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BASF-Aktie: Dieser Abverkauf ist kurzsichtig

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Foto: Getty Images

Abgesehen von einem kurzen Moment während des Coronacrashs notierte die Aktie der BASF (WKN: BASF11) in den letzten zehn Jahren fast immer weitaus höher als heute. Rein vom Chartbild her wirkt es so, als ob der Chemieriese mit dem Rücken zur Wand stünde. Und einige reißerische Überschriften deuten tatsächlich an, dass der BASF Schlimmes droht.

Aber die Realität schaut anders aus. Dieser Verkaufsdruck erscheint mir sehr kurzsichtig.

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So verprügelt ist die BASF-Aktie

Noch Anfang 2018 stieß der Kurs von BASF in den Bereich von 100 Euro vor. Seither zeigt die Tendenz nach unten. Nach dem Coronatief im Frühling 2020 bei rund 40 Euro bäumte sich die Aktie noch mal kräftig auf. Doch jetzt sind alle zwischenzeitlichen Zugewinne wieder abgeschmolzen. Brutal.

Die Marktkapitalisierung von 39 Mrd. Euro liegt damit bei weniger als der Hälfte des Umsatzes, der für das laufende Geschäftsjahr geplant ist. Zwar ist die BASF bei der Gewinnentwicklung über die letzten Jahre auf der Stelle getreten. Aber für 5 Mrd. Euro unter dem Strich war sie in normalen Jahren immer gut.

Schon das entspricht einem sehr attraktiven Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 8. Würde der komplette Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet, dann ergäbe sich eine Rendite von über 12 %. Da jedoch in der Regel ein guter Teil einbehalten wird, kann das Management in die Stärkung der Bilanz und den Ausbau des Geschäfts investieren, was das zukünftige Gewinnpotenzial steigert.

All das zeigt auf, dass die BASF-Aktie derzeit schreiend billig ist – soweit der Chemieriese sich halbwegs normal entwickeln kann.

Dunkle Wolken ziehen auf

Kurzfristig ist nichts normal bei der BASF. Wenn im Stammwerk Ludwigshafen, wie von manchen befürchtet, kein Erdgas mehr ankommt, dann müsste der gigantische Betrieb noch am gleichen Tag heruntergefahren werden. Dann drohen Milliardenverluste.

Sowieso leidet das Unternehmen bereits unter den Turbulenzen in der globalen Logistik und den erhöhten Energie- und Rohstoffkosten. Mit dem Krieg in der Ukraine wurden zudem Milliardeninvestitionen in Russland entwertet.

Nun droht eine Rezession, worunter das zyklische Chemikaliengeschäft besonders leiden würde. Es gibt also durchaus Gründe, BASF-Aktien zu verkaufen. Und Hedgefonds wie Bridgewater versuchen, das negative Sentiment über Leerverkäufe für sich zu nutzen.

BASF hat es selbst in der Hand

Früher oder später müssen Leerverkäufer allerdings wieder zurückkaufen. Und das werden sie womöglich schon bald. Denn Aktien von hochprofitablen Unternehmen werden den akkumulierten Wert irgendwann reflektieren müssen.

Anders wäre die Situation freilich, wenn das Extremszenario tatsächlich eintritt, nämlich dass BASF kein Erdgas mehr bekommt. Dazu muss man allerdings wissen, dass das Stammwerk in Ludwigshafen umringt ist von weiteren bedeutenden Chemie- und Pharma-Standorten anderer Konzerne. Von Mainz bis Mannheim und von Darmstadt bis Basel besteht ein überragendes Interesse daran, die Energieversorgung sicherzustellen.

Daran hängen viele Hunderttausend Arbeitsplätze. Von daher werden Politik und Wirtschaft ihre Kräfte bündeln. Das Management der BASF sagt, dass es eng mit Zulieferern, Gasnetzbetreibern und Behörden zusammenarbeite, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Zur Not wird man wohl über den Rhein Flüssiggas-Transporte organisieren. Entsprechende Planungen dazu laufen bereits seit rund zehn Jahren. Und im Hafen Mannheim wird es in geringem Umfang auch bereits genutzt. Er hat die erste Möglichkeit zum Bunkern von LNG im deutschen Hinterland eingerichtet und führt regelmäßig LNG-Betankungen durch.

Es sollte möglich sein, die Kapazitäten innerhalb von einem Jahr deutlich auszubauen. Passende Kryotechnik wird in Deutschland an verschiedenen Standorten produziert. Ich denke etwa an MAN Cryo oder Chart Industries (WKN: A0KDX9), die in Goch Druckbehälter und Tankwagen für den LNG-Transport liefert. Zudem verfügen regional präsente Gasekonzerne wie Air Liquide (WKN: 850133) über jede Menge Verflüssigungs-Know-how.

Da braucht es nur noch Bezugsquellen für den Rohstoff selbst. Passenderweise ist Wintershall DEA noch immer eine Tochter von BASF. Den Abschreibungen stehen dort gewaltige Gewinne durch die explodierenden Gaspreise gegenüber. Denn Wintershall DEA ist auch in Amerika, Nordafrika und Nordeuropa aktiv und forciert aktuell diverse LNG-Projekte.

Langfristanleger wittern Morgenluft

BASF hat die Kraft, um im aktuellen Gegenwind zu bestehen und auf lange Sicht gestärkt herauszukommen. Das eigene Erdgasgeschäft und die vielen unterschiedlichen Absatzmärkte sollten den Konzern stabilisieren, sodass ich nicht mit einem nachhaltigen Ergebniseinbruch rechnen würde. Vielmehr dürfte die BASF auf lange Sicht ihre Gewinne in Richtung 10 Mrd. Euro hochschrauben können. Und das klingt bei den aktuellen Kursen für meine Ohren sehr attraktiv.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine erwähnten Aktien. 

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