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Dividendenprimus Freenet – warum hassen alle diese Aktie? 3 mögliche Gründe

Freenet (WKN:A0Z2ZZ) beglückt seine Aktionäre seit Jahren mit herrlichen Dividenden. Während Banksparer mit Nullzinsen konfrontiert werden, streicht der Freenet-Aktionär Ausschüttungen in Höhe von 9 % ein. Dieser hohe Ertrag ist natürlich nur möglich, weil der Aktienkurs sich so schwach entwickelt hat — als ob selbst 9 % Dividende noch nicht genug wären. Da stellt sich die Frage: Warum eigentlich ist diese Aktie so furchtbar unbeliebt? Eine Spurensuche.

Liebling der Leerverkäufer

Um genau zu sein, ist sie nicht bei allen unbeliebt: Leerverkäufer sind begeistert von Freenet. Marshall Wace, Tower House, Old Mutual und wie sie alle heißen haben große Negativbestände aufgebaut. Allein die fünf, welche die Meldeschwelle von 0,5 % überschreiten, haben zusammen bereits über 4 % aller Freenet-Aktien leerverkauft. Offenbar sehen diese Investoren etwas in Freenet, das sie sinkende Kurse erwarten lässt.

Normale Anleger wiederum machen in der Regel einen großen Bogen um die Aktie. Unternehmen, die gute Kursgewinne vorzuweisen haben, sind für die meisten wesentlich attraktiver als dicke Dividenden. Erst, wenn die Geldanlage rund 10 % verspricht, erbarmen sich manche und nehmen ein paar in ihr Depot auf.

Drei Gründe, die Freenet unbeliebt machen

Grund 1: Verschuldung
Zum 31. März wies Freenet Nettofinanzschulden in Höhe von 2,05 Mrd. Euro aus. Das ist auf den ersten Blick eine Menge für ein Unternehmen dieser Größe. Auch das Management selbst gibt zu, dass ein Verschuldungsfaktor bezogen auf den operativen Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 4,2 oberhalb der Zielgröße von 3,5 liegt. Das sind Kennzahlen, die gerade für Leerverkäufer verlockend sind und auch den ein oder anderen Anleger verunsichern können.

Allerdings hatte der neue Finanzchef keine Probleme dabei, zum Jahresanfang einen niedrig verzinsten Schuldschein im Umfang von 100 Mio. Euro zu platzieren sowie den Konsortialkredit um 200 Mio. Euro aufzustocken und zu verlängern. Außerdem ist fast die Hälfte der Schulden mit den Beteiligungen an CECONOMY (WKN:725750) und Sunrise Communications (WKN:A14M5T) unterlegt. Sie wurden zum 31. März mit 0,9 Mrd. Euro bewertet.

Grund 2: Problematische Beteiligungen
Aber gerade diese beiden Aktienpakete machen sowohl dem Management als auch den Aktionären Sorgen. Die CECONOMY-Aktie hat sich zwar mittlerweile stabilisiert (5,20 Euro am 26.6.), aber zu den 8,50 Euro je Aktie, die Freenet vor einem Jahr hingelegt hat, ist noch einiges aufzuholen. Dem MediaMarkt-Konzern mag es nicht gelingen, die durch die Aufspaltung gewonnene Freiheit in positive Dynamik umzuwandeln. Die Effekte der Effizienzprogramme ziehen sich nicht nur in die Länge, sondern belasten auch kurzfristig das Ergebnis.

Freenet-CEO Christoph Vilanek soll nun in den Aufsichtsrat einziehen, wogegen allerdings ein streitbarer Großaktionär Widerstand leistet. Für die angestrebte Vertiefung der strategischen Zusammenarbeit droht hier ein Rückschlag.

Sunrise wiederum steht vor dem Abschluss eines Megadeals. Die Zusammenlegung von Kabel- und Mobilfunknetzbetreibern ist derzeit groß in Mode und auch die Schweizer wollen auf diesen Zug aufspringen. Der Sunrise-Aktie hat das Großvorhaben jedoch zunächst nicht gut getan und es droht weiteres Ungemach: Statt bequem die jährliche Dividende einzustreichen und geduldig auf Anfragen von Übernahmeinteressenten zu warten, muss Freenet nun bangen, dass alles gut geht und die drohende Verwässerung des Anteils im Zuge der geplanten Eigenkapitalerhöhung nicht zu weiteren Wertverlusten führt.

Grund 3: Begrenzte Wachstumspotenziale und 5G
Dass Freenet nicht sonderlich beliebt ist, kann auch daran liegen, dass das Unternehmen einfach recht langweilig ist. Das Management kümmert sich vor allem darum, das Kerngeschäft mit den Mobilfunkverträgen in Deutschland stabil zu halten. Das bringt schöne monatliche Barmittelzuflüsse — nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Die Vorstöße in Richtung Fernsehen und Heimvernetzung tragen bisher kaum 10 % zum Umsatz bei.

Daneben kommt nun die Frage auf, wie gut sich Freenet beim Thema 5G behaupten kann. Unter den großen fünf ist Freenet der letzte verbliebene Spieler ohne eigenes Netz. Das könnte ein Vorteil sein, wenn die Vertriebspower der flächendeckenden mobilcom-debitel-Standorte nachgefragt wird, um die neuen Angebote möglichst schnell populär zu machen. Aber es könnte eben auch ein Nachteil sein und zu Marktanteilsverlusten führen.

Foolishes Fazit

Freenet ist keine Aktie, die sich vervielfachen wird. Die großzügige Dividendenpolitik und die begrenzten Ambitionen zur Expansion sprechen klar dagegen, dass der Konzern zukünftig beschleunigt wachsen würde. Die Chancen wirken daher weitgehend auf die Vereinnahmung der Dividende begrenzt, wobei die 9 % aber bereits eine marktschlagende Rendite bedeuten würden.

Erkaufen wir diese Aussichten mit hohen Risiken? Sollten die zuletzt noch sprudelnden Gewinne zurückgehen und die Beteiligungen weiter an Wert verlieren, dann wird Freenet gezwungen sein, die Dividende deutlich zu kürzen, um die Kreditwürdigkeit nicht zu gefährden, verbunden mit weiteren Kursverlusten. Sehr wahrscheinlich ist dieses Negativszenario aus meiner Sicht jedoch nicht. Das stabile Kerngeschäft sollte auch in Zukunft genug Gewinne abwerfen, um die Dividende zumindest stabil halten zu können.

Ich finde, dass Anleger sich nicht darum scheren sollten, dass die Freenet-Aktie unbeliebt ist. Wer nichts weiter als eine solide, risikoarme Rendite sucht, ist hier weiterhin gut aufgehoben. Wenn dann auch noch irgendwann die Leerverkäufer merken, dass es von hier aus kaum noch weiter nach unten gehen kann, ist sogar eine positive Überraschung möglich.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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