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Hat Alibaba gerade bewiesen, dass die Bären sich irren?

Die Aktien von Alibaba (WKN: A117ME) stiegen kürzlich, nachdem der chinesische Tech-Riese seine Zahlen für das erste Quartal bekannt gegeben hatte. Der Umsatz stieg um 42 % im Vorjahresvergleich auf 114,9 Mrd. Yuan Renminbi (knapp 15 Mrd. Euro) und übertraf damit die Schätzungen um rund 800 Mio. Euro.

Der bereinigte Konzerngewinn stieg um 54 % auf 30,9 Mrd. Yuan Renminbi (knapp 4 Mrd. Euro) oder 1,64 Euro je amerikanischem Hinterlegungsschein (ADR), was ebenfalls die Erwartungen um 0,30 Euro übertraf. Dieses Übertreffen der Gewinnerwartungen machte einen starken Eindruck, aber wird er Alibaba genügend Schwung geben, um die Aktie inmitten der Sorgen um den Handelskrieg und die Zölle zwischen den USA und China in den Rally-Modus zu versetzen?

Das Kerngeschäft Handel bleibt robust

Alibabas Kernumsatz im Handel wuchs um 44 % im Vorjahresvergleich auf 99,5 Mrd. Yuan Renminbi (12,7 Mrd. Euro) und machte 87 % seines Umsatzes aus. Auch der Betriebsgewinn stieg um 52 % auf 35 Mrd. Yuan Renminbi (4,4 Mrd. Euro) und blieb die einzige profitable Geschäftseinheit des Unternehmens.

Der allgemeine Warenabsatz von Sachgütern (der den Wert aller über die Plattform verkauften Waren beinhaltet) stieg bei Tmall, dem wichtigsten Business-to-Consumer-Marktplatz (B2C) des Konzerns, um 34 %. Dieses Wachstum wurde sowohl durch eine höhere Kundenzahl als auch durch höhere Durchschnittsausgaben pro Kunde getragen, was vor allem auf einen stärkeren Absatz von schnelllebigen Konsumgütern, Bekleidung, Unterhaltungselektronik und Heimtextilien zurückzuführen ist.

Die stärkeren Verkäufe dieser höherpreisigen Produkte deuten darauf hin, dass der chinesische Konsum trotz der Konjunkturabschwächung robust bleibt. Ähnliche Ergebnisse verzeichneten wir bei Alibabas Toprivalen JD.com (WKN: A112ST), der kürzlich über ein beschleunigtes Umsatzwachstum aufgrund eines stärkeren Absatzes von Elektronik und Hausgeräten berichtete.

Taobao, seine wichtigste Plattform für den Handel zwischen Verbrauchern (C2C), expandierte auch in kleinere Städte mit einer einfacheren App und Empfehlungsprogrammen auf der mobilen Zahlungs-App Alipay (an der Alibaba eine wichtige Beteiligung hält). Infolgedessen stammten über 70 % des Wachstums bezüglich der über das Jahr aktiven Kunden von Taobao im Quartal aus „weniger entwickelten“ Gebieten. Diese Bemühungen könnten Taobaos Burggraben gegen seinen wachsenden Rivalen Pinduoduo ausweiten, der billigere Standardprodukte an einkommensschwache Konsumenten verkauft.

Solides Benutzerwachstum bei kontinuierlicher Erweiterung des Ökosystems

Alibaba beendete das Quartal mit 755 Millionen mobilen monatlich aktiven Nutzern über all seine chinesischen Einzelhandelsmarktplätze hinweg und verzeichnete damit einen Anstieg von 34 Millionen gegenüber dem vierten Quartal.

Alibaba baute auch seine Filialpräsenz mit der kassenlosen Lebensmittelkette Hema weiter aus, die mittlerweile 150 Standorte in 17 chinesischen Städten betreibt. Diese clevere Einzelhandelsstrategie, zusammen mit der Lebensmittelzustellplattform Ele.me, koppelt mehr Unternehmen an Alipay und Alibabas andere Dienstleistungen.

Dieses Ökosystemwachstum erweitert Alibabas Wettbewerbsvorsprung gegen Tencent (WKN: A1138D), der Alipays Rivalen WeChat Pay besitzt und ein Topinvestor in Ele.mes größten Rivalen Meituan Dianping ist. Tencent ist auch ein bedeutender Investor bei JD.com, das mit Walmart bei der Lieferung von Lebensmitteln zusammenarbeitet.

Alibaba soll sich auch in Gesprächen befinden, um die grenzüberschreitende E-Commerce-Plattform Kaola von NetEase (WKN: 501822) für 2 Mrd. US-Dollar zu kaufen, die das Wachstum der eigenen grenzüberschreitenden Plattform Tmall International ergänzen könnte. Tmall International kontrollierte im ersten Quartal 32,3 % des grenzüberschreitenden E-Commerce-Marktes in China, so Analysys, während Kaola einen Anteil von 24,8 % erreichte.

Alibaba expandiert auch weiterhin nach Übersee mit Lazada, der größten E-Commerce-Plattform in Südostasien, wo sich die Bestellungen und die mobilen täglichen aktiven Nutzer jährlich verdoppelten. Auch das internationale Geschäft, angeführt vom Überseemarktplatz AliExpress, expandierte im Quartal mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 29 %.

Aber Alibabas andere Geschäfte schreiben immer noch Verluste

Alibabas Fähigkeit, mit so vielen Expansionsinitiativen und Investitionen im Kerngeschäft Handel zu jonglieren, ist beeindruckend. Die beiden anderen großen Geschäftsbereiche – Cloud-Computing sowie Digitale Medien & Unterhaltung – bleiben jedoch zutiefst unrentabel.

Der Cloud-Umsatz stieg jährlich um 66 % auf 7,8 Mrd. Yuan Renminbi (ca. 1 Mrd. Euro), was sowohl auf eine höhere Kundenzahl als auch auf einen höheren Umsatz pro Kunde zurückzuführen ist. Der Betriebsverlust verringerte sich von 2,1 auf 1,5 Mrd. Yuan (190 Mio. Euro), aber dieses Geschäft wird voraussichtlich noch lange Zeit unprofitabel sein. Alibaba Cloud bleibt die führende Cloud-Plattform in China, steht aber in zunehmendem Wettbewerb mit Tencent Cloud, die Unternehmen an ihre WeChat-, QQ- und anderen Dienste anbindet. Daher hat Alibaba nicht sonderlich viel Spielraum, um die Margen des Geschäftsbereichs über Preiserhöhungen zu steigern.

Der Umsatz mit digitalen Medien stieg jährlich um 6 % auf 6,3 Mrd. Yuan (800 Mio. Euro) und der Betriebsverlust ging leicht von 4,3 auf 3,2 Mrd. Yuan (400 Mio. Euro) zurück. Ich habe wiederholt argumentiert, dass Alibaba erwägen sollte, diese Einheit aus zwei Gründen auszulagern: Youku Tudou und Alibaba Music sind völlige Underdogs in den Streaming-Video- und Musikmärkten und die Filme von Alibaba Pictures sind risikoreiche Investitionen mit unvorhersehbaren Renditen.

Alibabas operative Verluste in diesen Bereichen sind hässlich, werden aber durch die starke Profitabilität des Kerngeschäfts ausgeglichen. Wir sehen hier also genau das Gegenteil von Amazon.com (WKN: 906866), wo die margenschwächeren Marktplätze durch das margenstärkere Cloud-Geschäft unterstützt werden.

Wird die Alibaba-Aktie also weiter nach oben ziehen?

Alibaba handelt geschätzt mit dem 20-fachen Gewinn bezogen auf das laufende Geschäftsjahr, was im Verhältnis zu seinem Gewinnwachstum günstig ist. Allerdings dürften die Anleger aufgrund der Erschütterungen durch den Handelskrieg und der Abwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar vor dieser Aktie zurückschrecken. Aber wie ich bereits sagte, Alibaba ist immer noch eine der besten langfristigen Investments, um auf China zu setzen. Investoren, die diese kurzfristige Volatilität aussitzen, könnten innerhalb weniger Jahre gut belohnt werden.

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John Mackey, CEO der Amazon-Tochter Whole Foods Market, ist Teil des TMF-Boards. Leo Sun besitzt Aktien von Amazon, JD.com und Tencent Holdings. The Motley Fool besitzt Aktien und empfiehlt Amazon, JD.com, NetEase und Tencent Holdings.

Dieser Artikel erschien am 16.08.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschsprachigen Leser übersetzt.