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NEL-Aktie fundamental: Jetzt wieder einsteigen oder nachkaufen?

Es vergeht kein Tag ohne eine Erfolgsmeldung rund um Wasserstoff, Elektrolyse und die Brennstoffzelle. Der Höhenflug der Aktie von NEL (WKN: A0B733) wurde jedoch von einer Schreckensnachricht abrupt gestoppt.

Wer bisher den Einstieg verpasst hat, bekommt nun eine zweite Chance, und wer zu teuer eingestiegen ist, könnte verbilligen. Aber sollte man das? Nicht alles spricht dafür.

„Günstig“ ist relativ

Innerhalb von zwei Jahren bis zum Frühjahr 2019 hat sich die NEL-Aktie wunderbar aus der Region von 20 Eurocent auf 60 Eurocent vorgearbeitet. Schon auf diesem Niveau reduzierte sich meine frühere Begeisterung, was die weiteren Renditechancen angehen würde. Wer konnte auch ahnen, dass die früher an deutschen Börsen sehr illiquide NEL plötzlich zu einer der meistgehandelten Aktien werden würde? Diese Euphorie in Verbindung mit einer guten Nachrichtenlage trieb den Kurs kurzfristig auf über 1 Euro.

Bereits in den Vortagen sorgten allerdings Gewinnmitnahmen von Großaktionären für Verunsicherung. Nun gab es einen Unfall mit einer der Wasserstofftankstellen und die Anleger ziehen in Scharen verschreckt ihr Geld ab. Die Marke von 60 Eurocent drohte am 11.06. nach unten durchbrochen zu werden. Dass gleichzeitig eine Kapitalerhöhung verkündet wurde, war auch nicht gerade hilfreich in dieser Stimmung, auch wenn die Verwässerung durch die wohlverdienten Mitarbeiteranteile in diesem Fall nur 0,2 % ausmacht.

Auf alle Fälle gibt es die Aktien jetzt wieder 40 % billiger gegenüber dem Höchstkurs – aber immer noch 200 % teurer als vor etwa zwei Jahren.

Was jetzt für die Aktie spricht

2017 sah NEL aus meiner Sicht zwar bereits sehr aussichtsreich aus, aber besonders viel konkret vorzuweisen hatten die Norweger noch nicht. Vieles war noch Klein-Klein und die Wachstumspläne überzeugten längst nicht jeden. Überhaupt befand sich das gesamte Wasserstoffthema noch in den Kinderschuhen.

Seither hat sich eine Menge getan. NEL hat jede Menge Aufträge aus fast allen Kontinenten hereingeholt und behauptet sowohl bei der Elektrolyse als auch bei den Tankstellen eine sehr starke Marktposition. Eine schnell wachsende Zahl von Anlegern, Politikern und Experten sind zwischenzeitlich zur Überzeugung gekommen, dass Wasserstoff auf die eine oder andere Weise eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen wird. Mächtige Industriekonsortien haben sich gebildet, um die Entwicklung zu beschleunigen.

Wasserstoffbetriebene Trucks, Busse und Züge sind bereits Realität und stehen vor einem weltweiten Siegeszug. Für mich steht außer Frage: Betankungsanlagen und skalierbare hocheffiziente Elektrolysesysteme werden auf Jahre hinaus boomende Märkte darstellen. Gerade NEL mit ihrer überaus starken skandinavischen Basis könnte davon besonders profitieren.

Warum man vielleicht trotzdem noch auf günstigere Kurse warten sollte

Beim Kurs von 5,8 Norwegischen Kronen wird NEL umgerechnet noch immer mit stolzen 723 Mio. Euro bewertet. Man könnte natürlich sagen, dass das für einen führenden Technologielieferanten in einem kommenden Megamarkt nicht besonders viel sei. Andererseits spielen in der Wasserstoffwirtschaft Hunderte Akteure mit, sodass dass es sicher nicht den einen großen Champion geben wird. Was speziell den Bereich der Elektrolyse angeht, ist mit einem intensiven Preiskampf zu rechnen, der die Margen drückt.

Im letzten Quartal hat NEL gerade einmal 12 Mio. Euro umgesetzt. Bis sich die bestehenden Kooperationen und Großaufträge sichtbar materialisieren, können noch gut zwei bis drei Jahre vergehen. Bis dahin könnte trotz des aktuell komfortablen Kassenbestands (dank der Privatplatzierung aus dem ersten Quartal) eine weitere große Kapitalerhöhung fällig sein, wenn man bedenkt, dass weiterhin Verluste geschrieben werden und für den Kapazitätsaufbau umfangreiche Mittel gebraucht werden.

Das mittelfristige Ziel des Managements lautet, NEL zu einem schnell wachsenden Milliardenunternehmen zu entwickeln – in Kronen wohlgemerkt (1 NOK = 0,10 EUR). Für die aktuelle Bewertung wird jedoch eher 1 Mrd. Euro Umsatz auf Sicht von fünf Jahren benötigt. Selbst wenn es also rundlaufen würde, empfinde ich einen Kurs von über 60 Eurocent als nicht gerade billig.

Nun ist aber diese blöde Kjørbo-Tankstelle in Flammen aufgegangen und es steht zu befürchten, dass NEL ein Qualitätsproblem hat, das potenziell einen Rattenschwanz an Kosten und zudem Auftragsstornierungen nach sich ziehen könnte.

Keine Eile

Natürlich ist auch eine ganz andere Ursache denkbar. Vielleicht entpuppt sich das Ganze als Verkettung von Umständen, die man als Einzelfall abtun kann. Möglicherweise hat jemand mutwillig oder unsachgemäß die Anlage manipuliert – wer weiß? Aber schon die aktuelle Aufklärungsarbeit kostet Ressourcen, die NEL besser an anderer Stelle einsetzen könnte.

Mindestens genauso wichtig wie ein Ausräumen der schlimmsten Befürchtungen im Tankstellensegment wäre die Behauptung der Marktposition im Elektrolysesegment. Das Management geht davon aus, dass die weltweiten Kapazitäten in den dort adressierten Märkten zukünftig jährlich um etwa 500 Gigawatt ausgebaut werden, was einem Umsatz von rund 20 Mrd. US-Dollar entsprechen würde. Kann NEL sich mehr als 10 % davon sichern, dann sieht es richtig gut aus für die Norweger und die Aktionäre.

Das ist sicherlich möglich, aber die Konkurrenz ist hier wie gesagt deutlich härter als bei den Tankstellen. Ich werde mir auf alle Fälle zunächst etwas Zeit nehmen, um die weitere Entwicklung zu beobachten – und dann gegebenenfalls zu einem günstigeren Zeitpunkt wieder einzusteigen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.