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Pfizer steht vor dem Umsatzeinbruch – trotzdem solltest du die Aktie mögen

Einige Investitionsentscheidungen scheinen echte Selbstläufer zu sein. Wenn man absehen kann, dass das Umsatzwachstum eines Unternehmens sinken wird, dann lässt man die Aktie lieber links liegen, oder? Schließlich will man nicht auf eine Niete setzen.

Aber manchmal ist es eben doch viel weniger eindeutig, als man denkt. So steht Pfizer (WKN: 852009) kurz vor einem Umsatzeinbruch. Das kann jeder sehen. Dennoch denke ich, dass Pfizer eine gute Wahl ist – möglicherweise sogar wegen seiner unmittelbar bevorstehenden Probleme.

Der garantierte Rückgang

Der Grund, warum Pfizer kurz vor einem Umsatzeinbruch steht, ist einfach: Das Blockbuster-Präparat Lyrica verliert seinen Patentschutz. Pfizer konnte das Unvermeidliche so lange wie möglich hinauszögern, aber das zugrunde liegende Kernpatent für das Medikament lief Ende Juni aus.

Wie groß werden die Auswirkungen sein? Ziemlich groß. Lyrica erzielte im ersten Quartal 2019 einen Umsatz von fast 1,2 Milliarden US-Dollar und im vergangenen Jahr mehr als 3,8 Milliarden US-Dollar. Diese Verkäufe werden sich nicht sofort verflüchtigen, aber Pfizer warnte schon im April, dass „eine Zeit mit deutlich reduzierten Einnahmen“ bevorstehen wird.

Man könnte meinen, dass vielleicht die anderen Produkte von Pfizer den Umsatzrückgang bei Lyrica ausgleichen könnten. Aber das stimmt nicht. Der Gesamtumsatz von Pfizer stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um nur 212 Millionen US-Dollar, trotz des starken Wachstums bei den Gerinnungshemmern Eliquis und dem Brustkrebsmedikament Ibrance. Und was ist mit der Übernahme von Array BioPharma (WKN: 580564)? Pfizer dürfte daraus in naher Zukunft keinen wesentlichen finanziellen Nutzen ziehen.

Es ist ziemlich garantiert, dass das Unternehmen dabei ist, von Umsatzwachstum auf Umsatzrückgänge umzuschalten. Analysten der Wall Street schätzen, dass der Umsatz von Pfizer im dritten Quartal um rund 290 Millionen US-Dollar gegenüber den Prognosen für das zweite Quartal sinken wird.

Über 2020 hinaus

Angesichts dieser schlechten Nachrichten ist es nicht verwunderlich, dass der Aktienkurs von Pfizer ein wenig nachgegeben hat, während die breiteren Marktindizes stiegen. Die Investoren wissen, dass das Unternehmen bald den Verlust von Lyricas Patentschutz spüren wird. Der Aktienkurs von Pfizer spiegelt diese Stimmung wider.

Wenn Investoren in die Zukunft blicken, schauen sie manchmal nicht weit genug. Ja, Pfizer wird zweifellos in der zweiten Jahreshälfte und bis 2020 eine schwierige Phase durchlaufen. Aber über 2020 hinaus verbessern sich die Aussichten für den Arzneimittelhersteller dann doch erheblich.

Pfizers CEO Albert Bourla erklärte in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal, dass das Upjohn-Segment, zu dem jene Medikamente von Pfizer gehören, die die Patentschutzrechte bereits verloren haben oder bald verlieren werden, nach 2020 ein stabiles Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich schaffen sollte.

Diese Projektion scheint meiner Meinung nach erreichbar zu sein. Das Potenzial von Upjohn in Schwellenländern, insbesondere in China, sollte dazu beitragen, dass das Segment zu einem bescheidenen Umsatzwachstumstreiber für Pfizer und einem noch größeren Beitrag zur Profitabilität des Unternehmens wird.

Das Biopharmaziesegment von Pfizer sollte in den nächsten zehn Jahren ein deutlich stärkeres Wachstum ermöglichen. Ich denke, dass Ibrance bei der Behandlung von Brustkrebs weiterhin stark sein sollte. Ich sehe keine signifikanten Probleme für Eliquis. Und obwohl Merck einen Konkurrenten zum Pneumokokken-Impfstoff Prevnar 13 auf den Markt bringen will, ist das Patentportfolio von Pfizer weiter stark. Das Portfolio sollte dafür sorgen, Marktanteile zu halten, bis das Unternehmen einen eigenen Nachfolger für den Blockbuster-Impfstoff auf den Markt bringt.

Im Mai genehmigte die FDA Vyndaquel und Vyndamax zur Behandlung der seltenen genetischen Krankheit Transthyretin-Amyloid-Kardiomyopathie. Die beiden Medikamente sollten zusammengenommen einen Jahresumsatz von 2 Milliarden US-Dollar erzielen. Pfizer erhielt kürzlich auch eine weitere FDA-Zulassung für eine Kombination aus Bavencio und Inlyta zur Behandlung von fortgeschrittenem Nierenzellkrebs.

Pfizers Pipeline umfasst auch mehr als ein Dutzend anderer Programme mit Blockbuster-Potenzial. Die Übernahme von Array sollte zwei weitere große Gewinner hervorbringen, wobei die Biotech-Unternehmen Braftovi und Mektovi bei der Behandlung von Melanomen stark zulegen und in Kombination mit Erbitux bei der Behandlung von Darmkrebs vielversprechend sind.

Warum nicht abwarten?

Es gibt eben auch viele gute Nachrichten für Pfizer. Warum also nicht einfach bis irgendwann im nächsten Jahr warten, um sich für den Kauf dieser Aktie zu entscheiden?

Erstens sollte man im Kopf haben, dass Anleger vielleicht nicht immer weit genug in die Zukunft schauen, aber dann eben doch immerhin in die Zukunft blicken. Du kannst dir sicher sein, dass sich die sich verbessernden Aussichten von Pfizer für die Zeit nach 2020 irgendwann im Aktienpreis widerspiegeln werden. Aber man weiß halt nie, wie früh die Investoren erkennen, dass Pfizers Lyrica-bedingter Umsatzeinbruch die langfristigen Aussichten insgesamt nicht beeinträchtigt.

Zweitens: Pfizer bezahlt dich fürs Warten. Die Dividendenrendite des Unternehmens liegt derzeit bei 3,3 %.

Klar, es wird eine nicht ganz so schöne Zeit bevorstehen. Einige konzentrieren sich jedoch zu sehr auf die vorübergehenden kurzfristigen Probleme von Pfizer anstelle der soliden langfristigen Wachstumsaussichten des Unternehmens. Und das gibt all jenen Anlegern, die bereit sind, mit ein bisschen Risiko zu leben, eine großartige Gelegenheit, diese starke Pharmaaktie zu kaufen.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien. Keith Speights besitzt Aktien von Pfizer.

Dieser Artikel erschien am 30.6.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.