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Das Commerzbank-Paradox bleibt ungelöst – wie es mit der Aktie nun weitergeht

Warum eigentlich kommt die Aktie der Commerzbank (WKN: CBK100) nicht vom Fleck? Nach Jahren des Risikoabbaus, der Effizienzmaßnahmen und Innovationsprogramme sollten doch schon längst wieder vernünftige Renditen erwirtschaftet werden. Stattdessen bleibt das Umfeld „anspruchsvoll“ und der Kurs ist auf 5 Euro abgestürzt.

Das Eigenkapital, das seinen Namen nicht verdient

Bereits vor drei Jahren ging ich der Frage nach, wie es sein kann, dass 30 Mrd. Euro Eigenkapital mit lediglich 7 Mrd. Euro Marktkapitalisierung bewertet werden. Damals glaubte ich, eine wunderbare Value-Chance entdeckt zu haben, und die Aktie entwickelte sich in der Folge zunächst tatsächlich prächtig. Drei durchwachsene Geschäftsjahre später stehen zum 30. Juni 29,4 Mrd. Euro Eigenkapital in der Bilanz, davon 28,2 Mrd. Euro den Aktionären zustehend – und der Aktienkurs steht tiefer als damals.

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Das heißt doch, dass ein Investor den gesamten Laden aktuell für 6,5 Mrd. Euro kaufen könnte – mit Übernahmeprämie vielleicht etwas mehr –, und dann über die Filetierung der Einzelteile 28 Mrd. Euro erlösen könnte. Das würde einer glatten Vervierfachung des Einsatzes innerhalb kurzer Zeit entsprechen! Für mich hört sich das nach einem überaus verlockenden Deal an, ja geradezu nach einer einmaligen Chance.

Nachdem allerdings die Gedankenspiele rund um die Fusion mit der ähnlich schwächelnden Deutschen Bank (WKN: 514000) gescheitert waren, haben sich auch die Gerüchte um eine Fusion mit der Hypo-Vereinsbank oder einer Akquisition durch die ING Group (WKN: 881111) nicht weiter konkretisiert. Offenbar trauen diese Konkurrenten dem Braten nicht so richtig und alle Spekulationen sind im Sand verlaufen.

Woran die Commerzbank krankt

Klarheit besteht über die Symptome: Die Eigenkapitalrendite auf das Konzernergebnis ist im ersten Halbjahr auf schwache 3,1 % gesunken (Vorjahr 4,3 %). Eigenmittel, die nicht vernünftig rentieren, werden natürlich nicht für voll genommen. Noch wichtiger als die Substanz ist für die meisten Aktionäre eben der Gewinn und der fällt erneut mager aus. Schlimmer noch: Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass es nicht besser wird. Die Ursachen sind vielfältig.

Ein wichtiger Faktor sind die Minuszinsen, die am Gewinn zehren. Die Kunden horten große Geldsummen bei der Bank und wenn diese nicht ausreichend lohnende Ziele zur Kreditvergabe findet, dann muss sie die Strafzinsen der Zentralbank tragen. Aktuell agieren viele Kunden vorsichtiger als in den Vorquartalen. Daneben musste die Commerzbank ihre Risikovorsorge erhöhen. Gerade die mittelständischen Maschinenbauer, die häufig zu den Kunden gehören, haben derzeit mit Problemen auf den Weltmärkten zu kämpfen. Die Insolvenz des großen Anlagenbauers Eisenmann sollte ein Warnzeichen sein.

Wie es jetzt weitergeht

Mit dem schwachen Wirtschaftsausblick und dem schwierigen Kreditgeschäft ist kurzfristig kaum mit einer Verbesserung der Ergebnisse zu rechnen. Vielmehr ist nicht auszuschließen, dass die Commerzbank auf Quartalsbasis erneut in die roten Zahlen rutscht.

Immerhin wurde mal wieder ein Meilenstein erreicht. Die Problemsparte „Asset & Capital Recovery“ konnte Anfang Juli aufgelöst werden, was die Verwaltungskosten senken dürfte. Nun besteht nur noch ein 4,5 Mrd. Euro schweres Restpaket, das kein größeres Risiko mehr darstellen sollte.

Auch bei der Digitalisierung, Stichwort „Commerzbank 4.0“, geht es weiter voran. Dass das Programm bisher noch keine sichtbaren Erfolge gebracht hat, liegt wohl auch daran, dass einige der Kernprozesse über die nächsten ein bis zwei Jahre noch fertig implementiert werden müssen. Vorher werden wir voraussichtlich noch keine großartigen Effekte sehen. Wenn allerdings Anfang 2021 alles rundläuft, dann würde ich in der Folge mit deutlich besseren Ergebnissen rechnen.

Ob die Commerzbank jemals so profitabel wirtschaften wird, dass Anleger bereit sind, einen Euro je Euro Eigenkapital zu bezahlen, darf angesichts der anhaltend schwierigen Marktbedingungen bezweifelt werden. Aber die aktuelle Diskrepanz ist dermaßen hoch, dass die Chancen die Risiken aus meiner Sicht deutlich übertreffen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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