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Der größte Fehler, den die Investoren von China-Aktien gerade machen könnten

Foto: Getty Images

Das letzte Jahr war hart für die Investoren von chinesischen Aktien.

Die US-Zölle gegen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und der anhaltende Handelskrieg mit China sowie die Sorge um eine Verlangsamung des Wachstums der chinesischen Wirtschaft haben die chinesischen Aktien belastet. Der Shanghai Composite fiel im vergangenen Jahr um 25 % aufgrund dieser Befürchtungen. Obwohl der Index einige dieser Verluste in diesem Jahr durch die Hoffnung auf eine Lösung wieder ausgeglichen hat, steht er immer noch um mehr als 10 % niedriger als Anfang 2018.

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Trotz berechtigter Bedenken über die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China und einen potenziell schlimmen Handelskrieg ist der größte Fehler, den die langfristigen Investoren von China-Aktien an diesem Punkt machen können, ihre Aktien von chinesischen Unternehmen zu verkaufen. Hier ist der Grund, warum.

China verzeichnet nach wie vor ein enormes Wachstum

Präsident Trump führte im vergangenen September 10-prozentige Zölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Mrd. US-Dollar ein und erhöhte diesen Satz im Mai auf 25 %, zusätzlich zur Drohung, die Einfuhrzölle auf zusätzliche (geschätzte) 300 Mrd. US-Dollar an chinesischen Importen zu erheben.

Nichtsdestotrotz ist Chinas Wirtschaft angesichts der neuen Zollsätze und der zusätzlichen Bedrohungen weiter expandiert, obwohl einige amerikanische Unternehmen die Produktion aus China an Orte wie Vietnam, Indien und Mexiko verlagert haben – obwohl diese Verlagerung zumindest teilweise durch die steigenden Arbeitskosten in China verursacht zu sein scheint.

Chinas BIP wuchs im ersten Quartal um 6,4 %. Damit wurden die Schätzungen von 6,3 % übertroffen. Dies war schneller als fast jede andere große Volkswirtschaft der Welt. Unterdessen verzeichnen die größten chinesischen Unternehmen weiterhin ein starkes Wachstum.

Alibaba (WKN:A117ME), Chinas größtes E-Commerce-Unternehmen, sagte, dass der Umsatz im letzten Quartal um 51 % auf 13,9 Mrd. US-Dollar gestiegen sei. Das Brutto-Warenvolumen (GMV) in den chinesischen Marktplätzen, ein guter Indikator für die gesamten Einzelhandelsausgaben in China, stieg im Rechungsjahr, das am 31. März endete, um 25 % auf 853 Mrd. US-Dollar.

Tencent (WKN:A1138D), der chinesische Technologieriese, dem die beliebte Social Media App WeChat gehört und der alles von digitalen Zahlungen bis hin zu Online-Spielen anbietet, sagte, dass der Umsatz im ersten Quartal um 16 % auf 12,7 Mrd. US-Dollar gestiegen sei.

Baidu (WKN:A0F5DE), Chinas Suchmaschinenriese, verzeichnete im letzten Quartal einen Umsatzanstieg um 21 % auf 3,6 Mrd. US-Dollar. JD.com (WKN:A112ST), Chinas größter direkter Online-Händler, sagte, der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 21 % auf 18 Mrd. US-Dollar.

Keines dieser Unternehmen sieht so aus, als ob es irgendwelche signifikanten Auswirkungen des Handelskrieges hätte.

Die Nachrichten ändern sich schnell

Zu erraten, was im Handelskrieg zwischen den USA und China passieren wird, ist zu einer schwierigen Sache geworden. Die Märkte haben sich bei jeder neuen Ankündigung hin und her bewegt, sei es von Präsident Trump, einem seiner Stellvertreter oder China. Oft wird bei einer Nachricht bereits in der nächsten Woche das Gegenteil behauptet.

So sagte beispielsweise der Finanzminister Steven Mnuchin Anfang Mai, dass sich die beiden Seiten in der „letzten Runde“ vor einer Einigung befänden. Doch in der folgenden Woche war ein möglicher Kompromiss gescheitert, als Trump auf Twitter sagte, dass er neue Zölle gegen China verhängen wolle.

Dabei haben die Wahlen 2020 das Potenzial, Präsident Trump zu ersetzen und damit wahrscheinlich eine Änderung der China-Politik zu bewirken.

Selbst wenn der Handelskrieg eskaliert, könnte ein zunehmender Nationalismus in China eine Gegenreaktion gegen amerikanische Marken anregen und chinesische Wettbewerber aufsteigen lassen, da die Chinesen beginnen könnten, ihre eigenen Unternehmen zu bevorzugen. Wir haben bereits Hinweise darauf  mit dem jetzt verschobenen Verbot der Trump-Administration für amerikanische Unternehmen, mit Huawei zusammenzuarbeiten, gesehen. Dies könnte dazu führen, dass China Apple-Produkte zugunsten von Huawei-Geräten aufgibt. Ebenso ist es leicht vorstellbar, dass sich die Verbraucher statt Starbucks für Luckin Coffee entscheiden und NIO-Elektroautos anstelle von Tesla-Elektrofahrzeugen kaufen werden.

Die chinesische Wirtschaft verändert sich

Während Chinas Handelsbeziehungen zu den USA in den letzten 20 Jahren vielleicht dazu beigetragen haben, einen Großteil des Wachstums anzuheizen, wird China heute immer weniger von den USA abhängig. Die USA sind immer noch Chinas größter Handelspartner und kaufen etwa 19 % der Exporte, doch die chinesische Regierung hat ihre Aufmerksamkeit in den letzten Jahren auf den Aufbau einer Konsumwirtschaft gerichtet.

Der Prozentsatz des BIP, der aus dem Handelsüberschuss stammt, ist von 8 % im Jahr 2008 auf 1,3 % bis 2018 gesunken. Inzwischen ist China zum weltweit größten Markt für Dinge wie Autos, Luxusgüter und E-Commerce geworden und wird die USA bereits in diesem Jahr bei den gesamten Einzelhandelsumsätzen übertreffen.

Auch die chinesischen Unternehmensführer haben diese Verschiebung zur Kenntnis genommen. Alibabas Executive Vice Chairman Joseph Tsai versuchte, die Risiken durch den Handelskrieg in Alibabas jüngster Telefonkonferenz herunterzuspielen und sagte, dass China bereits zu einer Konsumwirtschaft übergegangen sei. Er merkte an, dass China in den letzten fünf Jahren 14 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Bereich verloren, doch 70 Millionen Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich gewonnen habe. Das allgemeine Arbeitsplatzwachstum habe sich fortgesetzt, sagte er, und er sagte voraus, dass sich die chinesische Mittelschicht in den nächsten 10 Jahren verdoppeln werde. Selbst in einem heftigen Handelskrieg sollte Chinas Übergang zu einer mittelständischen Wirtschaft und einer Expansion der Mittelschicht weitergehen.

Die Situation ist heute noch unbeständig, da Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping die Verhandlungen auf dem G20-Gipfel fortsetzen wollen. Doch obwohl die langfristigen Investoren nicht auf einen sofortigen oder dauerhaften Kompromiss hoffen sollten, sollten sie ihre chinesischen Aktien behalten, da Chinas Wirtschaftswachstum nach wie vor hervorragend ist und chinesische Unternehmen weiterhin überdimensionales Wachstum erzielen könnten.

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Dieser Artikel wurde von Jeremy Bowman auf Englisch verfasst und am 30.06.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Apple, Baidu, JD.com, Starbucks, Tencent Holdings und Tesla. The Motley Fool hat die folgenden Optionen: Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple und Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple.

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