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Wie Tesla seine Margen bei niedrigeren Umsätzen steigern konnte

Das Automobilgeschäft ist ein Geschäft mit sehr hohen Fixkosten. Das bedeutet, dass ein Großteil der Kosten eines Automobilherstellers von seinen Anlagen und Einrichtungen kommt, die gewartet und erneuert werden müssen. Dazu gehört ebenfalls hochpreisiges technisches Personal, das oft im Rahmen von Tarifverträgen beschäftigt ist. Wenn daher ein Automobilunternehmen einen hohen Umsatz hat, entfällt ein Großteil dieser überschüssigen Einnahmen direkt auf den Gewinn. Doch wenn der Umsatz sinkt, ist das Gegenteil der Fall, und die Margen sinken.

Tesla (WKN:A1CX3T) gelang es jedoch im vergangenen Quartal, sich diesem Automobil-Naturgesetz zu widersetzen. In seinen kürzlich veröffentlichten Ergebnissen zum dritten Quartal konnte Tesla die Margen deutlich steigern, obwohl die Automobil- und Gesamtumsätze rückläufig waren. Es ist eines von vielen Mini-Wundern, die das Unternehmen hervorgebracht hat, seit Tesla 2003 der erste neue US-Autohersteller seit 1956 wurde. Hier erfährst du, wie das Unternehmen das geschafft hat.

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Widersprüchliche Signale

Hier sind die Ergebnisse von Tesla auf Automobil- und Unternehmensebene, im zweiten und dritten Quartal:

Kennzahl Q2 2019 Q3 2019
Automotive-Umsatz 5.376 Millionen US-Dollar 5.353 Millionen US-Dollar
Bruttomarge Automotive 18,9 % 22,8 %
Gesamtumsatz 6.350 Millionen US-Dollar 6.303 Millionen US-Dollar
Gesamtbruttomarge 14,5 % 18,9 %
Operative Marge (2,6 %) 4,1 %

DATENQUELLE: TESLA Q3 ERGEBNISPRÄSENTATION. CHART: AUTOR.

Wie du siehst, stiegen die Margen deutlich, obwohl Teslas Umsatz rückläufig war. Die Größe der Margensteigerung ist das Ergebnis eines hervorragenden Managements an nicht nur einer, sondern mehreren Fronten.

Erstens und vielleicht am wichtigsten: Während Tesla im dritten Quartal weniger Autos verkaufte, stieg der Absatz von Model-3-Fahrzeugen, Teslas wichtigstem Produkt. Das Model 3 ist ein Serienfahrzeug und profitiert daher von höheren Stückzahlen auf Basis der Fixkosten. Im dritten Quartal verkaufte sich das Model 3 79.703 Mal, verglichen mit 77.634 im Vorquartal.

Obwohl Tesla die Preise für das Model 3 tatsächlich senkte, verkaufte man teurere Modelle, da es die Preise der höherpreisigen Langstreckenfahrzeuge noch stärker senkte als die der unteren Standardklasse. Das ermöglichte es, dass der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) des Model 3 in Nordamerika unverändert blieb – obwohl die ASPs für das Model 3 in den Regionen Asien und EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) niedriger waren. Dennoch ermöglichte ein höheres Volumen – zusammen mit Teslas Fähigkeit, die Input-Kosten durch Bestellungen in größeren Mengen zu senken – eine sehr beeindruckende Margenerhöhung, selbst für das günstigste Model 3.

Obwohl das Unternehmen im dritten Quartal 239 Fahrzeuge der Modelle S und X weniger verkaufte, tat es das zu einem höheren ASP. Im zweiten Quartal ergriff Tesla verschiedene Maßnahmen, darunter hohe Rabatte für Modelle, die vor der Einführung eines neuen Antriebsstrangs und einer neuen Aufhängung im April produziert wurden. Dies hatte einen starken Rückgang der ASPs im Vorquartal zur Folge. Tesla verzichtete auch auf die Standardversionen der Modelle S und X und senkte den Preis für teurere, Langstreckenmodelle, was sich auch positiv auf den Gesamtmix der Modelle S und X auswirkte.

Obwohl einige Investoren vielleicht erschrocken waren, als Tesla Anfang des Jahres die Preise senkte, scheint die Strategie funktioniert zu haben, indem sie die Nachfrage anheizte und die Kunden zum Kauf von teureren Langstrecken-Modellen veranlasste. Die durch die Preismaßnahmen im letzten Quartal ermöglichte Mixverschiebung sowie die insgesamt stärkere Fokussierung auf Kostensenkung und Effizienz ermöglichten es den Rohertragsmargen im Automobilbereich, um fast 4 Prozentpunkte zu wachsen.

Rechnungsabgrenzungsposten bei Selbstfahrfunktionen

Zusätzlich zu den oben genannten Effizienzsteigerungen in der Produktion konnte Tesla auch von der Einführung der Smart-Summon-Funktion profitieren, die es im Laufe des Quartals eingeführt hat. Smart Summon ermöglicht es Besitzern, ihren Tesla zu rufen, der den Besitzer dann mit geringer Geschwindigkeit auf einem Parkplatz selbstfahrend abholt.

Tesla hat in der jüngeren Vergangenheit eine geniale Strategie gefahren – den Kunden diverse Selbstfahrfunktionen anzubieten, bevor sie eingeführt wurden, mit dem Versprechen, dass diese Eigenschaften mit der Zeit teurer werden. So hat Tesla etwa 500 Millionen US-Dollar an Einnahmen erwirtschaftet, die es noch nicht realisiert hat – aber realisieren wird, da Selbstfahrfunktionen durch Software-Updates eingeführt werden. Im dritten Quartal konnte Tesla 30 Millionen US-Dollar erlösen, die es zuvor bei der Einführung von Smart Summon an die Kunden verkauft hatte.

Weitere Kostenersparnisse

Neben diesen beiden wichtigen Punkten konnte Tesla noch weitere Kosten reduzieren. Im Solargeschäft erzielte das Management eine Effizienzsteigerung, indem das Unternehmen nun in einem einzigen Termin Wohn-Solaranlagen installieren kann, während es zuvor insgesamt etwa drei Termine benötigt hatte. Tesla konnte außerdem die Kosten für seine Servicefahrzeuge sowie die gesamten Vertriebs-, Verwaltungs- und allgemeinen Kosten senken.

Diese allgemeine Kostensenkungsstrategie ermöglichte es Tesla, nicht nur die Betriebskosten im Verhältnis zum Umsatz zu senken, sondern auch die absoluten Gesamtkosten, da die Betriebskosten von 1,09 Milliarden US-Dollar auf nur 930 Millionen US-Dollar im Quartal sanken. Obwohl 117 Millionen US-Dollar von diesem 188-Millionen-Rückgangs auf einen Wegfall der im zweiten Quartal getätigten Restrukturierungsaufwendungen zurückzuführen sind, sanken die gesamten Vertriebs- und Marketingaufwendungen außerhalb dieses Zeitraums um 51 Millionen US-Dollar.

Schließlich profitierte Tesla auch leicht von Devisenunterschieden, die manchmal negativ, manchmal aber auch positiv für das Unternehmen wirkten, wie in diesem Quartal. Tesla sichert sein Fremdwährungsrisiko nämlich nicht ab.

Widerlegung der Skeptiker

Das Hauptargument für Tesla-Skeptiker und Leerverkäufer war, dass das Unternehmen nie Geld mit dem Verkauf von Autos verdienen würde, eine These, der das Unternehmen in diesem Quartal zu trotzen schien. Tesla hat angekündigt, sich im Jahr 2019 auf Kostensenkungen zu konzentrieren, um sich auf die nächste Wachstumsphase vorzubereiten, die durch die Einführung des Model Y im nächsten Jahr eingeläutet wird.

Selbst die Bären sollten beeindruckt sein – und wahrscheinlich überrascht -, wie viel Elon Musk und sein Team einsparen konnten. Im Ausblick auf den Bericht zum dritten Quartal erklärte Tesla, dass das Management „einen positiven GAAP-Nettogewinn für die Zukunft erwartet, mit möglichen vorübergehenden Ausnahmen, insbesondere bei der Einführung und dem Hochfahren neuer Produkte“.

Es gibt noch ein Bewertungsargument gegen Tesla, aber wenn das Unternehmen diese GAAP-Gewinnspanne in Zukunft jedes Quartal aufrechterhalten kann, fallen viele Gründe weg, die Aktie zu meiden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Teslas Aktien aufgrund dieser Nachricht gestiegen sind – auch wenn die Einnahmen etwas geringer waren.

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Dieser Artikel wurde von Billy Duberstein auf Englisch verfasst und am 31.10.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla.

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