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Kann man endlich ruhigen Gewissens Aktien von Turtle Beach kaufen?

Turtle Beach (WKN: A2JHVL) war eine der volatilsten Aktien des Jahres 2018. Die Aktien des Herstellers von Gaming-Headsets begannen das Jahr bei unter 2 US-Dollar, stiegen bis August auf über 30 US-Dollar und verloren bis Anfang 2019 die Hälfte ihres Wertes. So ging es weiter: Die Aktie verlor in der ersten Jahreshälfte fast 30 % ihres Wertes.

Der rasante Aufstieg und Fall von Turtle Beach wurde dem heftigen Wachstum von „Battle Royale“-Spielen wie PUBG und Fortnite zugeschrieben, bei denen die Spieler über Headsets kommunizieren konnten. Turtle Beach brachte das erste drahtlose Gaming-Headset auf den Markt, das mit der XBox One kompatibel ist, und zwar genau in dem Moment, als der Kampf um den Royale-Boom begann. So konnte Turtle Beach dreistellige Umsatzzuwächse während der gesamten Saison 2018 erzielen.

Aber Booms haben natürlich die Tendenz, irgendwann einmal rapide zu enden. Turtle Beach sah sich bald einer harten Konkurrenz durch Hersteller von First-Party- und Drittanbieter-Headsets ausgesetzt, außerdem der Sättigung des Marktes. Das Umsatzwachstum von Turtle Beach verlangsamte sich stark, die Erträge sanken und die Investoren suchten das Weite.

Dieser Abverkauf setzte jedoch das erwartete PE-Verhältnis auf den Faktor 8 zurück. CEO Jürgen Stark, CFO John Hanson und die Führungskräfte Andrew Wolfe und Ronald Doornink kauften kürzlich ebenfalls fast 400.000 US-Dollar in Aktien. Diese Käufe sind im Verhältnis zum Marktwert von Turtle Beach von etwa 150 Millionen US-Dollar natürlich veschwindend gering, aber sie deuten darauf hin, dass hier wohl das Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Kann man jetzt also wieder Aktien von Turtle Beach kaufen?

Was war bei Turtle Beach los?

Turtle Beach verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2018 ein dreistelliges Umsatzwachstum. Diese Entwicklung endete im vierten Quartal, als der Umsatz nur noch um 40 % stieg, und verlangsamte sich im ersten Quartal mit nur 10 % Wachstum noch einmal.

Es wird erwartet, dass der Umsatz im zweiten Quartal um 29 bis 34 % und im Gesamtjahr um 14 bis 16 % sinken wird. Diese Schätzungen sind enttäuschend, zumal sie die Einnahmen aus der anstehenden Übernahme des PC-Zubehörherstellers ROCCAT beinhalten. Ohne die Akquisition von ROCCAT (ein wohl verzweifelter Versuch, sich von Gaming-Headsets und dem Battle-Royale-Markt wegzuentwickeln) würde der Umsatz im Gesamtjahr um etwa 23 % sinken.

Die Bruttomarge von Turtle Beach sank im ersten Quartal ebenfalls um 380 Basispunkte pro Jahr auf 33 %, was auf höhere Werbe- und Marketingkosten, Modernisierungskosten und höhere Verkäufe von Geräten mit niedrigerer Marge zurückzuführen ist. Der bereinigte Konzerngewinn verbesserte sich um 10 % auf 2,2 Millionen US-Dollar, während der Gewinn je Aktie aufgrund einer höheren Anzahl ausstehender Aktien um 19 % zurückging.

Turtle Beach erwartet für das zweite Quartal einen Verlust – und für das Gesamtjahr einen Rückgang der Einnahmen pro Aktie von 25 bis 32 %. Dieser triste Ausblick beinhaltet keine Gewinne aus ROCCAT, das erst ab dem Jahr 2020 sein Ergebniswachstum steigern dürfte.

Die größten Probleme

Zu den größten Herausforderungen von Turtle Beach gehören der Wettbewerb, lange Upgrade-Zyklen für Headsets (die bis zu zwei Jahre dauern), schleppende Verkäufe von Videospielen und nachlassendes Interesse an Kriegsspielen.

Sony (WKN: 853687), Microsoft (WKN: 870747), Logitech (WKN: A0J3YT), Razer und andere Unternehmen verkaufen allesamt Gaming-Headsets, die mit denen von Turtle Beach vergleichbar sind. Turtle Beach kontrolliert immer noch etwa 40 % des Konsolen-Headset-Marktes, aber das könnte auf den First-Mover-Vorteil zurückzuführen sein, den man 2017 an sich reißen konnte.

Daher könnten die Anteile von Turtle Beach am Markt sinken, wenn die Nutzer ihre alten Headsets endlich aufrüsten. Einige Gamer könnten damit sogar warten, bis Microsoft und Sony 2020 ihre neuen Konsolen auf den Markt bringen.

Das Interesse an Fortnite erreichte laut Google Trends im vergangenen März seinen Höhepunkt und die Zuschauerzahlen auf Twitch sinken mittlerweile. Electronic Arts’ (WKN: 878372) Apex Legends galt Anfang des Jahres als potenzieller Nachfolger von Fortnite, aber das Interesse an dem Spiel schien nach wenigen Monaten seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Das ist beunruhigend, denn Jürgen Stark erwähnte Apex mehrmals während der Telefonkonferenz im ersten Quartal als möglichen Wachstumstreiber.

Der Plan von Turtle Beach für ROCCAT ist ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar, da mit dieser Linie das Portfolio um PC-Tastaturen und Mäuse erweitert wird. Stark sagte, dass der Verkauf von ROCCAT-Tastaturen in Deutschland stabil war, aber es ist unklar, wie sich die Marke gegenüber Logitech und anderen großen Anbietern in anderen Märkten entwickeln wird.

Die Aktie von Turtle Beach ist aus gutem Grund billig

Turtle Beachs jüngst erfolgte Insider-Käufe führten zu einer Rallye der Aktie, aber Ende Mai wurde etwa die Hälfte der Aktien leerverkauft. Daher denke ich, dass Anleger nicht dem Management folgen und jetzt zuschlagen sollten. Die Aktie ist aus gutem Grund billig und die Probleme werden sich nicht so schnell in Luft auflösen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Micorosoft und empfiehlt Aktien von Electronic Arts. Leo Sun besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 15.6.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.