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MTU – Jetzt schon ein Schnäppchen?

Foto: Boeing

Eine der am stärksten von der Coronakrise betroffenen Branchen ist die Luftfahrt. Fast täglich melden die Airlines Reduzierungen ihres Flugangebotes und Streichungen von Zielen in besonders stark betroffenen Regionen. In diesem negativen Strudel wird aktuell auch der deutsche Triebwerkshersteller MTU Aero Engines (WKN: A0D9PT) mit nach unten gezogen. Nun stellt sich die Frage, ob MTU dadurch zum Schnäppchen wird oder ob das Geschäftsmodell wirklich langfristig beschädigt wird durch die aktuelle Coronakrise?

Situation vor der Krise

Werfen wir zuerst einmal einen Blick auf die Situation vor dem weltweiten Ausbruch des Coronavirus. Im Jahr 2019 konnte MTU ein erneutes Rekordjahr vermelden. Der Umsatz und die Marge stiegen deutlich, was eine Steigerung des operativen Gewinns von 13 % zur Folge hatte. Damit konnte MTU den Trend der jüngeren Vergangenheit fortführen, denn zwischen 2009 und 2018 lag die Wachstumsrate des Umsatzes bei 5,3 % pro Jahr und der Gewinn je Aktie wurde jährlich um 9,1 % gesteigert. Auch der Ausblick auf 2020 fällt grundsätzlich positiv aus. Der Umsatz soll in allen Geschäftsbereichen wachsen und das operative Ergebnis soll im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Trotzdem erwähnt MTU das Coronavirus in seiner Prognose für 2020 und behält sich vor, die eigene Prognose im Jahresverlauf eventuell anzupassen.

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Um die Auswirkungen des Coronavirus auf MTU abschätzen zu können, muss man zuerst die einzelnen Geschäftsfelder von MTU betrachten. Rund 42 % des gesamten MTU-Umsatzes entfallen auf den Verkauf von Triebwerken. Wobei sich dieser Bereich nochmals in das Geschäft mit zivilen (33 % Umsatzanteil) und militärischen (9 % Umsatzanteil) Partnern unterteilt. Mehr Umsatz generiert MTU mit der Wartung von Flugzeugturbinen, dieser Bereich macht die restlichen 58 % des Umsatzes aus. Somit muss man bei den Auswirkungen des Coronavirus zwei Bereiche unterscheiden. Einmal das Geschäft mit dem Vertrieb der Flugzeugturbinen und einmal das Geschäft mit der Wartung der bereits im Einsatz befindlichen Flugzeugturbinen.

Die Auswirkungen auf die MTU-Geschäftsfelder

Zuerst einmal richten wir den Blick auf den allgemeinen Vertrieb von Flugzeugturbinen. Ende Februar lag der Auftragsbestand bei knapp 20 Mrd. Euro, was rechnerisch einer Vollauslastung für die nächsten vier Jahre entspricht. Positiv ist zudem, dass die meisten neuen Aufträge im vergangenen Jahr für Triebwerke der zukunftsfähigen Airbus (WKN: 938914)-A320-Familie eingingen. Somit scheint MTU kaum betroffen zu sein von den Problemen rund um die 737-Max von Boeing (WKN: 850471). Ich denke daher nicht, dass dieser Geschäftsbereich von MTU stark unter den Folgen des Coronavirus leiden wird. Die Auftragsbücher sind sowohl bei den Flugzeugherstellern als auch bei MTU selbst für die nächsten Jahre noch prall gefüllt. Solange es nicht zu Problemen bei der Materialversorgung für die Produktion kommt, sollte der Bau von Flugzeugen und damit auch die Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken nicht stark einbrechen.

Problematischer sehe ich das Geschäft mit der Wartung von Flugzeugturbinen. Wenn die Airlines ihr Flugangebot kürzen und aus diesem Grund vermehrt Flugzeuge am Boden bleiben, dann müssen auch nicht so viele Triebwerke gewartet werden. Dies hat dann natürlich negative Folgen für die Umsätze von MTU. Die Frage ist dann natürlich, wie lange die Coronakrise den Flugverkehr hemmen wird. Darauf gibt es aus meiner Sicht aktuell keine genaue Antwort, da am Ende die Nachfrage der Kunden darüber entscheidet, wann die Airlines ihre Flugzeuge wieder vermehrt starten lassen.

Ist MTU jetzt ein Schnäppchen?

Alles in allem sehe ich in MTU trotz der aktuellen Krise in der Luftfahrtbranche noch ein langfristig gut aufgestelltes Unternehmen. Ich bin der Meinung, dass die Passagierzahlen in der Luftfahrt langfristig auch in Zukunft weiter steigen werden. Kurz- bis mittelfristig wird das Passagieraufkommen zwar stark einbrechen, aber langfristig wird sich der Trend der letzten Jahrzehnte fortsetzen und mehr Menschen in die Flugzeuge einsteigen. Denn wir Menschen werden auch in Zukunft schnell und günstig reisen wollen und für weite Strecken ist das Flugzeug in den meisten Fällen die beste Lösung. Aus diesem Grund bin ich der festen Überzeugung, dass MTU in Zukunft noch mehr Flugzeugtriebwerke verkaufen kann und das Wartungsgeschäft zwar kurzfristig einbrechen wird, langfristig aber eine positive Zukunft vor sich hat.

Daher denke ich, dass jetzt durchaus ein Zeitpunkt ist, an dem man ein langfristig gut aufgestelltes deutsches Unternehmen zum Schnäppchenpreis bekommen kann. Denn im Vergleich zu den Hochs vor rund einem Monat bekommt man die MTU-Aktie aktuell mehr als 30 % günstiger (Stand: 10.03.2020). Das führt nicht nur zu einem KGV von unter 20, sondern auch zu einer attraktiven Dividendenrendite von 1,8 %.

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Robin Gey besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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