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THYSSENKRUPP am Abgrund, Schindler schmiert schon ab – ist jetzt alles zu spät?

Quelle: thyssenkrupp Elevator Technology

Nach einem kurzfristigen Höhenflug rund um den Jahreswechsel ist der Kurs von thyssenkrupp (WKN: 750000) nun wieder auf dem harten Boden der Tatsachen angekommen. Bei Kursen von unter 10 Euro wird der umsatzstarke Stahlkonzern nur noch mit 5 bis 6 Mrd. Euro bewertet. Der aktuelle Abverkauf an den Börsen ist alles andere als günstig für das gebeutelte Unternehmen.

Jetzt kommt es dicke

Im Juni 2019 kommentierte ich die geplante Abspaltung der Aufzugsparte wie folgt:

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„Für mich stellt sich das Ganze wie ein Wettrennen dar: Gelingt es, den Börsengang erfolgreich über die Bühne zu bringen, bevor ein sich eintrübendes Marktumfeld den ganzen Konzern in Schwierigkeiten bringt?“

Nun, acht Monate später, scheint thyssenkrupp das Wettrennen verloren zu haben. Natürlich könnte der Schein trügen, aber klar ist, dass die Börsen am Abstürzen sind und das Management immer noch herumeiert, wie es denn am liebsten die profitable Tochter zu Geld machen will. Eine mögliche Liaison mit dem finnischen Konkurrenten KONE (WKN: A0ET4X) wurde bereits abgeblasen, nun wird mit Investoren verhandelt.

Leider hat sich der ganze Prozess sehr lange hingezogen, zumal ja parallel noch die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang vorangetrieben wurden. Bisher konnte immer schön auf die mit über 25 Mrd. Schweizer Franken bewertete Schindler Holding (WKN: A0JEHV) verwiesen werden, wenn es darum ging, wie viel für die Sparte verlangt werden könnte. In den letzten Tagen ist die Schindler-Aktie allerdings ganz schön eingebrochen. Von in der Spitze bei 264 Franken ging es auf unter 220 Franken runter zum Stand 25. Februar.

Das macht umgerechnet etwa 4 Mrd. Euro Wertverlust, wodurch auch thyssenkrupp Elevator bestimmt 2,5 Mrd. Euro an Wert verloren haben dürfte, wenn man proportionale Bewertungsmaßstäbe anlegt.

Es kommt auf jede Million an

Da alle anderen Sparten von thyssenkrupp zusammengenommen unter dem Strich Verluste schreiben und hohe Investitionen und Restrukturierungsaufwendungen erforderlich sind, um sie auf Vordermann zu bringen, ist die Höhe des Erlöses aus dem Verkauf von entscheidender Bedeutung. Ob schon 2,5 Mrd. Euro weniger den Konzern in Schwierigkeiten bringen würden, bin ich nicht sicher, aber es könnte noch deutlich mehr werden, während die Entscheidungsprozesse sich hinziehen.

Schließlich muss man davon ausgehen, dass die Gebote entsprechend der Marktbedingungen gesenkt werden. Es ist ja auch nicht so, dass die Schindler-Aktie nur wegen des allgemeinen Börsenklimas Schwäche zeigt. Vielmehr ist branchenweit mit erheblichen Einbußen wegen der Coronavirus-Krise zu rechnen. Bereits vor elf Tagen warnte das Schindler-Management, dass der Schaden voraussichtlich mehrere Hundert Millionen Franken betragen wird.

Zwischenzeitlich hat sich die Situation noch verschärft, sodass wohl auch bei thyssenkrupp Elevator der Betriebsgewinn um einen dreistelligen Millionenbetrag geringer ausfallen dürfte. Erst 2015 hat die Sparte ihren Anteil an ihrem China-Joint-Venture auf 51 % erhöht und seither seine Marktpräsenz in diesem führenden Markt ausgebaut. Mittlerweile sind auch weitere wichtige Absatzmärkte wie der arabisch-persische Raum und Europa betroffen.

Die Pläne, die operative Profitmarge der Tochter kurzfristig von gut 10 % auf bis zu 13 % anzuheben, dürften damit schon wieder zusammengestrichen werden. Auf dieser Basis wird es schwieriger, die Option Börsengang als Druckmittel in den Verhandlungen mit den Investorenkonsortien einzusetzen. Für einen finanzschwachen Konzern wie thyssenkrupp macht es allerdings einen riesigen Unterschied, ob die Sparte letztlich mit 17 oder 13 Mrd. Euro bewertet wird.

Was man jetzt beachten muss

Offenbar geht der Markt im Moment davon aus, dass die anderen Sparten aufgrund ihrer Ertragsschwäche und der erforderlichen Umbaukosten praktisch wertlos sind, was durch die aktuelle Coronavirus-Krise sogar ins Negative zu drehen droht. Gleichzeitig erwartet der Markt wohl, dass dem verbleibenden Konzern letztlich nach Abzug der Transaktionskosten kaum mehr als 13 Mrd. Euro zufließen werden.

Nach Begleichung der Netto-Finanzschulden in Höhe von 7,1 Mrd. Euro (31.12.2019) bleiben dann nämlich knapp 6 Mrd. Euro übrig, was am 25. Februar ziemlich genau der Marktkapitalisierung entspricht.

Die Frage ist, ob wir als Anleger dieser Argumentation folgen sollten. Erstens gibt es eine Zeit nach der Coronavirus-Krise und wenn das Management die richtigen Maßnahmen ergreift, dann sollten die einzelnen Sparten auch wieder profitabel werden. Zweitens verfügt thyssenkrupp über einige spannende Geschäftsbereiche, in die mittelfristig viel Dynamik kommen könnte, darunter Großwälzlager für Offshore-Windanlagen und umfassende Lösungen für die Wasserstoffwirtschaft.

Leider kennen wir aufgrund der offenen Nachfolgesituation für die Vorstandsvorsitzende Martina März und der noch bis Mai laufenden strategischen Planungsphase noch nicht die Details der zukünftigen Struktur. Von daher lässt sich nicht einschätzen, ob es irgendwann gelingen wird, die zweifellos vorhandenen Potenziale zu heben. Klar ist, dass dieser Konzern sich nicht mehr viele Fehler leisten kann. Die Uhr tickt.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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