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Krisen-Profiteure: Ist diese Aktie wirklich der große Corona-Überflieger?

Foto: Getty Images

Das Düsseldorfer Unternehmen Gerresheimer (WKN: A0LD6E) gehört zu den deutschen Gewinnern der Pandemie. Denn immer wenn ein Impfstoff von BioNTech, Moderna oder AstraZeneca die Impfstoffzentren erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Fläschchen aus dem Hause Gerresheimer stammt. Die Aktie notiert aktuell bei 89,90 Euro (Stand: 19. April 2021). Ist der Einstieg zu diesem Kurs noch attraktiv?

Gerresheimer wächst in der Pandemie

Der einstige Bierflaschen-Produzent bietet Primärverpackungen für die internationale Pharma-, Healthcare- und Kosmetikindustrie. Neben den Unternehmen Schott aus Mainz und Stevanato aus Italien gehört Gerresheimer zu den weltgrößten Produzenten von Vakzinfläschchen, den sogenannten „Vials“.

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Mit seinen knapp 10.000 Mitarbeitern, von denen gut ein Drittel in Deutschland beschäftigt ist, verbuchten die Düsseldorfer im ersten Quartal 2021 insgesamt einen leichten Umsatzrückgang auf 303 Mio. Euro. Bereinigt um Währungseffekte ergab sich jedoch ein organisches Wachstum von 3,7 %. Der bereinigte Gewinn kletterte um mehr als ein Drittel auf 18,5 Mio. Euro.

Gerresheimer hofft auf anhaltenden Vials-Boom

Ende 2020 und im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wurden insgesamt etwa 160 Mio. Fläschchen für Corona-Impfstoffe verkauft. Zu den Abnehmern gehören BioNTech (WKN: A2PSR2), Pfizer (WKN: 852009), Moderna (WKN: A2N9D9) und AstraZeneca (WKN: 886455).

Bisher wurde mit den Fläschchen ein Umsatz von etwa 8 Mio. Euro erzielt – der Anteil an den Gesamterlösen ist gering. Allerdings betonte CEO Dietmar Siemssen, dass die Corona-Geschäft ein Türöffner seien, um Firmenkunden weitere Produkte zu verkaufen – das dadurch entstandene Umsatzpotenzial sei sehr groß. „Davon profitieren wir kurzfristig, aber auch mittel- und langfristig erheblich“, so Siemssen.

Wie lange kann Gerresheimer die Krise nutzen?

Gerresheimer hatte seine Produktionskapazitäten für die Herstellung von Injektionsfläschchen für COVID-19-Impfstoffe im ersten Quartal 2021 erneut erweitert. Nun will das Management bis Ende 2022 eine Milliarde Fläschchen für Corona-Impfstoffe verkaufen.

Sollten nach der vielleicht 2022 abgeschlossenen erstmaligen Impfung der Weltbevölkerung weitere, vielleicht jährliche Folgeimpfungen hinzukommen, würden lukrative Geschäfte locken: Dann würde das Vakzin wohl in vorfüllbaren Spritzen geliefert – diese Spritzen stellt der Konzern ebenfalls her, die jetzt benutzten Einmalspritzen hingegen nicht. Durch den Einsatz von vorfüllbaren Spritzen würde das Corona-Geschäft für Gerresheimer noch lukrativer werden.

Mit Blick auf das langfristige Potenzial bin ich zurückhaltend

Corona ist womöglich nur ein kurzer Hoffnungsschimmer. In meinen Augen benötigt Gerresheimer mehr Argumente. Das Unternehmen muss mir erst einmal beweisen, dass es mit seinen Produkten langfristig außerordentliches Wachstum erzielen kann.

Die letzten Jahre waren nicht von Euphorie geprägt. Im Durchschnitt der letzten Jahre wuchs der Umsatz um 3,3 % und der Nettogewinn um 6,6 % pro anno. Das ist in Ordnung, aber auf dem Gesundheitssektor nicht gerade weltbewegend.

Die Margen sind ordentlich. In den letzten zehn Geschäftsjahren pendelte die Bruttomarge zwischen 29 und 32 %, die EBT-Marge zwischen 6 und 10 %. Das Eigenkapital verzinste sich im Jahr 2020 zu 9,8 %.

Die Bilanz macht auf mich einen etwas labilen Eindruck. Das Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Verbindlichkeiten nur zu 96 %. Auch der Verschuldungsgrad stieg zuletzt wieder an. Aktuell entsprechen die Gesamtschulden rund 95 % des Eigenkapitals.

Ich warte auf den nächsten Kursrücksetzer

Der Aktienkurs von Gerresheimer hat seit Beginn der Pandemie kräftig zugelegt – auf ein Jahr gerechnet stieg er um 31 %. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt heute bei 2, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 32 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 2,7. Die Aktie ist damit meines Erachtens fair bewertet.

Auf der Hauptversammlung am 9. Juni soll eine Dividende in Höhe von 1,25 Euro abgesegnet werden. Die Dividendenrendite auf den aktuellen Kurs liegt damit bei 1,4 %. Es ist gleichzeitig die elfte Anhebung in Folge. In meinen Augen ist dies jedoch zu wenig, um ohne Preisabschlag zu investieren. Ich warte lieber auf einen Rabatt in der nächsten pandemiefreien Phase – vorausgesetzt, Gerresheimer kann bis dahin mit Alleinstellungsmerkmalen auf dem Markt überzeugen.

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Henning Lindhoff besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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