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Comdirect-Kunden müssen nun 5000 Euro Strafzinsen pro Jahr zahlen – oder auf Dividenden umsatteln

am Scheideweg Depot
Foto: Getty Images

Bis vor kurzem konnte man bei der comdirect bank (WKN: 542800) noch sein Geld für 3 Jahre zu Nullzinsen auf ein Festgeldkonto legen. Diese Zeiten sind vorbei. Nachdem bereits einige Sparkassen, Privat- und Genossenschaftsbanken so genannte Strafzinsen eingeführt haben, zieht nun mit der Commerzbank (WKN: CBK100)-Tochter auch eine der führenden Direktbanken nach. Für vermögende Sparer kann das richtig teuer werden, weshalb sie sich nach Alternativen umschauen sollten.

Verkehrte Welt

In einigen Presseberichten ist von einer „Gebühr“ die Rede, welche comdirect-Kunden mit mehr als 250.000 Euro Sichteinlagen seit dem 1. Dezember bezahlen müssen. In Wirklichkeit geht es um einen negativen Zinssatz in Tiefe von minus einem halben Prozent, die als Barvermögen auf dem Girokonto oder auch dem Wertpapierkreditkonto lagern.

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Gleichzeitig wurde das Angebot etwa von Festgeldkonten gestoppt — es ergibt einfach keinen Sinn mehr. Konkret bedeuten die -0,5 %, dass Sparer mit 1 Mio. Euro auf der hohen Kante stattliche 5.000 Euro pro Jahr an das Bankhaus abdrücken müssen, quasi als Dankeschön für das Aufbewahren. Mitleid muss da nicht aufkommen, aber klar ist, dass diese Situation für kaum einen Kunden akzeptabel sein kann.

Proaktiv bewirbt die comdirect daher beispielsweise einen gut diversifizierten Immobilienfonds, den es derzeit ohne Ausgabeaufschlag gibt. Auch sonst dominieren bei den Themen Sparen und Anlegen nun ETFs, Wertpapiersparpläne und ähnliches auf dem Portal. Die Banken sind also sicherlich nicht scharf darauf, ihre treuen und vermögenden Kunden abzukassieren, sondern vielmehr, sie jetzt mit Nachdruck in Anlagevehikel zu lotsen, die regelmäßige Erträge versprechen — sowohl für den Kunden als auch den Finanzdienstleister.

Jetzt die Verantwortung in die eigenen Hände nehmen

Kunden können nun auf verschiedene Arten reagieren. Beispielsweise könnten sie versuchen, ihr Geld auf diverse Institute zu verteilen, um so unter dem Radar zu bleiben. Oder sie könnten von einem Extrem ins andere wechseln — gestern noch ein eiserner Sparer und morgen ein beinharter Zocker, der sein Glück mit Pennystocks und Hebelpapieren sucht, nach dem Motto „wenn schon Risiko, dann richtig!“.

Viele werden jedoch eher die Angebote annehmen, um zu reduzierten Konditionen in Immobilien- oder Mischfonds umzuschichten, die ein günstiges Risikoprofil versprechen. Dabei fallen allerdings kontinuierlich Managemententgelte an, welche die Renditen drücken und häufig deutlich über 0,5 % liegen, manchmal sogar bei mehreren Prozent. Mit einem der beliebten ETFs kann man diesen Wert zwar minimieren, holt sich aber dafür andere Risiken des passiven Investierens ins Depot.

Wer das alles vermeiden will, der investiert direkt in Unternehmen über den Kauf von Aktien. Wie stark man dabei ins Risiko geht, kann man durch die Auswahl seiner Depotwerte steuern. Unternehmen mit stabilen hohen Barmittelzuflüssen, einer starken Marktposition und vielfältigen Kundengruppen sind für defensiv orientierte Anleger sicherlich vorzuziehen. Ob dabei eine saftige Dividende von über 5 % bezahlt wird oder die Gewinne aussichtsreich reinvestiert werden, würde ich hingegen nicht als primäres Auswahlkriterium sehen.

In Aktien umschichten: Einige Ideen

Um nicht von den Launen eines einzigen Unternehmens abhängig zu sein, ist es ratsam, sein Geld auf verschiedene Titel zu verteilen. Je risikoreicher die einzelnen Aktien sind, desto mehr Investitionsobjekte gehören in dein Depot, wenn du dein Geld systematisch vermehren willst.

Ein Kerndepot könnte beispielsweise aus je einem Konzern aus den Bereichen Pharma, Energie/Rohstoffe, Chemie, Finanzdienstleistungen, Konsumgüter, Automobil-/Maschinenbau, Elektrizität/Versorger, Dienstleister, Telekommunikation, Software/Hardware bestehen. Damit hätten wir zehn ganz unterschiedliche Aktien, die jeweils nach ihren eigenen Marktgesetzen funktionieren. Die Chancen, dass über einen längeren Zeitraum die Schwächen durch die Stärken in einem gut diversifizierten Depot überkompensiert werden, sind groß, wie entsprechende Analysen immer wieder belegen.

Gut geeignet für ein defensives Depot ist beispielsweise die Merck KGaA (WKN: 659990), welche Spezialchemie, Laborbedarf und Medikamente auf höchstem Niveau entwickelt, und jeweils zu den globalen Top-Spielern gehört. Wenn es um Energie geht, heißt die französische Total (WKN: 850727) mein Favorit, weil sie nicht nur stur auf das Geschäft zwischen Ölpumpe und Zapfsäule setzt, sondern auch eine klare Strategie hat, um die Energiewende mitzugestalten.

Auch reine Erneuerbare-Energien-Unternehmen sind interessant, insbesondere die Betreiber von Windparks wie RWE (WKN: 703712), deren Geschäftsentwicklung gut planbar ist. Wenig falsch machen kann man daneben mit der Deutschen Telekom (WKN: 555750), die sich über die letzten Jahren aussichtsreich strategisch weiterentwickelt hat. Sie agiert aus einer Position der Stärke heraus und hat nun einige spannende Initiativen am Start, welche das aktuelle Gewinnniveau langfristig stützen sollten.

Auch in den anderen genannten Sektoren lassen sich Unternehmen identifizieren, die ähnliche Merkmale aufweisen. Das müssen auch gar nicht immer Großkonzerne sein, denn auch in der zweiten Reihe gibt es Markt- und Technologieführer mit sehr robustem Geschäftsmodell und ansehnlichen Gewinnen. Vielleicht magst du dir ja sogar die comdirect-Mutter Commerzbank (WKN: CBK100) ansehen, deren unterirdische Bewertung viel mit dem Negativzinsumfeld zu tun hat.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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