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Wirecard am Scheideweg: 3 Foolishe Perspektiven zu einer umstrittenen Aktie

Foto: Getty Images

Die Aktie von Wirecard (WKN: 747206) gehört auch weiterhin zu den Börsengeschichten, die am meisten polarisieren. Spätestens seitdem die Financial Times mit ihrer dubiosen Berichterstattung begonnen hat, haben viele eigentlich erfolgsverwöhnte Investoren gespürt, dass es bei diesem interessanten Fintech-Titel nicht nur aufwärtsgehen muss.

Auch wenn dieses schmerzhafte Kapitel inzwischen wohl abgehakt ist, gilt die Aktie weiterhin als umstritten und selbst wir Fools sind uns nicht einig, wie wir zu der Aktie stehen sollen. Werfen wir in diesem Sinne nun einen Blick auf drei spannende, unterschiedliche Perspektiven auf die Aktie von Wirecard, die Investoren dabei helfen, sich ein kompletteres Bild zu machen.

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Die Zahlen stimmen, die Partnerschaften stimmen: Was will man mehr?

Vincent Uhr: Nach inzwischen wohl über 100 verschiedenen Artikeln aus dem Wirecard-Universum bin ich weiterhin überzeugt von diesem innovativen Zahlungsdienstleister. Und das nicht bloß, weil ich inmitten der Causa Wirecard glücklicherweise vergleichsweise günstig eingestiegen bin, sondern auch, weil ich an die weitere Wachstumsgeschichte hier glaube.

Allein mit den Zahlen für das erste Quartal hat Wirecard hier in meinen Augen sehr deutlich gezeigt, dass der Zahlungsabwickler weiterhin wächst. Mit seinen gestiegenen Umsätzen und Transaktionsvolumina im Bereich von jeweils über 30 % hat Wirecard im Grunde da weitergemacht, wo man bereits im Vorfeld aufgehört hat. Zudem zeigen die noch kräftiger gestiegenen Ergebniszahlen – das Ergebnis nach Steuern ist sogar um 50,0 % gestiegen – dass der innovative Zahlungsdienstleister zunehmend profitabler werden dürfte.

Mit jeder weiteren Partnerschaft und Kooperation zeigt Wirecard zudem, dass das Wachstum nicht nur auf dem Papier entsteht, so wie es die Financial Times dem Zahlungsabwickler vorgeworfen hat, sondern dass hier reale Transaktionsvolumina zu realen Umsätzen führen.

Da ich daher felsenfest davon überzeugt bin, dass Wirecard mit vielen weiteren prominenten Partnerschaften seine ambitionierten Ziele bis zum Geschäftsjahr 2025 wird erreichen können, glaube ich, dass die Aktie momentan durchaus ein Schnäppchen sein könnte. Und dass Investoren hier mit einem langfristigen Blickwinkel durchaus weiterhin attraktive Renditen einfahren können werden.

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

Ralf Anders: Ja, ein Unternehmen mit wachsendem Kerngeschäft, das zudem über die weitere Internationalisierung und eine gut gefüllte Innovationspipeline expandieren kann, ist auf alle Fälle interessant, gerade für langfristig orientierte Anleger. Wirecard war bisher solch ein Unternehmen und könnte es grundsätzlich auch zukünftig sein. Damit die Aktie allerdings für mich attraktiv ist, muss das Verhältnis von Chancen und Risiken stimmen und an dieser Stelle habe ich beim Kurs von rund 150 Euro meine Zweifel.

Chancenseitig ist zu beobachten, dass Wirecard mittlerweile eine Größe erreicht hat, wo es schwieriger wird, das bisherige Tempo aufrechtzuerhalten. Ich denke, dass die niedrig hängenden Früchte bereits abgeerntet wurden – und um die höher hängenden streiten sich immer mehr starke Wettbewerber. Wirecard ist ja keineswegs ein einzigartiges Unternehmen. Fast jedes zweite europäische Land hat mindestens ein vergleichbares Unternehmen hervorgebracht, und alle suchen ihr Heil darin, in neue Bereiche vorzustoßen, wo sie sich gegenseitig Konkurrenz machen. Nordamerika ist von lokalen Anbietern besetzt und anderswo wartet man auch nicht gerade sehnsüchtig auf Wirecard.

Hinzu kommt die völlige Unübersichtlichkeit des Payment-Universums. Hersteller von Geldautomaten, Autos und Handys drängen genauso in den Markt wie IT-Giganten und Einzelhandelsketten. Hunderte Fintech-Start-ups versuchen ebenfalls, ein Stück vom Kuchen abzugreifen. Und dann sind da ja auch noch die Banken, die so langsam aufwachen und mit eigenen Lösungen gegenhalten. Manchmal kann Wirecard sich zwar in die neuen Angebote als Technologiepartner einklinken, aber die Margen könnten deutlich sinken.

Früher habe ich gelegentlich Payback-Punkte gesammelt, im Laden mit der ec-Karte bezahlt und im Internet mit VISA (WKN: A0NC7B) – es hat funktioniert und war letztlich keine große Sache. Derweil mussten das zeitweise populäre Internetbezahlsystem ClickandBuy genauso wie die Geldkarte und viele andere Angebote aufgeben. Aber jetzt plötzlich soll Payment das größte Geschäft aller Zeiten sein? Ich sehe diesen Hype kritisch und würde mir als Aktionär Sorgen um die allgemein hohen Bewertungen machen. Dass Wirecard zusätzlich noch spezifische Risiken aufweist, muss ich hier nicht weiter ausführen.

Das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange

Stefan Naerger: Ja, man muss der Realität ins Auge sehen: Die Wirecard-Aktie ist nicht mehr der 20-Euro-Geheimtipp. Mittlerweile ist das gute Stück ein anerkanntes Mitglied im DAX-Adel und wird sich wohl so schnell nicht mehr in das kleine, verträumte Startup zurückverwandeln.

Skeptische Beobachter fragen sich zu Recht, ob die Wirecard-Aktie im Sommer 2019 bei einem Kurs von 150 Euro am Zielbahnhof angekommen ist und jetzt in den gemächlichen Seitwärtstrend oder gar in eine Konsolidierung übergeht.

Warum auch nicht? Vielleicht sind die Querelen mit der Financial Times für Wirecard-Investoren der ersten Stunde ein guter Grund, um jetzt die Reißleine zu ziehen und die monströsen Kursgewinne der letzten Jahre ins Trockene zu bringen. Vielleicht wird sich in den nächsten Monaten zeigen, dass Wirecard mittlerweile tatsächlich schon zu groß ist, um die traumhaften Wachstumsraten der letzten Jahre aufrechtzuhalten.

Ja, das könnte alles definitiv so sein. Ich glaube aber, dass es ganz anders kommt. 150 Euro pro Aktie? In ein paar Jahren wird man nach meiner Rechnung (mit der ich hier niemanden langweilen will) für die Wirecard-Aktie gut und gerne das Doppelte auf den Tisch legen müssen.

Um so zu denken, muss ich nur mit einem Auge nach China schielen. Bargeld ist im Land des Drachen eindeutig auf dem Rückzug. Selbst der örtliche Bettler lässt sich mobil und vollständig digital alimentieren.

Wenn man die Chinesen fragen würde, warum kaum noch mit Bargeld gezahlt wird, wüssten die wahrscheinlich keine Antwort darauf. Ich kann mir denken, warum das so ist. Denn in einer zunehmend digitalisierten Welt wirkt Bargeld wie das, was es tatsächlich ist: Ein Relikt aus der Bronzezeit. Es gehört nicht in die Taschen der Menschen, sondern in ein Museum.

Verfolgt man diesen Gedanken in letzter Konsequenz weiter, wird klar, wie riesig der Markt für digitale Zahlungsdienstleistungen in Zukunft sein könnte. Sofern Wirecard seine Plattform weiterhin gut in Schuss hält, könnten die Münchener ein ordentliches Stück vom Transaktionskuchen abbekommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Stück groß genug sein wird, um Wirecard-Investoren auch in Zukunft nicht zu langweilen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Vincent besitzt Aktien von Wirecard. Stefan besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa.

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