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James-Webb-Weltraumteleskop: In diese Hightech-Lieferanten kann man investieren

Webb Telescope vor Simulationskammer
Quelle: NASA/Desiree Stover

Ich bin deutlich nach den ersten benannten Mondflügen geboren und die Challenger-Katastrophe stellt einen meiner frühesten prägenden Eindrücke der Raumfahrt dar. Immerhin fielen aber danach gigantische Projekte wie der Aufbau der Internationalen Raumstation und des Global-Positioning-Systems sowie die Inbetriebnahme des Hubble-Weltraumteleskops in meine Zeit.

Nun verfolge ich mit Spannung, wie sich der Nachfolger, das riesige James-Webb-Weltraumteleskop, seinem Ziel in 1,4 Millionen Kilometer Entfernung nähert und sich dabei bei einer halsbrecherischen Reisegeschwindigkeit von über 1.600 km/h entfaltet und montiert.

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An diesem hat ein Teil der weltweiten Elite der Hightech-Industrie mitgewirkt, um eine nie da gewesene Präzision der Messinstrumente zu erreichen und den zuverlässigen Betrieb unter Extrembedingungen sicherzustellen. Die Spiegel hat das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena beigesteuert, in das wir nicht investieren können. In die Aktien einiger der beteiligten Unternehmen allerdings schon. Und das ist vielleicht eine gute Idee.

Northrop Grumman

Northrop Grumman ist einer der weltgrößten und technisch versiertesten Aerospace- und Rüstungskonzerne mit 27 Mrd. US-Dollar Umsatz in den ersten drei Quartalen. Das Segment „Space Systems“ trug dazu 7,95 Mrd. US-Dollar bei, bei einer operativen Marge von 10,9 % (Gesamtkonzern: 12,0 %). Es gilt als der am schnellsten wachsende Bereich, wobei der gute Auftragsbestand darauf hinweist, dass der Trend anhält. Space Systems hat kürzlich mit Tom Wilson einen neuen Chef bekommen.

Beim Webb-Teleskop trägt Northrop Grumman als „Prime Contractor“ der NASA die Hauptverantwortung, wozu der Entwurf und Bau des entfaltbaren Sonnenschutzschildes sowie die Bereitstellung des Raumfahrzeugs und die Integration des Gesamtsystems gehören.

Ball Corporation

Ball ist, wenn überhaupt, eher als Hersteller von Aluminiumdosen bekannt. Der Mischkonzern verfügt allerdings auch über ein traditionsreiches Aerospace-Segment. Dort entwickelt Ball Systeme, Sensoren und Instrumente für Raketen, Raumsonden und Satelliten für Forschungs- und kommerzielle Zwecke. In den ersten neun Monaten 2021 schrieb es Umsätze in Höhe von 10,1 Mrd. US-Dollar und erzielte einen Nettogewinn von 581 Mio. US-Dollar.

Der Aerospace-Anteil beträgt lediglich 1,4 Mrd. US-Dollar, aber mit einem operativen Gewinn von 115 Mio. US-Dollar ist es überdurchschnittlich profitabel. Für das Webb-Teleskop entwarf und baute Ball die optische Technologie und das Spiegelsystem mit 6,5 Metern Durchmesser, dessen Segmente mit kryogenen Aktuatoren für das Feintuning ausgestattet sind. All das wurde bereits vor über acht Jahren ausgeliefert und Ball unterstützt seither die NASA-Ingenieure bei der Integration und den Tests.

Zuletzt hat sich Ball von Metalpack getrennt, einem führenden Hersteller von Aerosol-Dosen, sodass das Aerospace-Geschäft etwas an Gewicht gewinnt.

Hensoldt

Hensoldt ist noch nicht so bekannt, kann seine Wurzeln allerdings auf einige der renommiertesten europäischen Zulieferer der Verteidigungsindustrie zurückführen, darunter AEG, Aerospatiale-Matra, Carl Zeiss, Cassidian, Daimler und Dornier. Als Abspaltung von Airbus (WKN: 938914) kam der Konzern 2020 an die Börse. Er ist einer der wichtigsten Hightech-Partner der Bundeswehr und an vielen internationalen Programmen beteiligt.

Hensoldt entwickelt sensorgestützte Technologien, um Gefahren für Land-, See- und Luftstreitkräfte erkennen und abwehren zu können. Auch bei der immer wichtiger werdenden Cybersicherheit bietet das Unternehmen erstklassige Lösungen und hat den Anspruch, in Europa eine führende Position bei der Datenanalyse zu erobern. Raumfahrtprogramme unterstützt Hensoldt mit optischer Kommunikationstechnik, Erkennung von gefährlichen Objekten und Sensorsystemen zur Erdbeobachtung und Weltraumerforschung.

Für das Webb-Teleskop liefert Hensoldt Optronics nach eigener Aussage „das technologische Herz“. Dabei geht es um zusammen mit dem Heidelberger Max-Planck-Institut entwickelte Systeme für zwei der vier wissenschaftlichen Instrumente, MIRI und NIRSpec. Hensoldt stellte dafür Kryomechanismen und Optik zur spektralen Aufspaltung her.

Mit einem Neunmonatsumsatz von 850 Mio. Euro ist Hensoldt deutlich kleiner als die mächtigen US-Spieler. Aber der massiv gestiegene Auftragsbestand (5,4 Mrd. Euro zum 30.09.2021) und die gezielten Investitionen lassen deutliches Wachstum erwarten über die kommenden Jahre. Der italienische Raumfahrt- und Rüstungskonzern Leonardo (WKN: A0ETQX) ist zuletzt zum Ankeraktionär mit 25,1 % der Anteile aufgestiegen.

Gute Renditen mit Rüstung und Weltraum

Weltraumprogramme sind die Königsdisziplin. Wer sich dafür qualifiziert, erfüllt die höchsten Standards. Das gilt insbesondere für prestigeträchtige und milliardenschwere Leuchtturmprojekte wie das James-Webb-Weltraumteleskop.

Klar ist aber auch, dass das Brot-und-Butter-Geschäft fast aller Beteiligten eher im Bereich der Rüstungstechnik liegt. Viele Anleger meiden diesen Sektor. Darin liegt aber andersherum vielleicht auch eine Chance. Gerade Hensoldt scheint sich richtig viel vorgenommen zu haben, wird aber von den Anlegern weitgehend ignoriert. Langfristig könnten geduldige Anleger, die sich von Kriegstechnik nicht abschrecken lassen, mit marktschlagenden Renditen belohnt werden.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Hensoldt. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Wertpapiere.

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