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Die 8 am schnellsten wachsenden Unternehmen an deutschen Börsen

Im Moment scheint das Investieren in bankrotte Unternehmen en vogue zu sein. Man werfe nur einen Blick auf die Aktienkurse von Unternehmen wie Hertz, J.C. Penney oder Whiting Petroleum. Die haben sich in nur wenigen Wochen kurz nach deren Insolvenzerklärungen vervielfacht.

Nur um sicherzugehen: Wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, dann bedeutet das in der Regel, dass Aktionäre ihr Geld verlieren, nicht vermehren.

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Den Nutzern der Handelsplattform Robin Hood scheint das egal zu sein. Die scheinen es zu sein, die diese Aktien in erster Linie kaufen. Es scheint zu gelten: Hauptsache, der Aktienkurs schießt in die Höhe. Je schneller, desto besser.

Nachhaltig dürfte das weniger sein. Wer weniger am Zocken interessiert ist und mehr am Vermögensaufbau, der sollte einfach nicht auf schnell steigende Aktienkurse aus sein.

Besser: Schnell steigende Umsätze

Viel wertvoller für „richtige“ Anleger (und nicht reine Spekulanten) sind Unternehmen, die es schaffen, etwas anderes schnell zu steigern: ihre Umsätze.

Ich habe das zum Anlass genommen, mir die am schnellsten wachsenden Unternehmen anzuschauen, die man an deutschen Börsen kaufen kann.

Es gibt ganze acht Unternehmen, die ihren Umsatz im letzten Geschäftsjahr mindestens verdreifachen konnten. Hier sind sie:

Unternehmen Umsatzwachstum
Covivio Office AG 5.626 %
Gateway Real Estate AG 409 %
SM Wirtschaftsberatungs AG 323 %
MBH Corporation PLC 306 %
DF Deutsche Forfait AG 284 %
NeXR Technologies SE 227 %
WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG 215 %
cyan AG 202 %

Datenquelle: S&P Global Market Intelligence und eigene Berechnungen

All diese Unternehmen könnten einen Blick hinsichtlich dessen wert sein, wie nachhaltig ihr Wachstum ist und woher es kommt. Abhängig von der Antwort auf diese Fragen dürften diese Aktien deutlich bessere Investitionen darstellen als die Aktien von bankrotten Unternehmen.

Noch besser: Steigende Gewinne

Vorher würde ich allerdings noch ein wenig filtern. Fast alle Unternehmen in der Liste hatten allgemein extrem niedrige Umsätze. In der Tat erzielten nur die Hälfte davon mehr als einen geringen einstelligen Millionenumsatz im Jahr 2018. Das relativiert die extremen Wachstumsraten bereits.

Außerdem macht es Sinn, nicht nur auf das Umsatzwachstum zu schauen. Am Ende sind es die Gewinne, die Aktionäre interessieren. Hier haben wir Glück. Die obigen vier haben im abgelaufenen Geschäftsjahr alle einen positiven operativen Gewinn erzielt.

Allerdings war das Gewinnwachstum bei dreien der vier geringer als das Umsatzwachstum. Nur cyan war hier besser, da das Wachstum einen Verlust im Jahr 2018 zu einem Gewinn 2019 machte.

Unternehmen Umsatz Umsatzwachstum EBIT-Wachstum
Gateway Real Estate AG 94 Mio. EUR 409 % 60 %
MBH Corporation PLC 51 Mio. EUR 306 % 164 %
WCM Beteiligungs- und Grundbesitz 182 Mio. EUR 215 % 11 %
cyan AG 27 Mio. EUR 202 %

Datenquelle: S&P Global Market Intelligence und eigene Berechnungen

Aber: Was ist mit der Aktienanzahl?

Die absoluten Zahlen können täuschen. Ein hohes Gewinnwachstum ist nicht immer gleich ein hohes Gewinnwachstum. Die Frage ist: Wie viel mehr Gewinn pro Aktie wurde erzielt?

Einem Aktionär hilft es wenig, wenn der absolute Gewinn um das X-Fache gesteigert wurde, aber gleichzeitig X-mal so viele weitere Aktien ausgegeben wurden. Dann verteilt sich nämlich der höhere Gewinn einfach auf mehr Aktionäre. Das ist wie bei einer Pizza. Nur weil man eine Pizza in zwölf anstatt in sechs Stücke schneidet, werden am Ende nicht mehr Leute satt.

Zieht man diesen Faktor in Betracht, relativiert sich das Bild noch einmal.

Unternehmen Wachstum EBIT/Aktie
Gateway Real Estate AG 35 %
MBH Corporation PLC -16 %
WCM Beteiligungs- und Grundbesitz 11 %
cyan AG

Datenquelle: S&P Global Market Intelligence und eigene Berechnungen

In welche dieser Aktien könnte sich eine Investition lohnen?

Auf Basis dieser simplen Recherche kann man natürlich keine Anlageentscheidung treffen. Aber zumindest kann man sie nutzen, um zu entscheiden, wo man tiefer graben möchte.

Auf den ersten Blick sehen Gateway und cyan am interessantesten aus. Diese beiden konnten ihren Gewinn pro Aktie relativ deutlich steigern.

Das Wachstum des operativen Gewinns pro Aktie von WCM und MBH von 11 % und -16 % sind eher ernüchternd, wenn man überlegt, dass unser Ansatz war, nach den am schnellsten wachsenden Unternehmen zu suchen.

Allerdings muss man diese deswegen nicht direkt abhaken.

Ein Blick auf das Geschäftsmodell von MBH offenbart zum Beispiel, dass sich dahinter eine ganze Reihe noch kleinerer Unternehmen befindet. MBH wächst durch deren Zukauf, der mit eigenen Aktien bezahlt wird. Die Frage hier wäre, wie stark und nachhaltig das organische Wachstum dieser Unternehmen ist.

Gar nicht so eindeutig

Was diese Übung zeigt, ist eigentlich hauptsächlich eines: Unternehmen können auf den ersten Blick hervorragend aussehen. Schaut man etwas tiefer, kann sich das Bild schnell ändern.

Aber zumindest kann man auf diese Weise zu neuen Investitionsideen kommen, wenn man sie braucht. Auf jeden Fall dürfte es nachhaltiger sein, als die Aktien bankrotter Unternehmen zu kaufen, nur weil sie innerhalb kürzester Zeit um Hunderte von Prozent gestiegen sind.


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Offenlegung: Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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