera sind wichtig, aber es braucht auch den weiteren Kontext, welcher unter anderem durch eine funktionsreiche Cloud-unterstützte Navigationssoftware bereitgestellt wird.

An dieser Stelle treffen sich also die beiden Sphären. So arbeitet beispielsweise die Continental (WKN:543900)-Tochter Elektrobit sowohl mit NVIDIA, also auch mit Infineon zusammen, um eine eigene Plattform für autonome Fahrzeuge zu schaffen. Auch bei Intels GO-Plattform werden Infineons AURIX-Microcontroller verbaut, welche für höchste Zuverlässigkeit des Gesamtsystems sorgen.

Das heißt, wenn NVIDIA oder Intel gewinnt, dann gewinnt meistens auch Infineon, die ihre Microcontroller samt Leistungshalbleitern und Sicherheitschips einbringt. Somit erklärt sich dann auch, warum die Neubiberger behaupten können, dass sie klarer Marktführer bei neuen anspruchsvollen Programmen sind.

Wo trotzdem eine Gefahr besteht

Trotzdem muss Infineon aufpassen, dass die neuen Spieler im Automobilmarkt nicht noch weiter vordringen. Intel und Samsung hätten beispielsweise auf jeden Fall die Mittel, um sich dort einzukaufen oder eigenes Know-how aufzubauen.

Noch gefährlicher erscheint mir Qualcomm, sobald die Fusion durch ist: Die Freescale-Chips von NXP konkurrieren bereits jetzt direkt mit Infineon und auf der Kommunikations- und Infotainmentseite haben Qualcomm und NXP sowieso eine Menge zu bieten (zudem hat die Abspaltung Nexperia Leistungshalbleiter im Programm).

Die Amerikaner werden sicherlich schon bald den Turbo einlegen, um mit Hochdruck eigene Komplettlösungen für autonome Fahrzeuge anbieten zu können. Haben sie Erfolg, dann bleibt Infineon bei vielen Fahrzeugprogrammen weitgehend außen vor. Zwar sind die Zyklen in der Automobilindustrie immer noch vergleichsweise lang, sodass man sich auf absehbare Zeit keine ernsthaften Sorgen machen muss. Trotzdem wird man beobachten müssen, wie sich die Konkurrenzsituation entwickelt.

Ausblick

Hochentwickelte Assistenzsysteme und die Fahrzeugelektrifizierung sind ein Segen für Infineon. Beide Gebiete wachsen jetzt rasend schnell und der Halbleiterspezialist ist sowohl technologisch als auch was die Marktanteile angeht ganz vorne dabei.

Dass die US-Konkurrenz die Berichterstattung in den Medien dominiert, muss Anleger nicht groß stören — im Gegenteil, denn dies ist die beste Werbung für Lösungen, die auf das erprobte Infineon-Know-how angewiesen sind. Selbst wenn die Frage bleibt, wie stark Qualcomm langfristig werden kann, denke ich, dass Infineon auch in Zukunft zu den stärksten DAX-Werten gehören wird.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Nvidia. The Motley Fool besitzt Aktien von Qualcomm. The Motley Fool empfiehlt Intel und NXP Semiconductors.

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