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Bietet der starke Rückgang des Schweizer Aktienmarkts eine Kaufgelegenheit für Investoren?

Der Swiss Market Index (SMI), der Blue-Chip Aktienindex der Schweiz, hat 14% seines Wertes in den letzten zwei Handelstagen verloren. Sollte man Hals über Kopf Aktien von Nestlé (WKN:A0Q4DC) (VTX: NESN) (ETR: NESR), Novartis (WKN:904278) (VTX:NOVN) (ETR:NOT) oder The Swatch Group SA (WKN:865126) (VTX:UHR) (ETR:UHR) kaufen? Die kurze Antwort ist nein — man sollte so eine Entscheidung zumindest nicht übereilen. Eine gewisse Vorsicht ist notwendig und man muss die Gründe für den erstaunlichen Rückgang und seine Auswirkungen verstehen.

Der Grund für das Erdbeben auf dem Aktienmarkt war die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs von 1,20 Schweizer Franken (CHF) je Euro (EUR) aufzuheben. Diesem Schritt zufolge gewann der Franken zum Euro — und zu allen anderen Währungen — deutlich an Wert: An der Spitze am Donnerstag wurde der Franken 28% höher, auf 0,86 CHF/EUR gehandelt. Ende Freitag war der Kurs 0,99 CHF/EUR, was für den Franken ein 17% Plus in zwei Tagen bedeutete.

Was sind die wichtigsten Auswirkungen auf uns Privatanleger?

Der Wechselkursanstieg kann den Aktienkursrückgang ausgleichen

Wenn du keiner unserer Schweizer LeserInnen bist — oder Schweizer Franken unter der Matratze versteckt hast –, dann benutzt du wahrscheinlich Euros für deine Investitionen. Und Schweizer Aktien sind ursprünglich in Schweizer Franken bewertet. Um eine Aktie zu kaufen, musst du heute mehr Euro für jeden Franken zahlen als du vor zwei Tagen zahlen musstest. Auch wenn der Wert einer Aktie in Schweizer Franken deutlich gefallen ist, so ist der Euro Wert der gleichen Aktie deutlich weniger gesunken oder ist sogar gestiegen. Schauen wir uns zwei Beispiele an:

Unternehmen Datum Schlusskurs CHF, Zurich Schlusskurs EUR, XETRA Wechselkurs CHF/EUR
Swatch 14. Jan 457,0 380,25 1,202
15. Jan 382,3 365 1,047
Änderung -16,3% -4,0%
Nestlé 14. Jan 74,15 61,68 1,202
15. Jan 69,55 66,05 1,053
Änderung -6,2% 7,1%

Quelle: Onvista.de

Swatch hatte einen riesigen Rückgang in seinem Aktienkurs in Schweizer Franken und war am Donnerstag der schlechteste Performer des SMI-Indexes. Doch der Rückgang seines Aktienkurses in Euro war viel niedriger, da die Anleger mehr Euro für jeden Schweizer Franken zahlen mussten.

Die Nestlé Aktie wurde in Schweizer Franken auch schwer getroffen, wenngleich weniger als Swatch. Allerdings ist der Aktienkurs in Euro sogar um 7% gestiegen, da der Rückgang des Aktienkurses in Schweizer Franken niedriger war als der Anstieg des Wechselkurses.

Jedes Mal wenn du eine Aktie in einer anderen Währung als der Originalwährung kaufst, wirst du Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Diesen Schwankungen zufolge kann deine Rendite anders sein als die Kursentwicklung in der Originalwährung. Dies kann Auswirkungen in beide Richtungen haben: Ein europäischer Anleger, der Aktien von Apple (WKN:865985) (NASDAQ:AAPL) (FRA:APC) besitzt, hat im vergangenen Jahr nicht nur von einem steigenden Aktienkurs sondern auch von einem stärkeren US-Dollar profitiert. Auf der anderen Seite, ein US-amerikanischer Investor, der vor einem Jahr in Adidas (WKN:A1EWWW) (ETR:ADS) (FRA:ADS) investiert hat, ist nicht nur mit einem starken Rückgang des Euro-Aktienkurses konfrontiert, sondern sind diese Euros auch 15% weniger US-Dollar wert, da der Wechselkurs sich von 1,35 USD/EUR auf 1,15 USD/EUR geändert hat.

Wechselkursschwankungen können erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung haben

Gut — die Aktienkursentwicklung in Euro kann aufgrund von Wechselkursschwankungen im Vergleich zur Aktienkursentwicklung in Schweizer Franken unterschiedlich sein. Doch warum haben die Schweizer Aktien überhaupt so viel Wert in Schweizer Franken verloren? Die Antwort ist einfach: Anleger glauben, dass ein stärkerer Franken schlechtere Ergebnisse für Schweizer Unternehmen bedeuten wird. Sie haben im Allgemeinen Recht, aber was ist der Grund dafür?

Erstens werden die Schweizer Exporte teurer; so brauchen zum Beispiel deutsche Kunden nun mehr Euros um das gleiche Produkt zu kaufen. Schweizer Unternehmen werden deswegen weniger Produkte verkaufen oder sie müssen ihre Preise senken, um ihre Kunden zu behalten. Für Umsätze, die in anderen Währungen gemacht werden, erhalten Schweizer Unternehmen weniger Franken. Der Gesamteffekt ist ein starker Druck auf die Umsatzerlöse in Schweizer Franken.

Ein Teil dieser Einnahmeverluste wir durch reduzierte Kosten kompensiert: Die Unternehmen werden ihre Einkaufspreise mit ihren ausländischen Lieferanten zumindest teilweise neu verhandeln können. Allerdings haben diese Firmen auch erhebliche Kosten in Schweizer Franken wegen ihrer Tätigkeiten in der Schweiz, somit können nicht alle Kosten reduziert werden. Da die meisten großen Schweizer Unternehmen sehr exportabhängig sind — Swatch zum Beispiel erzeugt 87% seines Umsatzes außerhalb der Schweiz –, wird der Druck auf die Erlöse wahrscheinlich viel größer als die möglichen Kostenreduzierungen. Infolgedessen sind von den meisten Firmen reduzierte zukünftige Gewinne zu erwarten. Und dies erklärt den großen Einbruch des Aktienkurses.

Unternehmen, die den größten Teil ihrer Umsätze und Gewinne außerhalb der Schweiz generieren — wie zum Beispiel Luxusgüterhersteller wie Compagnie Financiere Richemont AG (WKN:A1W5CV) (VTX:CFR) (ETR:RITN) oder große internationale Banken wie UBS Group AG (WKN:A12DFH) (VTX:UBSG) (ETR:0UB) — sind am stärksten betroffen. Laut einer Schätzung von Mark Häfele, Chief Investment Officer bei UBS Vermögensmanagement, gibt es allein auf Exporteure einen negativen Effekt von 5 Milliarden Franken, oder 0,7% des BIPs. Allerdings wird auch die heimische Industrie, wie zum Beispiel der Tourismus, negativ beeinflusst, da die Schweiz (noch) teurer für ausländische Besucher wird. Die einzige Firma im SMI-Index, die nicht an Wert verloren hat, war Swisscom AG (WKN:916234) (VTX:SCMN) (ETR:SWJ), die größte Telekommunikationsfirma der Schweiz, da sowohl ihre Einnahmen als auch ihre Tätigkeiten stark inlandsorientiert sind.

Was bedeutet das alles?

Es gibt eine gute Chance, dass zumindest ein Teil des Kurseinbruchs eine Überreaktion war und einige Unternehmen bessere Ergebnisse haben werden als der heutige Aktienkurs andeutet. In diesem Fall sollte der Aktienkurs dieser Unternehmen künftig steigen. Ich kenne den Schweizer Aktienmarkt nicht gut genug um zu kommentieren, welche Unternehmen so eine Anlagechance anbieten. Um ein Unternehmen jedoch weiter zu analysieren, würde ich folgende Fragen versuchen zu beantworten:

  • In welchem Ausmaß muss sich das Unternehmen auf Exporte verlassen?
  • Wie viel Preismacht hat es? Wie preissensibel sind seine Kunden?
  • Wie groß sind Kostensenkungsmöglichkeiten wegen des starken Frankens?
  • Basierend auf den Antworten für diese Fragen, ist der Aktienkursrückgang mit der erwarteten Verschlechterung der zukünftigen Ergebnisse gerechtfertigt?

Wenn die Antwort auf die letzte Frage „nein“ ist, könnte dieses Unternehmen eine mögliche Anlagechance sein. Doch selbst in diesem Fall sollte man das potentielle Währungsrisiko nicht vergessen: Angenommen du investierst Euros, so ist der Erfolg deiner Investition nicht nur von der Aktienkursentwicklung in Schweizer Franken abhängig, sondern auch von der Schweizer Franken / Euro Wechselkursentwicklung. Wie die letzten Tage gezeigt haben, kann diese wesentlich volatiler sein als es die meisten erwarten.

Sind diese drei Aktien besser als Schweizer Aktien?

Motley Fool Portfoliomanager Matthew Argersinger hat die ganze Welt durchsucht, um die besten Aktien außerhalb Deutschlands zu finden, in die es sich lohnt zu investieren. Im neuen Sonderbericht von Motley Fool offenbart er seine ersten drei Aktien. Klick hier, um kostenlosen Zugang zu diesem Bericht zu erhalten.​

Miklos Szekely besitzt Aktien von Apple. The Motley Fool empfiehlt Apple. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple.

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