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ETF, Home Bias und Co.: „DAX ist eine Katastrophe!“

Der DAX ist eine Katastrophe. Eine Aussage, die man natürlich in vielerlei Hinsicht deuten kann, allerdings waren die vergangenen Wochen und Monate bei unserem heimischen Leitindex gewiss zum Vergessen. Bei einem derzeitigen Indexstand von gerade einmal knapp über 11.900 Punkten (30.08.2019, maßgeblich für alle Kurse) sind die alten Hochs jenseits der 13.400-Punkte-Marke in weiter Ferne. Allerdings sieht eine langjährige Katastrophe dann doch anders aus.

Ein Artikel, der nahelegte, dass der DAX dennoch eine Katastrophe für Privatinvestoren sei, hatte daher gewiss einen etwas anderen Fokus. Lass uns daher im Folgenden einmal schauen, was unseren heimischen Leitindex zu einer gewissen Katastrophe werden lässt und was ETF-Investoren und Privatanleger, die unter Home Bias leiden, diesbezüglich wissen sollten.

Darum ist der DAX eine Katastrophe

Wie der besagte Schreiberling zunächst klarstellte, sei der DAX dennoch für viele das heimische Börsenobjekt schlechthin. Wenn es hierzulande überhaupt mal um die Börse gehe, sei für viele der DAX der erste Begriff, der ihnen in den Sinn komme. Eine Entwicklung, die möglicherweise auch mit der Börsenschau auf gängigen Nachrichtenformaten einhergehen könnte.

Nichtsdestoweniger sei unser heimischer Leitindex keine sonderlich erfolgreiche Börsengeschichte. Ein Blick auf die prominenten, teilweise bereits ehemaligen Geldhäuser des Index genüge bereits, um zu erkennen, dass sich innerhalb der lediglich 30 verschiedenen Unternehmen viele Misserfolgsgeschichten sammeln würden. Zudem seien auch die stark zyklischen Autobauer in den letzten Jahren wenig erfolgreich und hätten einiges an Wert verloren. Und zur eher durchwachsenen Entwicklung dieses Index beigetragen.

Dass der DAX somit ein Querschnitt unserer Wirtschaft sei, treffe zwar einerseits zu, denn natürlich seien hier die größten börsennotierten deutschen Firmen vertreten. Nichtsdestoweniger ist vom (unzyklischen) Rücken unserer Wirtschaftsgesellschaft, dem Mittelstand, hier wenig vertreten. Diese befänden sich wenn überhaupt in MDAX, SDAX, also in der zweiten und dritten Börsenliga, was per se ja nicht unbedingt schlechter sein muss.

Ein differenzierter Blick auf den DAX

Einerseits stimmt es natürlich, dass der DAX in den letzten Jahren nicht sehr solide performte. Die eingangs skizzierte Entwicklung legt das ebenfalls nahe, wobei die Börsen sich natürlich nicht immer bloß aufwärts bewegen können.

Allerdings gebe ich dem Schreiberling auch recht, dass unser heimischer Leitindex tendenziell über strukturelle Schwächen verfügt. Viele zyklische Aktien, wenig defensiver Kern. Das macht die deutsche erste Börsenliga durchaus zu einem unattraktiven Kandidaten für Passivinvestoren, die von einem soliden Branchenmix profitieren möchten. Da existieren in anderen Ländern gewiss bessere, ja, sogar bedeutend diversifiziertere Objekte, die sich für ein solches Vorhaben eher eignen.

Den DAX jedoch generell zu verurteilen, halte ich dennoch für falsch. Viele Börsengeschichten in unserem Leitindex waren in den letzten Jahren sogar echte Erfolge. Teilweise sogar über Jahrzehnte hinweg! Man denke beispielsweise an die Münchener Rück (WKN: 843002), die operativ trotz des Rückversicherungsgeschäft so solide performte, dass man eine seit dem Jahre 1969 stets konstante Dividende an die Investoren zahlte. Oder die Allianz (WKN: 840400), die dividendentechnisch künftig in den Fußstapfen der Münchener Rück wandeln möchte und zudem seit Mitte des Jahres 2016 von einem Kursniveau von knapp über 122 Euro auf das aktuelle Niveau bei ca. 200 Euro gestiegen ist. Wer wählerisch ist, konnte daher im DAX durchaus gewisse Renditen erzielen.

Zudem verfügt der DAX mit Wirecard (WKN: 747206) sogar über eine junge, dynamische Wachstumsgeschichte, die zugegebenermaßen seit dem DAX-Aufstieg ein wenig an Schwung verloren hat. Langfristig könnten allerdings auch hier die Zeichen auf weiteres Wachstum sowie auf Kursgewinne stehen.

Es ist verzwickt mit dem DAX

Der DAX ist daher unterm Strich eine sehr verzwickte Sache. Einerseits existiert hier natürlich ein gewisser zyklischer Schwerpunkt, der es insbesondere ETF-Investoren schwer macht. Andererseits allerdings auch einige, spannende Geschichten, die geborgen werden möchten und sich der Entwicklung des gesamten Index durchaus zur Wehr setzen können.

Den DAX als Ganzes zu verurteilen macht daher in meinen Augen wenig Sinn. Wählerisch zu sein in diesem doch recht eigensinnigen Index ist definitiv eine der besseren Optionen.

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Vincent besitzt Aktien der Allianz, der Münchener Rück und von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.