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Wie Roche und Novartis bei COVID-19 Druck machen und welche Aktie mehr davon profitiert

Bild: Getty Images

Boris Johnson, Emmanuel Macron und Donald Trump sind sich einig, dass Krieg herrscht, Krieg gegen eine unscheinbare Gensequenz, die weltweit für Furcht und Schrecken sorgt. Bundespräsident Steinmeier hingegen stellte sich zu Ostern gegen die penetrante Kriegsrhetorik.

Sicher ist jedoch, dass die Schweizer Aushängeschilder Roche (WKN: 855167) und Novartis (WKN: 904278) aus allen Rohren schießen, um gegen die Pandemie einen Erfolg zu erzielen. Zumindest bei einer davon könnte sich das auch für Aktionäre auszahlen.

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Ein gigantisches globales Forschungsprogramm

Wohl noch nie zuvor hat sich die Menschheit in dieser Weise zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Bedrohung zu verstehen und zu bekämpfen. Es ist fast so wie in Roland Emmerichs Science-Fiction-Film Independence Day. Das Heidelberg Institute for Geoinformation Technology hat in diesen Tagen eine Weltkarte veröffentlicht, die mit Punkten nur so übersät ist. Jeder einzelne stellt eine klinische Studie im Zusammenhang mit COVID-19 dar.

Dabei geht es unter anderem um die Diagnose, das grundlegende Verständnis, die Entwicklung von Therapieansätzen, die Erprobung von Arzneimitteln und traditioneller chinesischer Medizin sowie die Entwicklung von Impfstoffen.

Kurzfristig von hoher Bedeutung sind gen- und biotechnologisch arbeitende Arzneimittel (Advanced Therapy Medicinal Products, kurz ATMP). Von den Ende März erfassten 768 Studien entfallen immerhin 58 auf dieses Segment, das für Pharmakonzerne besonders attraktiv ist.

Was Novartis und Roche jetzt in der Pipeline haben

Novartis
Vor einigen Tagen wurde auf Initiative der Bill & Melinda Gates Foundation ein internationales Konsortium aus 15 Top-Pharmakonzernen gebildet. Novartis-Chef Vas Narasimhan hat den Co-Vorsitz übernommen. Die Beteiligten wollen ihre Moleküldatenbanken austauschen, um so schneller Studien mit den aussichtsreichsten Wirkstoffkandidaten starten zu können. Bereits zuvor wurde von Novartis, der Stiftung und weiteren Partnern ein Accelerator aufgesetzt, um den beschleunigten Start von Studien zu fördern.

Schon kurzfristig soll daneben die Produktion des vieldiskutierten und wiederbelebten Rheumamittels Hydroxychloroquin hochgefahren werden, soweit die Aufsichtsbehörden grünes Licht dafür geben. Anfang April erfolgte die erste Lieferung in der Schweiz, nachdem zuvor bereits die Washingtoner Universität 20.000 Dosen erhielt. Insgesamt sollen 130 Millionen Tabletten abgegeben werden. Auch den seit 2012 zugelassenen Enzymhemmstoff Ruxolitinib schickt Novartis ins Rennen.

Roche
Novartis setzt folglich vor allem darauf, auf verschiedene Weise seine massiven Ressourcen einzubringen. Vielfältig sind auch die Aktivitäten der ebenfalls von Basel aus operierenden Roche. Sie hat mit Tocilizumab ebenfalls ein Rheumamittel in petto, dass in Zukunft bei COVID-19 zum Einsatz kommen könnte, wenn sich erste Erfolge vom März in weiteren Studien bestätigen. Ein weiterer Kandidat ist Alteplase, ein thrombolytisches Medikament, das Patienten mit kritischem Krankheitsverlauf und ohne Zugriff auf ein Beatmungsgerät helfen könnte.

Außerdem hat die Niederlassung in Penzberg einen Schnelltest entwickelt. Über 4.000 Proben pro Tag können in vollautomatischen Diagnostiksystemen des Unternehmens auf das Virus hin analysiert werden. Erste Ergebnisse gibt es in drei Stunden, womit Roche sich gut im Wettbewerberfeld positioniert. Das Verfahren ist bereits zugelassen und im Einsatz.

Dafür, dass Roche und Novartis zukünftig Teil der Lösung sein könnten, spricht auch, dass beide einen Forschungsschwerpunkt im Bereich Atemwegserkrankungen haben.

Was Aktionäre daraus machen

Da viele Leistungen kostenfrei oder zu vergünstigten Tarifen erbracht werden, sind die Medikamente kurzfristig wohl kein Gewinntreiber. Allenfalls bringt das unter Beweis gestellte Engagement Pluspunkte, wenn in Zukunft mal wieder eine Straffung des Regulierungsrahmens rund um Arzneimittelpreise ansteht in unterschiedlichen Regionen.

Zu erwarten ist daneben, dass die nun gewonnenen Erfahrungen aus dem engen Austausch mit Mitbewerbern und Forschungsinstituten in aller Welt auf die eine oder andere Weise positive Effekte in anderen Forschungsprogrammen zur Folge haben werden. Ob Roche und Novartis deshalb allerdings Marktanteile gewinnen können, ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Sicher ist hingegen, dass das Diagnostikgeschäft von Roche einen Schub bekommen wird. In vielen Teilen der Welt wird nun die Laborinfrastruktur aufgerüstet, was bedeutet, dass die installierte Basis erheblich wachsen wird. Folglich könnte hier dauerhaft das lukrative Geschäft mit Verbrauchsmitteln und Services profitieren.

Auch wenn Novartis ebenfalls wichtige Beiträge liefert, würde ich daher eher zur Roche greifen, wenn ich eine Pharmaaktie suche, die gestärkt aus der Coronakrise herauskommen könnte.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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