The Motley Fool

5 Merkmale eines großartigen Unternehmens und wie man sie ausmacht

Viele Anleger trauern einer Investitionsgelegenheit nach, weil eine Aktie um 20 % gestiegen ist und sie meinen, sie hätten die Gelegenheit verpasst.

Das mag auf kurzfristig ausgerichtete Anleger zutreffen. Mit einer kurzfristigen Ausrichtung hat man an der Börse jedoch keinen Spaß. Die richtig großen Gewinne – die Verzehn- bis Verhundertfacher – fährt man ein, wenn man langfristig engagiert bleibt – über Jahre und Jahrzehnte. Dann spielen 20 % mehr oder weniger keine sehr große Rolle mehr, zumindest machen sie nicht den Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren aus.

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Damit man mit diesem Ansatz aber auch gewinnen kann, muss man versuchen, in die besten Unternehmen zu investieren, die es gibt – denn die anderen verschwinden auf lange Sicht gesehen vom Markt.

Das kann auch mit den besten Unternehmen durchaus passieren – alle Unternehmen sind einem gewissen Risiko ausgesetzt. Mit den großartigsten Unternehmen hat man jedoch bessere Chancen. Hier sind fünf Merkmale, die für mich ein großartiges Unternehmen ausmachen und die dabei helfen, diese zu identifizieren.

1. Hervorragendes Management mit den richtigen Anreizen

Die besten Manager zeichnet aus, dass sie sowohl ehrgeizig als auch rechtschaffen und kompetent sind. Es müssen alle drei Eigenschaften sein. Nur eine oder zwei davon können in einem bösen Erwachen enden.

Diese Eigenschaften zu identifizieren, ist ganz besonders schwierig. Am besten ist es, wenn man das Management persönlich kennenlernen kann. Man kann sich jedoch auch Interviews ansehen und vor allem Aussagen in vergangenen Geschäftsberichten studieren und sie mit der später eingetretenen Realität vergleichen. Zu 100 Prozent wird man dies nie einschätzen können, aber man kann so einen sehr guten Eindruck bekommen.

Sehr wichtig sind auch die Anreize. Die Manager des größten Teils aller börsennotierten Unternehmen haben einen Anreiz, die Gewinne „ihres“ Unternehmens in den nächsten paar Quartalen zu optimieren. Das wird dann auch getan – und es geschieht oft auf Kosten der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.

Der beste Anreiz ist, wenn der Wohlstand des Managers zu einem großen Teil in den Aktien des Unternehmens gebunden ist. Idealerweise ist der Manager gleichzeitig noch immer der Gründer des Unternehmens. Diese betrachten ihre (dieses Mal ohne Gänsefüßchen) Unternehmen ganz anders – oft als ihr Lebenswerk, das sie nicht für die Gewinnoptimierung im nächsten Quartal aufs Spiel setzen.

2. Eine einzigartige Kultur

Dieses Merkmal geht ganz eng einher mit dem ersten Punkt. Unternehmen mit einer großartigen Kultur zeichnet aus, dass nicht die Gewinnoptimierung oder das Wachstum – koste es, was es wolle – die Priorität hat. Es wird hingegen sehr viel auf den Erfolg aller Stakeholder – auch Aktionäre, aber gleichzeitig Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, die Umwelt usw. – gelegt.

Um die Kultur eines Unternehmens einzuschätzen, kann man zum Beispiel Bewertungsportale für Arbeitnehmer studieren, wie glassdoor.com oder kununu.de. Auch hier hilft der Geschäftsbericht weiter: Geht es nur um die Zahlen oder wird darauf Wert gelegt, dass man Mehrwert für Kunden, Mitarbeiter etc. schafft? Hat das Unternehmen eine ansprechende Vision für die Zukunft, anhand derer es sich – und damit alle Mitarbeiter sowie idealerweise auch die anderen Stakeholder – ausrichtet?

3. Finanzielle Stärke

Das Unternehmen muss eine gesunde Kombination aus Wachstum, Profitabilität und Cashpolster bzw. Nettoverschuldung ausweisen. Hochverschuldete Unternehmen mit geringen Kapitalrenditen und wenig Wachstum (am besten in einer zyklischen Branche) sind Gift für ein langfristig ausgelegtes Portfolio.

Die eierlegende Wollmilchsau wird man nur selten in seinen Lebzeiten finden. Was sich jedoch schon lohnen kann zu finden, sind wenig kapitalintensive Geschäftsmodelle mit hohen Rohertragsmargen. Unternehmen mit solchen Geschäftsmodellen können einen großen Teil ihres Umsatzes in weiteres Wachstum oder den Ausbau der eigenen Wettbewerbsvorteile stecken.

Wenn das Unternehmen bereits profitabel ist, dann ist eine hohe Eigenkapitalrendite bei geringer Verschuldung etwas sehr Positives. Auch der Cashflow aus der operativen Tätigkeit sollte höher sein als die ausgewiesene Bilanz. Eine Ausnahme hiervon sind Unternehmen, die noch sehr viel ihres Cashflows zurück in hohes Wachstum investieren können.

4. Ein struktureller Wettbewerbsvorteil

Warren Buffett nennt es einen „Moat“, einen Burggraben. Das ist ein Wettbewerbsvorteil, der von anderen Unternehmen nicht so einfach kopiert werden kann.

Kein Beispiel für einen solchen strukturellen Wettbewerbsvorteil ist Technologieführerschaft. In Kombination mit anderen Dingen, wie zum Beispiel einer großartigen Unternehmenskultur, die für eine sehr hohe Loyalität bei Mitarbeitern sorgt, kann es einer sein. Aber wer heute außer einem technologischen Vorsprung keinen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern hat, der kann morgen schon überholt werden, wenn ein Wettbewerber mit einer neuen Technologie um die Ecke kommt.

Ein klassisches Beispiel für einen Burggraben ist eine starke Marke. Apple und Coca Cola sind sehr gute Beispiele dafür. Während es hunderte Colamarken und weiß Gott wie viele tolle Smartphones gibt, zahlen die Leute trotzdem und gerne einen (deutlich) höheren Preis für ihre iPhones und Cokes.

Ein anderes Beispiel sind Netzwerkeffekte. Zählt man einmal die eine oder andere Milliarde Erdbewohner unter den Nutzern seines sozialen Netzwerks, gibt es kaum jemanden, der einem die Stirn bieten kann – wenn man nicht selbst extrem viel falsch macht.

5. Langfristiges Wachstumspotential

Das ist der meiner Erfahrung nach von Anlegern am meisten unterschätzte Punkt. Viele Anleger kaufen gerne eine Aktie mit einem sehr geringen KGV oder eine anderweitig optisch günstige Aktie.

Was dabei oft übersehen wird: Wenn ein Unternehmen nur im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen kann, wo sollen die langfristigen Renditen herkommen? Ein Unternehmen kann seine Gewinnmarge nur so und so oft mal verdoppeln – und die Bewertung geht (zumindest langfristig) auch nicht in die Stratosphäre, wenn kein großes Wachstum vorhanden ist.

Unternehmen, die hingegen noch über lange Zeit zweistellig wachsen können, haben die besten Chancen, in einigen Jahren das Vielfache ihres heutigen Umsatzes zu erwirtschaften. Entsprechend kann der Aktienkurs sich entwickeln – vor allem, wenn man dieses Kunststück über mehr als nur drei, vier Jahre hinbekommt.

Das Wachstum kann dabei aus unterschiedlichen Quellen kommen: seien es neue Produkte, das Eindringen in neue Märkte, oder das kontinuierliche Abzwacken von Marktanteilen anderer.

Die Kombination macht den Unterschied

Ein Unternehmen mit nur einem dieser drei Merkmale bietet in der Regel noch keine langfristig aussichtsreiche Investitionsgelegenheit. Wenn man drei davon bei einem Unternehmen ausmacht, dann hat man meiner Erfahrung nach schon eine tolle Entdeckung gemacht, die es sich lohnt, weiter anzuschauen.

Der Jackpot jedoch ist ein Unternehmen mit allen diesen Merkmalen. Davon gibt es voraussichtlich zu jeder Zeit nicht viel mehr als ein Dutzend – wenn überhaupt, vielleicht nicht mehr als eine Handvoll. Und die Liste ändert sich über die Zeit auch, denn keines dieser Merkmale ist automatisch permanent.

Bei solchen Unternehmen spielt der Kaufpreis nur eine untergeordnete Rolle. Es ist zwar schon wichtig, dass er irgendein Verhältnis zur Realität hat. Aber selbst vermeintlich überbewertete Unternehmen, die aber die meisten dieser Merkmale haben, sind oft die mit Abstand besten langfristigen Investitionen, man schaue sich nur die Aktienkurse von Amazon oder Netflix an. Beide Unternehmen haben langfristig orientierte Anleger reich gemacht – auch die, die die 80 bis 90 % Kursstürze mitgemacht haben.


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