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Der größte Fehler, den Alibaba-Investoren jetzt machen können

Foto: Alibaba

Alibaba (WKN: A117ME) wird oft als solide langfristige Investition in Chinas boomenden Tech-Sektor angesehen. Das Unternehmen besitzt die größten E-Commerce- und Cloud-Infrastruktur-Plattformen des Landes, sein Ökosystem erstreckt sich über den Werbe-, Medien-, Internetsoftware- und Spielemarkt. Derzeit erzielt es durchweg zweistellige Umsatz- und Gewinnzuwächse.

Dennoch hat Alibaba in den letzten sechs Monaten fast ein Fünftel seines Marktwertes verloren, da die Aufsichtsbehörden in China und den USA das Geschäft unter die Lupe genommen haben. Steigende Anleiherenditen, die eine Rotation weg von wachstumsstärkeren Tech-Aktien hin zu Value-Aktien auslösten, verschärften den Abrutsch weiter.

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Analysten erwarten immer noch, dass der Umsatz und der Gewinn von Alibaba in diesem Jahr um 39 bzw. 27 % steigen werden. Die Aktie wird zum 19-Fachen der zukünftigen Gewinne gehandelt.

Die Alibaba-Aktie mag unterbewertet erscheinen. Doch Investoren sollten stets skeptisch gegenüber Analystenschätzungen sein. Besonders wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das immer noch so viel Gegenwind hat. Alibaba stürzt zwar nicht rapide ab, aber der schlimmste Fehler, den Anleger jetzt machen können, ist, anzunehmen, dass das Schlimmste vorbei sei. Stattdessen glaube ich, dass das Schlimmste noch kommen wird, da die Regulierungsbehörden sich verstärkt mit Alibaba beschäftigen.

Mehr und mehr Probleme in China

Anfang 2020 hat Chinas SAMR (State Administration for Market Regulation) damit begonnen, ihre Kartellgesetze, die bisher vor allem auf große ausländische Unternehmen abzielten, auch auf heimische Unternehmen auszuweiten. Ende 2020 zwang die SAMR Alibabas Fintech-Tochter Ant Group, ihren Börsengang auszusetzen. Man verhängte eine Geldstrafe gegen Alibaba wegen nicht genehmigter Übernahmen. Außerdem leitete man eine formelle kartellrechtliche Untersuchung von Alibabas E-Commerce-Geschäft ein.

Die SAMR wird Alibaba Berichten zufolge dazu zwingen, seine exklusiven Deals mit Händlern und die Verwendung von Aktionspreisen zur Gewinnung neuer Kunden einzustellen.

Es könnte Alibaba auch unter Druck setzen, einige seiner Medien-Assets zu veräußern. So soll der Online-Einfluss eingeschränkt und alle Nutzerdaten mit einem staatlich unterstützten Joint Venture geteilt werden. Außerdem soll sich das Unternehmen von seinem Mitbegründer und ehemaligen CEO Jack Ma distanzieren.

Neue Bestimmungen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die letztes Jahr eingeführt wurden, verpflichten chinesische Unternehmen außerdem dazu, eine bestimmte Anzahl von registrierten KPCh-Kadern einzustellen, um die Geschäftspraktiken zu überwachen. Zu allem Überfluss könnte die SAMR eine einmalige Geldstrafe gegen Alibaba verhängen. Die dürfte wahrscheinlich die Rekordstrafe von 975 Millionen USD gegen Qualcomm im Jahr 2015 übertreffen.

All diese neuen Regeln könnten das Wachstum von Alibabas Kerngeschäft, das den Großteil des Umsatzes und den gesamten Gewinn generiert, drosseln. Somit könnte man im E-Commerce gegen die Konkurrenten JD.com und Pinduoduo schwächeln. Gleichzeitig könnten andere Tech-Giganten wie Tencent und Baidu davon profitieren und Anteile gewinnen.

Noch mehr ungelöste Probleme in den USA

Alibabas kartellrechtliche Herausforderungen in China bestimmen die Finanznachrichten. Aber das Unternehmen sieht sich auch drei unvorhersehbaren regulatorischen Problemen in den Vereinigten Staaten ausgesetzt.

Erstens verlangt ein neues US-Gesetz – das hauptsächlich auf in den USA börsennotierte chinesische Unternehmen abzielt – von allen ausländischen Unternehmen die Einhaltung strengerer Prüfungsregeln. Außerdem den Nachweis, dass sie nicht von einer ausländischen Regierung kontrolliert werden. Wenn sie sich drei Jahre lang nicht daran halten, können ihre in den USA gelisteten Aktien von der Börse genommen werden.

Da die KPCh und SAMR ihren Griff auf Alibaba verschärfen, könnte es unmöglich werden, diese neuen Anforderungen in den USA zu erfüllen. Das ist der Grund, warum Alibaba Ende 2019 eine Zweitnotierung in Hongkong eingeführt hat, und warum US-Investoren vorsichtig sein sollten.

Zweitens wurde Alibabas Taobao wiederholt auf die schwarze Liste der „berüchtigten Marktplätze“ des US-Handelsbeauftragten für den angeblichen Verkauf von gefälschten Waren gesetzt. Pinduoduo wurde ebenfalls auf diese schwarze Liste gesetzt, während JD.com nicht auf dieser Liste steht.

Schließlich nutzt die chinesische Regierung Alibabas Gesichtserkennungs-, Cloud- und KI-Technologien für verschiedene Überwachungszwecke. Diese kontroverse Beziehung, zusammen mit den anderen oben erwähnten Problemen, könnte Alibaba zu einem Ziel für US-Sanktionen machen.

Wie geht’s weiter?

Die Bullen werden behaupten, dass Alibabas regulatorischer Gegenwind nur vorübergehend ist und dass der jüngste Einbruch eine seltene Kaufgelegenheit darstellt. Die Bären werden sagen, dass die chinesische Regierung eine Obergrenze für das langfristige Wachstum von Alibaba setzt. Außerdem, dass die zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen der Regierung und Alibaba es für US-Investoren unmöglich machen könnten, die Aktie zu halten, wenn neue Regulierungen in Kraft treten.

Ich bin auf der Seite der Bären, bis dieser Gegenwind nachlässt. Die Aktie mag im Moment wie ein Schnäppchen aussehen, aber sie ist aus offensichtlichen Gründen billig.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd., Baidu, JD.com, Qualcomm und Tencent Holdings. Leo Sun besitzt Aktien von Baidu und JD.com. Dieser Artikel erschien am 1.4.2021 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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