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Kurssturz bei Evotec: Warum die Aktie trotz solider Quartalszahlen um fast 30 % gefallen ist

Wie sagte Börsenguru Warren Buffett einmal so schön: „Kaufe nie eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert.“ Das ist wahrscheinlich eines der weniger bekannten Buffett-Zitate, dennoch ist es sehr nützlich. An der Börse lauern für langfristige Anleger viele psychologische Fallen. Eine der größten ist wohl der drastische Kurssturz einer Aktie im eigenen Portfolio und der damit verbundene panische Drang, die Aktie zu verkaufen.

Als Foolishe Investoren wissen wir, dass es uns eine Menge Rendite kosten kann, Aktien nach einem Kurseinbruch blind zu verkaufen, ohne nach den Gründen für den Absturz zu fragen. So können zum Beispiel Gewinnmitnahmen einiger weniger Anleger beim Erreichen eines bestimmten Kursziels mitunter eine regelrechte Verkaufswelle bei einer Aktie auslösen, die aber im Grunde rein gar nichts mit dem Unternehmen selbst zu tun hat.

Mysteriöse Kursverluste

Manchmal ist der Grund für einen Kurseinbruch aber nicht so offensichtlich, wie etwa beim mysteriösen Kurssturz der Aktie der Hamburger Biotechfirma Evotec (WKN: 566480). Bei der Aktie hat sich zwar der Kurs nicht halbiert, aber nachdem das Papier am 01.08.2019 noch bei 26,52 Euro notiert hatte, brach sie danach abrupt ein und hat seither zeitweise mehr als 30 % verloren. Da kann dem einen oder anderen Anleger schon mal das Herz in die Hose rutschen – vor allem, wenn sich diese Kurskapriolen auf den ersten Blick nicht logisch erklären lassen.

Bei Evotec schien doch eigentlich alles im Lot zu sein: Der Konzern hatte solide Quartalszahlen gemeldet und sogar die Jahresprognose für Umsatz und operativen Gewinn erhöht. Das Biotechunternehmen erwartet demnach einen Anstieg des bereinigten operativen Gewinns um mehr als 10 % (bisher 10 %) und beim Umsatz um 15 % (bisher 10 %). Sollte das für die Börsianer nicht ein Grund zur Freude sein? Warum dann der Abverkauf?

Shortseller am Werk?

Nun, es gibt zwei wesentliche Faktoren, die den Kursrutsch möglicherweise ausgelöst bzw. dazu beigetragen haben: Zum einen könnte es sein, dass einige Börsianer einfach eine offensivere Jahresprognose erwartet haben, denn nach dem erfolgreichen ersten Quartal kam die Prognoseerhöhung nicht wirklich überraschend. Hinzu kommt, dass die Prognose für den operativen Gewinn nicht so stark angehoben wurde wie für den Umsatz.

Der zweite und wahrscheinlich ausschlaggebendere Faktor war möglicherweise die Nachricht, dass im kommenden Frühjahr die Allianz mit Sanofi (WKN: 920657) in Toulouse auslaufen wird. Berechnungen von Evotec zufolge gehen dem Unternehmen ohne Sanofi wahrscheinlich etwa 20 Mio. Euro Umsatz in Toulouse verloren. Das kommt aber eigentlich alles andere als überraschend, denn Analysten hatten bereits vor zwei Jahren darauf aufmerksam gemacht. Schon damals war die Aktie unter Verkaufsdruck geraten, unter anderem weil Shortseller diese Verunsicherung ausgenutzt hatten. Auch jetzt waren Shortseller wieder kräftig am Werk, was ebenfalls eine Ursache für die heftige Kursreaktion gewesen sein dürfte.

Evotec-Chef greift zu

Evotec gab an, dass man durch das Ende der Partnerschaft mit Sanofi keine Verwerfungen im operativen Geschäft erwarte, da man in Toulouse inzwischen bereits für mehr als 50 Kunden arbeite und mit Sanofi ja auch in anderen Bereichen weiterhin Geschäfte machen könne. Es scheint also, als wäre hier mal wieder viel Lärm um nichts gemacht worden.

Evotec-Chef Werner Lanthaler hat jedenfalls die Gunst der Stunde genutzt und zugegriffen: Er hat sich für rund 189.000 Euro mit neuen Aktien eingedeckt und damit ein deutliches Zeichen gesetzt. Es besteht zwar noch ein Restrisiko, dass es noch etwas weiter abwärts geht, aber langfristig orientierte Anleger könnten bei diesen Kursen tatsächlich über einen Einstieg nachdenken. Evotec ist und bleibt eine spannende Wachstumsstory, aber Anleger werden hier wohl auch in Zukunft starke Nerven brauchen.

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Franziska Eggert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.