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Kohle mit Kohle-Aktien. Ein schmutziges, aber renditestarkes Investment (?)

Tagebergbau
Foto: Getty Images

Die meisten Investoren meiden den Kohlesektor. Das Thema steht – wohl zu Recht – am Pranger in der Klimadebatte. Es erscheint auf den ersten Blick moralisch fragwürdig, an diesem Übel Geld mitzuverdienen.

Andererseits macht es für das Klima überhaupt keinen Unterschied, ob in einem bestimmten Kleinanleger-Depot Solar- oder Kohleaktien liegen. Das Halten von Aktien aus dem Sekundärmarkt und die Finanzierung des Unternehmens dahinter über den Primärmarkt, das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Die Unbeliebtheit des Sektors könnte daher eine Chance für Überrendite darstellen.

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Warum der Kohlesektor mehr Zukunft hat als das Klima

Das Klima, das wir von früher kannten, kommt in Zukunft wohl nicht mehr zurück. Die Meeresspiegel steigen und die Naturkatastrophen werden häufiger. Aber trotz aller Beteuerungen zum Auslaufenlassen („phase out“, „phase down“ oder „phase“ auch immer) des Kohleabbaus wird voraussichtlich nicht so wahnsinnig viel passieren. Die Minen sind erschlossen, der Kohleabbau billig und für viele Staaten – selbst in den USA – stellt es einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar.

Die anhaltend stark steigende Stromnachfrage wird nicht nur vom Bevölkerungswachstum getrieben, sondern auch von der zunehmenden Elektrifizierung und der aufstrebenden Wasserstoffwirtschaft. Selbst ein exponentieller Ausbau der erneuerbaren Energien wird daher kaum die Kohleverstromung senken können auf Sicht von zwanzig Jahren.

Länder wie Indien, Südafrika, Australien und die Vereinigten Staaten werden sich das Kohlegeschäft wohl nicht so schnell entgehen lassen. Wahrscheinlicher ist, dass sie auf den Einsatz von Technologien setzen, die versprechen, die Klimabilanz zu verbessern. Das kann von energieeffizienten Abbau-Methoden bis zur Nutzung der Kohle zur Erzeugung von Wasserstoff reichen.

Kandidaten für ein Kohle-Depot

Bei der Zusammenstellung eines kleinen Portfolios aus Kohle-Aktien kommen sehr unterschiedliche Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette infrage.

Man könnte natürlich auf einige lokale Kohleunternehmen wie China Shenhua Energy Company (WKN: A0M4XP) oder Sasol (WKN: 865164) setzen, deren Geschäft aus dem Kohleabbau, der kohlechemischen Verwertung und der Erzeugung von Kohlestrom besteht. Damit setzt man sich allerdings stark der lokalen Regulierungspolitik aus.

Um an der Industrie zu partizipieren, ist es daher vielleicht günstiger, auf weltweit aktive Technologielieferanten zu setzen.

SMT Scharf (WKN: 575198)
SMT Scharf hat sich wunderbar in seiner Nische eingerichtet. Mit seinen Einschienen-Hängebahnen, Sesselliften, gummibereiften Fahrzeugen und diversen weiteren Lösungen rund um den Transport im Schacht bzw. Tunnel kann sie sich Technologieführer nennen.

Der Fokus liegt auf dem unterirdischen Bergbau, egal ob Erze oder Kohle. Unter dem Schlagwort „Bergwerk 4.0“ will SMT Schaaf eine Menge dazu beitragen, dass diese schmutzige Industrie effizienter wird. Der mittelfristige Ausblick ist positiv und die zyklische Abhängigkeit verringert sich. Bereits jetzt macht das profitable Geschäft mit Services und Ersatzteilen rund die Hälfte des Umsatzes aus.

FLSmitdth (WKN: 860885)
FLSmitdth ist ein großes dänisches Engineering-Unternehmen, dessen ursprünglicher Fokus auf Zementanlagen lag. In diesem Jahr hat es angekündigt, die Sparte Mining Technologies des langjährigen Rivalen Thyssenkrupp (WKN: 750000) zu übernehmen, wozu auch die mächtigen Schaufelbagger gehören. Gemeinsam decken sie die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Exploration und Extraktion über den Transport bis hin zur Weiterverarbeitung der abgebauten Erze und Rohstoffe.

So schnell wie möglich sollen im kommenden Jahr Synergien gehoben werden durch die Rationalisierung der internationalen Standorte und den Ausbau des Servicegeschäfts. Zusammen wolle man zu einer „emissionsfreien Zukunft der Mining-Industrie“ beitragen.

Zu beachten ist allerdings, dass FLSmitdth zweigleisig fährt. Die Technologie kommt auch zum Einsatz, um etwa beim Betrieb von Zementwerten Kohle durch weniger schädliche Brennstoffe zu ersetzen. Für FLSmitdth stellt Kohle bisher auch nur eines von diversen Anwendungsfeldern seiner Technologie dar.

Künftig dürfte die Bedeutung allerdings steigen, da Thyssenkrupp eine führende Stellung beim Schüttgutumschlag einnimmt. Angesichts der jüngsten Probleme in den weltweiten Lieferketten sind Hafenbetreiber angehalten, in leistungsfähigere Umschlagtechnik zu investieren.

Sandvik (WKN: 865956)
Die schwedische Sandvik unterstützt ebenfalls Bergbauprojekte mit umfassender Technologie. Schweres Werkzeug, um Kohle und Erze herauszubrechen, zu zerkleinern und abzutransportieren, gehört genauso dazu wie IT-gestützte Automatisierungslösungen. Bekannt ist Sandvik auch durch seine extrem harten Verschleißteile für Werkzeuge.

Insgesamt kann Sandvik durch sein breites Portfolio nicht ganz so stark vom Kohlesektor profitieren, zumal sie 2018 der Geschäftsbereich Mining Systems an FLSmidth verkauft hat. Dafür bietet das Unternehmen einige weitere spannende Wachstumschancen, etwa im Bereich der 3D-Druckmaterialien.

Mein Fazit

Auch wenn viele das Ende der Kohle-Ära herbeisehnen, wird es dazu wohl zu unseren Lebzeiten nicht dazu kommen. Ein Faktor dabei ist, dass Unternehmen wie Kawasaki Heavy Industries (WKN: 858920) intensiv an Lösungen arbeiten, um dem Rohstoff ein grüneres Antlitz zu geben. Blauer Flüssigwasserstoff aus Braunkohle heißt die Zauberformel. Das ändert jedoch nichts daran, dass heute viele Fonds und Großinvestoren einen großen Bogen um Aktien aus diesem Sektor machen.

Je mehr ein Unternehmen mit Kohle zu tun hat, desto größer ist die Chance, dass die Aktie mit einem Bewertungsabschlag gehandelt wird, der uns auf lange Sicht ein Renditeplus bescheren könnte. Deshalb könnte es sich lohnen, sich die Hände etwas schmutzig zu machen, um sich nach aussichtsreichen Titeln umzuschauen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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