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Nachhaltige ETFs: Tatsächliche Wirkung oder nur gut fürs Gewissen?

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Vielleicht hast du dir als Anleger schon mal die Frage gestellt, was Unternehmen davon haben, wenn du über einen Fonds, zum Beispiel einen nachhaltigen ETF (Exchange Traded Fund), in ihre Aktien investierst. Leistet man damit tatsächlich einen positiven Beitrag? Oder wäre es nicht doch sinnvoller, auf herkömmliche ETFs zu setzen und die Erträge anschließend an ausgewählte Nachhaltigkeitsorganisationen zu spenden?

Direkte Wirkung? Fehlanzeige!

Den Unternehmen in einem ETF fließt das Geld, das du für den Kauf von Fondsanteilen ausgibst, nicht unmittelbar zu. Diese Überlegung ist natürlich grundsätzlich korrekt. Als Privatanleger erwirbst du die ETF-Anteile ja am Sekundärmarkt. Deshalb bekommt man als Anleger schnell das Gefühl, mit der eigenen ETF-Investition nicht wirklich etwas bewirken zu können.

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Doch das ist meiner Meinung nach nur die halbe Wahrheit. Überlegen wir doch einmal, wohin unser angelegtes Kapital tatsächlich fließt und bei wem es letztendlich landet. Wenn du in einen iShares-ETF investierst, gelangt dein Geld zum Beispiel zum größten ETF-Anbieter und Vermögensverwalter BlackRock (WKN: 928193). Und genau hier müssen wir ansetzen, wenn wir herausfinden wollen, ob ein Investment in nachhaltige ETFs tatsächlich Sinn macht. Das Stichwort lautet nämlich Konzentration bzw. Masse. Die Masse macht den Unterschied, denn das Kapital der Privatanleger konzentriert sich in der Regel bei Vermögensverwaltern bzw. ETF-Anbietern.

Der verlängerte Arm der ETF-Investoren

Die großen ETF-Anbieter wie BlackRock und Co. haben erhebliches Gewicht am Markt. Immerhin halten sie eine beachtliche Zahl an Firmenanteilen und haben somit auch einen gewissen Einfluss in den Chefetagen der Unternehmen. Außerdem stimmen viele Anbieter auch mit den Stimmrechten aus ETFs auf Hauptversammlungen ab. Die meisten Vermögensverwalter haben dafür sogar spezielle Abstimmungsrichtlinien, eine sogenannte Proxy Voting Policy.

Die drei größten Indexfondsanbieter BlackRock, Vanguard, und State Street Global Advisors halten gemeinsam 20 % der Anteile an den Unternehmen im S&P 500 und ihr Anteil an den auf Hauptversammlungen abgegebenen Stimmen liegt bei sagenhaften 25 %! Sie haben also zweifellos einen wirksamen Hebel für die Einflussnahme und können bei den Unternehmensentscheidungen durchaus ein Wörtchen mitreden.

Aber zurück zur Konzentration bzw. Masse: Jeder Anleger setzt mit einer Investition in einen nachhaltigen ETF ein eigenes Signal und je mehr Kapital in diese ETFs fließt, desto „lauter“ wird dieses Signal – bis eine kritische Masse erreicht ist. Als Privatanleger haben wir damit ebenfalls Macht. Vermögensverwalter und ETF-Anbieter sind bestrebt, institutionellen Investoren und Privatanlegern passende Produkte anzubieten und möglichst im Sinne ihrer Kunden zu handeln. Je populärer nachhaltige Geldanlagen werden, desto eher sind sie auch geneigt, Klima- und Ethiksünder zu Verbesserungen in Sachen Nachhaltigkeit und ESG (Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung) zu drängen.

Vor Kurzem ist mir in einer Fachzeitschrift für nachhaltige Investments eine Werbeanzeige des ETF-Anbieters Amundi (bzw. der Sparte Amundi ESG) mit der Überschrift „Aktionärsdialog“ aufgefallen. Darin heißt es: „Verantwortungsbewusstsein und nachhaltige Investments sind untrennbar miteinander verbunden“. Außerdem setzt Amundi sich das Ziel, „bis 2021 durch sein Stimmrecht systematisch für die konsequente Beachtung der ESG-Herausforderungen zu sorgen“. Meiner Meinung nach ist das kein Zufall, sondern ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die grüne Welle die gesamte Vermögensverwaltungsbranche erreicht hat.

Neben dieser Einflussnahme durch die ETF-Anbieter wird es für die Unternehmen selbst auch immer interessanter, ESG-Kriterien zu erfüllen und sich nachhaltiger aufzustellen. Zum einen sind sie ständig bemüht, ihre Aktionäre zufriedenzustellen, und zum anderen erhoffen sich viele Unternehmen davon die Aufnahme in diverse Nachhaltigkeitsindizes. Da nachhaltige ETFs immer stärker nachgefragt werden, schießen neue Nachhaltigkeitsindizes gerade wie Pilze aus dem Boden. Die Aufnahme in einen solchen Index erhöht die Bekanntheit des Unternehmens und verbessert sein Image – zwei sehr erstrebenswerte Ziele.

Einfluss als Verbraucher vs. Einfluss als Investor

Einige Argumente sprechen also durchaus dafür, dass man auch mit einer Investition in einen nachhaltigen ETF etwas bewirken kann, wenn auch nur über Umwege. Das Problem bei nachhaltigen Fonds ist natürlich, dass sie zum Teil nicht unbedingt das enthalten, was man erwarten würde. Oft schließen sie lediglich die am wenigsten nachhaltigen Unternehmen aus und weisen damit in der Regel auch eine weniger breite Diversifikation auf. Nachhaltiges Investieren ist also immer ein Kompromiss.

Wer sichergehen will, dass er ausschließlich in Unternehmen investiert, die zu 100 % den eigenen Anforderungen an Nachhaltigkeit und moralischen Wertvorstellungen genügen, kommt am Kauf von einzelnen Aktien oder Anleihen kaum vorbei. Dagegen spricht neben dem höheren Einzelwertrisiko allerdings auch der enorme Zeitaufwand. Hinsichtlich des Chancen-Risiko-Verhältnisses dürfte der Großteil der Anleger mit einer passiven ETF-Strategie einfach besser fahren als mit Investitionen in einzelne Wertpapiere.

Grundsätzlich musst du als Investor natürlich selbst entscheiden, ob du nachhaltige ETFs für sinnvoll erachtest oder die Sache lieber anders angehen möchtest. Fakt ist aber, dass du sowohl als Verbraucher (durch den Kauf bestimmter Produkte) als auch als Investor an der Börse einen Unterschied machen kannst.

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Franziska Eggert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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