MENU

Wer Ist: Charlie Munger

Fotokredit: Nick J Webb

Foto: Nick J Webb

Warren Buffett mag das öffentliche Gesicht des außerordentlich erfolgreichen Berkshire Hathaway (ETR: BRH) sein, jedoch ist seine rechte Hand, Charlie Munger, ein nicht zu übersehender Schlüsselfaktor für den Erfolg des Unternehmens.

Möglicherweise ist Munger weniger bekannt und gibt weniger Interviews als Buffett, aber er gibt sich lange nicht so bescheiden: „Ich habe einen schwarzen Gürtel in Chuzpe“, sagt er, „Ich wurde damit geboren.“ Aber klar, warum sollte jemand mit seiner Vita auch scheu sein?

Hintergrund
Munger wurde 1924 in Omaha, Nebraska geboren — fast sieben Jahre vor Warren Buffett. Er trat in die Armee ein und verbrachte einen Teil des 2. Weltkrieges in der Meteorologischen Sektion der Armee in Alaska. Anschließend machte er seinen Abschluss in Jura an der Harvard Law School und wurde Anwalt in Kalifornien.

Munger hatte ein ausgeprägtes Interesse zu investieren, was er ab 1965 dann zu seinem Beruf machte. Während der 1960er und 1970er Jahre arbeitete er zusammen mit Buffett, dem er 1959 in einem Restaurant in ihrer Heimatstadt zum ersten Mal begegnete, an zahlreichen Deals, darunter auch die Übernahme von See’s Candies in 1972.

Erst 1978 kam Munger offiziell zu zu Berkshire Hathaway, als stellvertretender Vorsitzender. Er war Leiter von Wesco Financial, eines in Kalifornien ansässigen Finanzdienstleistungsunternehmens, das als Miniversion von Berkshire Hathaway galt. Bis 2011 hielt Berkshire nur die Mehrheit der Aktien an Wesco, dann übernahm Berkshire auch die verbleibenden 20% der Aktien. Mungers Jahreshauptversammlungen erhielten zwar nicht den Zulauf wie die von Buffett, aber er hat eine Hardcore-Investoren-Anhängerschaft für sich gewonnen und den Spitznamen „das Orakel von Pasadena“ erhalten.

Investitionsstil
Munger glaubt, alle Mittel nutzen zu müssen, die einem zur Verfügung stehen, um Entscheidungen treffen zu können. Er verbindet zu diesem Zweck Elemente aus der Psychologie, Mathematik, Wirtschaft, usw. miteinander — weil man sich ansonsten selbst behindere. In seinen Worten: „Hat man nur einen Hammer, sieht jedes Problem mehr oder weniger aus wie ein Nagel.“

Munger äußert sich insbesondere vernichtend über Akademiker, die sich „wie Trüffelschweine“ verhielten; außergewöhnlich bewandert in ihren Fachgebieten, aber unfähig unterschiedliche Disziplinen zu kombinieren. „Wenn man durch das Leben gehen will wie ein Einbeiniger in einem In-den-Hintern-treten-Wettbewerb, kann man das natürlich machen. Wenn man aber Erfolg haben will wie ein Mensch mit zwei gesunden Beinen, dann muss man sich deren Kniffe aneignen, einschließlich wirtschaftlichem Handelns unter Anwendung von Psychologie.“

Im Bereich der Investitions-Psychologie liegen Mungers große Stärken. Seine Rede zur „Psychology of Human Misjudgement“ (Link öffnet ein PDF in englischer Sprache) an der Harvard Law School umreißt 24 verzerrte Denkweisen, die Investoren häufig befallen. Diese Rede ist eine Pflichtlektüre, es sei denn du glaubst wir wären alle rationale, informationsverarbeitende Maschinen.

Munger warnt auch davor, einen Bullenmarkt mit eigenem Können zu verwechseln, wie es viele neue Investoren über die Jahre zu ihrem Nachteil getan haben. „Steigende Kurse steigen den Leuten zu Kopfe“, warnt er. „Ist man eine Ente auf einem Teich und der Wasserspiegel steigt aufgrund heftigen Regens, steigt man in der Welt auf. Aber man denkt, man selbst steige auf, nicht Wasserspiegel.“

Wie man es von einem Partner von Buffett erwartet, empfiehlt Munger die richtigen Firmen zu kaufen und dann abzuwarten. „Man schließt besser einige wenige große Wetten ab und lehnt sich dann zurück und wartet ab. Mathematisch betrachtet bringt Nichtstun hier viele Vorteile.“ Oder, um es noch anschaulicher zu sagen: „Wenn du ein paar großartige Firmen gekauft hast, dann kannst du getrost auf deinem Hintern sitzen bleiben.“

Wie sein Partner, hat Munger wenig Ehrfurcht gegenüber der Hypothese effizienter Märkte und nennt das Capital Asset Pricing Model eine Obszönität. „Die Leute rechnen zu viel und denken zu wenig.“

Warren Buffett wird vielfach für seine transparente Kommunikation gelobt. Wenn aber einer des Buffett/Munger Duos den Preis für Direktheit und Unumwunden-zum-Punkt-kommen verdient, dann ist es Charlie Munger.