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E.ON-Aktie oder Deutsche Telekom? Welche Dividende sicherer ist

Viele gute DAX-Unternehmen werden seit einiger Zeit an der Börse arg vernachlässigt. Das ärgert diejenigen, die auf Kursgewinne setzen, aber freut andere, die mit Weitsicht ein dividendenstarkes Depot aufbauen wollen. Denn Aktien, die bei aktuellen Kursen 5 % und mehr Dividende erwarten lassen, können in diesen Zeiten wunderbar eingesammelt werden.

Zwei Kandidaten dafür sind E.ON (WKN: ENAG99) und die Deutsche Telekom (WKN: 555750). Aber auf welche der beiden Dividenden können sich Anleger mehr verlassen? Lies hier, warum die Telekom als Gewinner aus meiner Gegenüberstellung hervorgeht.

Kriterium Nr. 1: Die Substanz

Viele Tech-Unternehmen können gar keine vernünftige Dividende bezahlen, selbst wenn sie wollten. Der Grund liegt darin, dass Ausschüttungen direkt die Substanz oder besser gesagt das Eigenkapital reduzieren. Zum Stichtag 31. März hatte die Telekom 42,8 Mrd. Euro ausgewiesen gegenüber 8,4 Mrd. Euro bei E.ON. Nominal hat der Magenta-Konzern also fünfmal mehr Feuerkraft.

Aber an der Börse kommt es meist nicht auf absolute Größe an, sondern auf günstige Relationen. Wie steht es also um das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)? Da die Telekom 70,9 Mrd. Euro (30.07.) auf die Waage bringt, ergibt sich hier ein Wert von 1,66. Die Marktkapitalisierung von E.ON beträgt zwar mit 20,3 Mrd. Euro weniger als ein Drittel, was aber immer noch zu einem KBV von 2,42 führt.

Beim KBV gilt, dass kleiner besser ist, weshalb die Telekom in dieser Disziplin gewinnt. Stand: 0:1

Kriterium Nr. 2: Die Ausschüttungsquote

Es gibt Unternehmen, die schütten mehr aus, als sie Gewinne erwirtschaften. Das bedeutet natürlich eine Verschlechterung der Bilanz und riecht nach Dividendenfalle, kann aber im Einzelfall sinnvoll sein, wenn beispielsweise über den Verkauf eines Geschäftsbereichs viel Geld in die Kasse geströmt ist, für das es keine unmittelbare Verwendung gibt.

E.ON wäre in den Krisenjahren 2014 bis 2016 fast zugrunde gegangen. Seither werden wieder gute Gewinne erwirtschaftet. Je Aktie wurde für 2018 ein Ergebnis von 1,49 Euro ausgewiesen. Bei einer Dividende von 0,43 Euro ergibt sich eine Ausschüttungsquote von 28,9 %. Das heißt, dass 71,1 % zur Stärkung der Bilanz eingesetzt wurden. Bei der Telekom ergibt sich ein anderes Bild: Obwohl der Gewinn auf 0,46 Euro je Aktie zurückging, wurde die Dividende auf 0,70 Euro angehoben, was eine Quote von 152,2 % ergibt.

Zwar sind auf beiden Seiten Sondereffekte zu berücksichtigen, aber E.ON ist hier klar im Vorteil. Stand: 1:1

Kriterium Nr. 3: Der Cashflow

Je höher der Investitionsbedarf, desto eher entscheidet sich das Management dafür, Dividenden zu kürzen, um die Innenfinanzierung auszuweiten. „Cash Cows“ fällt es hingegen leicht, Ausschüttungen vorzunehmen.

E.ON hatte im ersten Quartal sowohl operativ als auch investiv und finanziell negative Werte ausgewiesen, die sich auf einen Liquiditätsabfluss in Höhe von 1,6 Mrd. Euro summierten. Das sieht zunächst schlecht aus, ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Wenn der Innogy (WKN: A2AADD)-Deal erst mal durch ist, wird E.ON nicht nur 1,5 Mrd. Euro von RWE (WKN: 703712) erhalten, sondern auch über ein stabiles Netzgeschäft mit hohen operativen Cashflows verfügen.

Trotzdem steht eine nicht ganz billige Transformation hin zu dezentraleren und intelligenteren Netzwerkstrukturen an. An dieser Front ist die Telekom schon weiter. Sie hat bereits einen großen Teil ihrer Netzwerke auf All-IP umgestellt, ein Prozess, der Ende 2020 abgeschlossen sein soll und dann jede Menge Geldmittel freisetzt. Diese werden allerdings auch anderswo gebraucht, um zum Beispiel 5G-Netze und die Edge-Computing-Infrastruktur international auszurollen.

Zwar beeindruckt die Telekom im ersten Quartal mit 6 Mrd. Euro operativem Cashflow, wovon 2,5 Mrd. Euro die Kasse füllten, aber jetzt müssen erst einmal die ersteigerten Frequenzen bezahlt werden, die allein in Deutschland 2,2 Mrd. Euro ausmachen.

Letztlich werden beide über starke modernisierte Netzwerke verfügen, deren jeweiliger Investitionsbedarf mittel- bis langfristig voraussichtlich locker aus den hohen Barmittelzuflüssen beglichen werden kann. Ein klarer Sieger ist für mich in diesem Punkt nicht erkennbar. Stand: 2:2

Kriterium Nr. 4: Die Gewinnaussichten

Eng mit dem Cashflow zusammen hängt der Gewinn, der allerdings weitgehend unabhängig von den Investitionen ist. Trotz positivem Cashflow sind so Verluste möglich und andersherum. Fällt das Gesamtergebnis unterm Strich negativ aus, dann sinkt das Eigenkapital, was Dividendenkürzungen nahelegen würde.

Ich denke, dass wir uns unter halbwegs normalen Umständen kaum Sorgen machen müssen, dass einer der beiden in die Verlustzone abrutscht. Dazu sitzen sie einfach zu sicher im Sattel. Aber wird der Gewinn groß genug sein, um stabile oder gar steigende Dividenden zu tragen?

Im letzten Jahr schüttete die Telekom auf Pump aus. Für das laufende und das kommende Jahr erwarten Analysten allerdings wieder Ergebnisse im Bereich von 1 Euro je Aktie, sodass der Wachstumspfad problemlos aufrechterhalten werden könnte. Dafür spricht, dass das Problemkind T-Systems gesundgeschrumpft wurde und einige gute Wachstumsinitiativen gerade dabei sind, ihr Potenzial zu entfalten.

E.ON muss zwar zukünftig auf die hohen Sondereffekte vom letzten Jahr verzichten, aber Analysten rechnen immerhin mit Gewinnen im Bereich von 70 Cent je Aktie, was ebenfalls steigende Dividenden stützen würde. Die zuletzt gemeldeten Rückgänge in Großbritannien würde ich nicht überbewerten.

Insgesamt würde ich auch hier auf ein Unentschieden gehen. Stand: 3:3

Kriterium Nr. 5: Die Unternehmensrisiken

Nachdem die harten Zahlen kein klares Ergebnis geliefert haben, sollten wir unseren Blick auf weiche Faktoren richten. Wenn ich entscheiden müsste, welcher der beiden Konzerne eher positiv überraschen könnte, dann würde ich die Telekom wählen. Rund um das Internet der Dinge ergeben sich riesige Potenziale. Die Telekom hat einige Trümpfe in der Hinterhand und könnte dort auf eine Goldader stoßen. Bei E.ON kann ich nichts Vergleichbares erkennen.

Bezüglich der Gefahren würde ich bei der Telekom den fortgeschrittenen Deal der US-Tochter sowie etwaige Probleme beim Aufbau der 5G-Netze am höchsten einschätzen. Auf der Seite von E.ON stehen gewisse regulatorische Risiken im Vordergrund sowie natürlich der noch immer in der Luft hängende Innogy-Deal, der noch Sand ins Getriebe streuen könnte.

Insgesamt finde ich, dass die Telekom im Moment ein günstigeres Risikoprofil aufweist. Deshalb gewinnt sie diesen Vergleich hauchdünn mit 4:3.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.