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Ist die Siemens-Beteiligung Fluence Energy die beste Batterie-Aktie der Welt? (Vorsicht!)

Energiespeicher mit Erneuerbaren Energien
Foto: Getty Images

Fluence Energy (WKN: A3C6A3) wird gelegentlich als das einzige Unternehmen bezeichnet, das den stationären Energiespeichern von Tesla (WKN: A1CX3T) in jeder Hinsicht Paroli bieten kann. Fluence genießt die Rückendeckung von Siemens (WKN: 723610), AES Corporation (WKN: 882177) und einem Staatsfonds von Katar und gilt als hochinnovativ. Entsprechend könnte die Aktie eine spannende Investitionsgelegenheit darstellen für Anleger, die sich rund um die Energiewende positionieren wollen.

Dennoch gibt es einige Punkte, die mich bei der Fluence-Aktie vorsichtig werden lassen. Dazu genügt ein Blick in den Risikobericht.

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Wovon die Wachstumsperspektiven von Fluence abhängen

Fluence sagt, dass „die künftige Wachstumsrate beeinträchtigt und das potenzielle Wachstum eingeschänkt“ werden kann, wenn die folgenden Annahmen, Marktschätzungen und Wachstumsprognosen sich nicht bewahrheiten:

(i) laut BloombergNEF wuchs die weltweite Energiespeicherkapazität zwischen 2015 und 2020 um 63 % pro Jahr und wird bis 2025 voraussichtlich um weitere 41 % pro Jahr wachsen;
(ii) Rückgang der Kosten für Lithium-Ionen-Batterien und der Kosten für erneuerbare Energien;
(iii) steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien; und
(iv) zunehmende Komplexität des Stromnetzes.

Fluence ergänzt: „Unsere Marktchancen beruhen auch auf der Annahme, dass unsere bestehenden und künftigen Angebote für unsere Kunden und potenziellen Kunden attraktiver sind als die Produkte und Dienstleistungen der Konkurrenz. Selbst wenn der Markt, auf dem wir konkurrieren, unsere Größenschätzungen und Wachstumsprognosen erfüllt, könnte unser Geschäft nicht mit ähnlichen Raten wachsen, wenn überhaupt.“

Ich denke, dass bei (i) und (iii) nicht viel schiefgehen kann. Die wachsende Nachfrage bis 2025 ist bereits jetzt in den Auftragsbüchern der Anbieter zum Teil ersichtlich. Gerade ging durch die Presse, dass Fluence voraussichtlich an einem 400 Mio. US-Dollar schweren Energiespeicherprojekt in Chile beteiligt sein wird. Und dass sich der Ausbau der erneuerbare Energien beschleunigen wird, steht wohl außer Frage.

Bei (ii) und (iv) wäre ich hingegen etwas vorsichtiger. Die Batteriefertigung sollte zwar deutlich günstiger werden dank der Massenfertigung, aber beim Lithium drohen Engpässe. Von daher könnte die Wettbewerbsfähigkeit von stationären Energiespeichern, die auf Lithium-Ionen-Batterien setzen, leiden.

Es besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Lithium in einigen Jahren aufgrund seiner Knappheit nur noch dort zum Einsatz kommen kann, wo es am meisten Nutzen stiftet. Und das sind ganz klar portable, tragbare und mobile Anwendungen wie Akkubohrer, Hörgeräte, Smartphones und Elektroautos.

Alternative Technologien mit guten Erfolgsaussichten

Für stationäre Anwendungen gibt es gute Alternativen, die in fast allen Anwendungsfällen die Lithium-basierten Lösungen von Fluence ersetzen können.

Energy Vault Hubkraftwerke

Zum Beispiel wird Energy Vault in Kürze dank eines SPAC-Deals über mehr als 400 Mio. US-Dollar verfügen, um seinen Gravitationsspeicher weltweit auszurollen. Aus lokal verfügbaren Baustoffen und Recyclingmaterial sollen dort kostengünstig große, schwere Blöcke geschaffen werden, die bei Energieüberschuss hochgezogen und oben in einer simplen Konstruktion gelagert werden. Fehlt Energie im Stromnetz, geben sie abwärts die Hubenergie wieder über einen Generator frei. Das zunächst in der Schweiz ersonnene Prinzip ist praktisch unendlich wiederholbar, auf 500 Megawattstunden und mehr skalierbar, sicher und weist eine Energieumwandlungseffizienz auf, die nahe an Lithium-Systeme herankommt.

Pumpspeicherkraftwerk in Meerestiefen

Das deutsche Projekt StEnSea präsentiert sich aktuell in Dubai im deutschen Pavillon auf der Expo. Nach erfolgreichen Tests im Bodensee wollen die Fraunhofer-Forscher nun in die Kommerzialisierung übergehen. Aus riesigen Hohlkörpern, die Hunderte Meter tief im Meer abgelegt werden, wird bei Energieüberschuss das Wasser herausgepumpt. Andersherum treibt das einströmende Wasser eine Turbine an, zu wettbewerbsfähigen Zykluskosten. Die Speicherkapazität ist mit 20 Megawattstunden pro Kugel enorm.

Flussbatterie vor dem Durchbruch

Die Leistungswerte von Flussbatterien sind zwar nicht so gut wie bei Lithiumsystemen, aber dafür kann die Kapazität durch separate Elektrolyttanks beliebig dimensioniert werden und es sind mehr Ladezyklen möglich. Beispielsweise will Industriegigant Honeywell (WKN: 870153) seine neu entwickelte Flussbatterie schon nächstes Jahr zusammen mit einem großen Versorger testen. Da alle dafür notwendigen Materialien leicht verfügbar und recycelbar sind, verspricht sich das Management eine Menge von der Technik.

Extragroße Schwungradspeicher für Windparks

Das von der Uni Dresden koordinierte Projekt DEMIKS wiederum, wo es um einen höchstkapazitiven Schwungradspeicher geht, passt gut als Ergänzung zu Windparks. Vor Kurzem wurde der Demonstrator in Boxdorf installiert. Bewährt sich das Prinzip, kann darauf aufbauend sicherlich innerhalb von wenigen Jahren eine Serienfertigung hochgezogen werden.

Thermische Speicher und anderes

Zu guter Letzt wird es in vielen Fällen auch ein preiswerter thermischer Speicher in Verbindung mit smarten Nutzungskonzepten tun. Man könnte die Liste noch verlängern, aber ich denke, es wird klar, dass das Wettbewerbsumfeld für Lithiumsysteme künftig härter wird.

Warum das Stromnetz zukünftig weniger komplex sein könnte

Und auch die andere Prämisse, dass das Stromnetz immer komplexer wird, könnte auf lange Sicht schwinden. In den kommenden Jahren wird man eine zunehmende Anzahl von Speichersystemen brauchen, um an verschiedenen Stellen des Netzes für Puffer zu sorgen. Langfristig könnte der Bedarf jedoch wieder zurückgehen.

Dass künftig möglicherweise vermehrt direkt an der Quelle der schwankenden Stromproduktion Schwungrad- oder Hubenergie-Speichersysteme installiert werden, ist nur einer der Faktoren, die mich an den Aussichten von Fluence zweifeln lassen.

Hinzu kommt, dass eine schnell wachsende Anzahl von Elektrolyseuren, kleineren Heimspeichern und Fahrzeugbatterien am Netz hängen wird. Sie alle können Funktionen von großen Energiespeichern zur Netzstabilisierung übernehmen. In Verbindung mit flexiblen Stromtarifen können auch stromhungrige Geräte und Anlagen so programmiert werden, dass sie dann anspringen, wenn der Strompreis tief ist. Angebot und Nachfrage synchronisieren sich damit immer mehr. Der Mehrwert von stationären Lithiumspeichern reduziert sich dadurch erheblich.

All das bedeutet nicht, dass die Aussichten von Fluence Energy aussichtslos wären. Aber es wird seine Innovationsgeschwindigkeit über viele Jahre hinweg hochhalten müssen, wenn es sich in diesem schnell wandelnden Marktumfeld behaupten möchte.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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