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Vergleich der Konsumgüterbranche: Warum BAT, Reckitt Benckiser und Diageo spannender als Henkel und Nestlé sind

Foto: Getty Images

Bei der Onlinerecherche bin ich zuletzt auf das jährliche Ranking der größten FMCG-Unternehmen der Unternehmensberatung OC&C gestoßen. Bei FMCG (Fast Moving Consumer Goods) handelt es sich um Konsumgüter des täglichen Bedarfs, die von den Konsumenten ohne lange Entscheidungsphase spontan und routiniert gekauft werden.

In dem Artikel möchte ich darauf eingehen, was an dieser Definition so interessant für uns Investoren ist und weshalb ich British American Tobacco (WKN: 916018), Reckitt Benckiser (WKN: A0M1W6) und Diageo (WKN: 851247) aktuell für spannender halte als Nestlé (WKN: A0Q4DC) und Henkel (WKN: 604843), die Mitglieder im Ranking aus dem deutschsprachigen Raum.

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Was die Branche so spannend macht

Die Unternehmen, die Konsumgüter des täglichen Bedarfs herstellen, profitieren davon, dass ihre Produkte auch während einer schwachen Konjunktur nachgefragt werden. So richtig spannend werden die Unternehmen, wenn aufgrund von Image oder Qualität die Konsumenten der Marke selbst dann die Treue halten, wenn es günstigere vergleichbare Produkte gibt und daher höhere Margen realisiert werden können.

Daneben spielen zwei Megatrends eine wichtige Rolle.

1. Wachstum der Weltbevölkerung und wachsende Mittelschicht

Die Weltbevölkerung wird in den nächsten 20 Jahren laut einer Studie der Vereinten Nationen um ca. 20 % wachsen. Davon ist vor allem Asien betroffen und die Region soll einen großen Anteil am Wachstum der Mittelschicht tragen. Zur Mittelschicht werden gemäß der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Haushalte gezählt, die ein Einkommen zwischen 10 und 100 US-Dollar pro Tag und Person erzielen.

Laut einer Studie der OECD soll die Anzahl der Menschen, die der Mittelschicht angehören, von 3,45 Mrd. im Jahr 2018 auf 5,37 Mrd. 2030 steigen. Das heißt, es kommen in den nächsten zwölf Jahren fast zwei Milliarden neue potenzielle Konsumenten hinzu.

2. Zunehmendes Qualitätsbewusstsein in den entwickelten Ländern

Bei einer Befragung der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) hat sich der Anteil der befragten Personen, die beim Einkaufen vor allem auf Qualität achten, von 47 % im Jahr 2009 kontinuierlich auf 53 % 2017 erhöht. Als wichtigste gewünschte Merkmale werden „gesundheitliche Unbedenklichkeit“, „guter Geschmack“ und „Frische“ des Produkts genannt. Daneben werden soziale Qualitätsmerkmale immer wichtiger. Für die Unternehmen entsteht dadurch eine großartige Möglichkeit für Wachstum auch in den entwickelten Ländern, wenn sie es schaffen, diese Kaufkriterien erfolgreich zu erfüllen.

Vom Ranking zur Peergroup

Für die Peergroup verwende ich die aktuellste Aufbereitung des Rankings der Plattform Horizont aus dem Jahr 2018 für das Geschäftsjahr 2017, weil hier neben dem Umsatzwachstum auch noch die Gewinnmarge ausgewiesen wird. Für die Selektion der Aktien definiere ich folgende Kriterien:

  • Gewinnmarge über 20 %
  • Umsatzwachstum über 10 %

Mit Henkel und Nestlé als Vergleichsunternehmen ergibt sich folgender Ausschnitt aus dem Ranking:

Rang 2017 Rang 2016 Unternehmen Land Umsatz in Milliarden US-Dollar Veränderung zu 2016 in Prozent Gewinnmarge in Prozent vom Umsatz
1 1 Nestlé Schweiz 91,19 0 15
5 6 AB Inbev Belgien 56,44 24 31
13 18 British American Tobacco Großbritannien 26,12 38 32
23 27 Diageo Großbritannien 15,51 15 32
26 30 Reckitt Benckiser Großbritannien 14,82 16 24
31 38 Henkel Deutschland 11,85 9 15

Quelle: Horizont, OC&C

Für diese Peergroup erstelle ich nun meine Darstellung zur Kennzahlenbetrachtung:

Kennzahl Henkel Nestlé ABInbev BAT Diageo ReckittBenckiser
Bruttomarge (Ø 2014–2018) 47,2 % 49,7 % 61,3 % 77,3 % 60,1 % 59,6 %
Nettomarge (Ø 2014–2018) 11,1 % 10,9 % 12,7 % 59,2 % 22,5 % 29,1 %
Eigenkapitalrendite (Ø 2014–2018) 15,1 % 15,5 % 11,2 % 64,6 % 30,1 % 34,0 %
Investment/Gewinn (Summe 2014–2018) 105,8 % 65,9 % 232,4 % 44,3 % 24,6 % 71,0 %
Dauer Rückzahlung langfristige Finanzverbindlichkeiten in Jahren 0,67 2,54 24,12 7,72 2,67 4,47
Verschuldungsgrad 0,74 1,37 2,48 1,23 1,81 1,55
EBIT-Wachstum (Ø 2014–2018) 7,8 % 1,8 % 2,8 % 20,6 % 7,3 % 10,0 %

Eigene Berechnung, Quelle: morningstar.de

Kennzahlenbetrachtung

Von einem Wettbewerbsvorteil spreche ich, in Anlehnung an Warren Buffett, wenn

  • die Bruttomarge über 60 % liegt,
  • die Nettomarge über 20 % liegt,
  • die Eigenkapitalrendite über 15 % liegt,
  • die Summe der Cashflows für Investitionstätigkeit der betrachteten Jahre maximal 50 % der aufsummierten Gewinne der betrachteten Jahre beträgt,
  • die langfristigen Finanzverbindlichkeiten in maximal vier Jahren zurückgezahlt werden können,
  • der Verschuldungsgrad (Summe Fremdkapital/Summe Eigenkapital) maximal 0,8 beträgt,
  • das Wachstum vom EBIT (Earnings before Interest and Taxes = Gewinn vor Zinsen und Steuern) mindestens 5 % beträgt.

Wie man der Tabelle mit dem Kennzahlenvergleich entnehmen kann, erfüllt keines der Unternehmen alle Kriterien uneingeschränkt. Bei Henkel und Nestlé stören mich vor allem die Margen, die darauf hindeuten, dass die Unternehmen mit ihren Produkten einem starken Wettbewerb ausgesetzt sind. Daneben werden auch sonst nicht alle Kriterien erfüllt.

Bei ABInbev (WKN: A2ASUV) wird die Durchschnittsbetrachtung zwar durch einen Effekt aus der Übernahme von SAB Miller belastet, aber auch bei einer genaueren Betrachtung der Zahlen für 2017 und 2018 sieht es so aus, als ob das Unternehmen die Übernahme noch nicht verdaut hat, und das EBIT-Wachstum spricht nicht für ausreichend Wachstum. Daher schließe ich die Aktie für die weitere Betrachtung aus.

Bei British American Tobacco hatte die Übernahme von Reynolds 2017 einen einmaligen, extrem positiven Einfluss auf das Ergebnis. Die Brutto- und Nettomargen liegen aber auch in den Jahren davor und danach deutlich über meinen Zielwerten. Das EBIT kennt seit 2014 nur die Richtung nach oben und machte durch die Übernahme noch mal einen deutlichen Sprung. Problematischer sind die Bilanzkennzahlen. Das Unternehmen hat durch die teilweise Bezahlung mit eigenen Aktien neben dem Fremdkapital auch das Eigenkapital erhöht. In der Folge ist die Eigenkapitalrendite 2018 nicht mehr ganz auf meinem Zielniveau und das Unternehmen bräuchte sieben Jahre, um die langfristigen Finanzverbindlichkeiten mit dem Nettogewinn aus dem Jahr 2018 zurückzuzahlen.

Bei Diageo wird eine der Kennzahlen aktuell nicht erfüllt, dabei handelt es sich um den Verschuldungsgrad. Das ist aus meiner Sicht aber vernachlässigbar, weil das Unternehmen ansonsten alle anderen Kennzahlen uneingeschränkt erfüllt. Das Unternehmen benötigt nicht viel Kapital, so könnten die Schulden in weniger als drei Jahren mit dem aktuellen Nettogewinn zurückgezahlt werden. Für das Unternehmen macht es daher Sinn, sich mit Fremdkapital zu finanzieren, weil dies günstiger ist als mit Eigenkapital, und die Gewinne für Aktienrückkäufe zu nutzen.

Für die Betrachtung der Kennzahlen von Reckitt Benckiser spielt auch eine Übernahme aus dem Jahr 2017 eine wichtige Rolle. In diesem Jahr wurde der Babymilchhersteller Mead Johnson erworben. Auch hier stieg in der Folge das Eigen- und Fremdkapital. In der Folge bräuchte das Unternehmen inzwischen über vier Jahre, um die langfristigen Finanzverbindlichkeiten mit dem Nettogewinn aus 2018 zurückzuführen. Die durchschnittliche Nettomarge profitiert sehr stark und liegt in den anderen Jahren im Betrachtungszeitraum knapp unter dem Zielwert.

Genauere Betrachtung folgt

Aufgrund der genannten Trends und des Vorteils, dass die Produkte auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nachgefragt werden, finde ich die Branche gerade in unruhigen Zeiten mit Handelskrieg und Brexit äußerst spannend. Die Aktien von British American Tobacco, Diageo und Reckitt Benckiser möchte ich in einem weiteren Artikel noch genauer betrachten.

Ich werde noch mal tiefer auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen eingehen und die aktuelle Bewertung der Unternehmen berücksichtigen. Gerade bei Reckitt Benckiser und British American Tobacco ist diese Betrachtung im Kontext der gestiegenen Verschuldung infolge der erfolgten Übernahmen wichtig.

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Florian Hainzl besitzt Aktien von British American Tobacco und Henkel. The Motley Fool empfiehlt Diageo und Nestle.

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