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Bitcoin ist wieder da, doch sollte es einen wirklich interessieren?

Seit Jahresbeginn ist der breit angelegte S&P 500 praktisch unaufhaltsam. Bis zum 9. Mai stieg der Index um 14,5 % und stellte damit einen der stärksten Jahresauftakte seit einiger Zeit dar.

Bestimmten Branchen, z. B. die Marihuana-Aktien, waren noch stärker. Die Investoren wurden vom Potenzial für ein weltweites Wachstum der Cannabis-Umsätze von 12,2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2018 auf geschätzte 50 Mrd. US-Dollar bis 75 Mrd. US-Dollar bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts angezogen. Der Horizons Marijuana Life Sciences-ETF, der erste an der Börse handelbare Cannabis-ETF, verzeichnete seit Jahresbeginn ein Plus von 38,4 %, was fast dem Dreifachen der Rendite des S&P 500 entspricht.

Doch es gibt ein Anlagegut, das sowohl den breiteren Markt als auch die Marihuana-Aktien schlägt, im Hinblick auf die gesamte Rendite seit Jahresbeginn. Dieses Anlagegut ist die größte Kryptowährung der Welt, Bitcoin, die seit Jahresbeginn um 59 % gestiegen ist und sich im Wesentlichen verdoppelt hat, nachdem sie am 14. Dezember 2018 ein Tief von 3.169 US-Dollar erreicht hatte. Das ist richtig, Leute, der Bitcoin-Wahn ist zurück!

Bitcoin steigt, doch es ist nicht ganz klar, warum…

Für diejenigen, die Bitcoin vielleicht nicht so genau beobachten, war die Anziehungskraft schon immer doppeldeutig. Erstens stellt die Kryptowährung ein neues Mittel zur Übermittlung und Abrechnung von Geldern zwischen zwei Parteien außerhalb des traditionellen Bankensystems dar. Als erste Kryptowährung hat sich Bitcoin zum Medium entwickelt, mit dem die meisten digitalen Transaktionen durchgeführt werden. Da die Transaktionen im unveränderlichen Hauptbuch von Bitcoin abgeschlossen werden, können die Zahlungen in wenigen Minuten erfolgen, verglichen mit den mehrtägigen Wartezeiten, die bei herkömmlichen Banken bei Auslandszahlungen häufig vorkommen.

Die Blockchain von Bitcoin (d. h. das oben genannte unveränderliche Hauptbuch) wird auch als das Rückgrat einer breiteren Bewegung zur Verbesserung des Finanzsystems und des Supply Chain Managements angesehen. Obwohl Bitcoin fast ausschließlich als Währung und nicht wegen der Blockchain verwendet wird, war die zugrunde liegende Technologie die Grundlage für die Innovationen in unzähligen anderen Blockchain-Projekten.

Doch sind die Wachstumstreiber hinter der Rallye von Bitcoin seit Mitte Dezember nicht ganz so klar.

Zum Teil könnte die Rallye auf die Knappheit von Bitcoin zurückzuführen sein. Bitcoin ist auf nur 21 Millionen Tokens begrenzt und nähert sich einem Umlaufangebot von 17,7 Millionen Tokens. Da es in Zukunft immer schwieriger sein wird, neue Bitcoins zu minen – beim Krypto-Mining müssen High-Tech-Computer verwendet werden, um die Gültigkeit von Transaktionen, die auf der Blockchain durchgeführt werden, zu beweisen – kann das begrenzte Angebot den Kurs nach oben drücken.

Ein weiterer Wachstumstreiber hinter der Rallye könnte die Erwartung sein, dass die U.S. SEC Commission (SEC) ihre Haltung zu Kryptowährungen wie Bitcoin lockern könnte. Obwohl die SEC zuvor börsengehandelte Bitcoin-Fonds abgelehnt hat, prüft sie immer noch einige im Hinblick auf eine mögliche Notierung. Darüber hinaus kündigte die SEC Anfang April an, dass sie plant, einen Krypto-Spezialisten einzustellen, was für eine zukünftige Listung der Bitcoin-ETFs oder mindestens für einige ernsthafte Diskussion zu diesem Thema spricht.

Die meisten Kryptowährungs-Probleme sind noch nicht behoben

Sollte man sich jedoch wirklich dafür interessieren, dass das erfolgreichste Anlagegut unserer Generation wieder große Gewinne erzielt? Ehrlich gesagt, wahrscheinlich nicht.

Abgesehen von der Komplexität des Kaufs von Bitcoin an den Kryptowährungs-Börsen, da traditionelle Handelsplattformen den Kauf von Bitcoin üblicherweise nicht direkt unterstützen, gibt es eine Reihe von Schwachstellen, die den Krypto-Markt im Jahr 2018 gedrosselt haben, die noch nicht behoben wurden.

An erster Stelle der Problemliste steht die Sicherheit. Obwohl die Blockchain-Netzwerke transparent und unveränderlich sind, hatten Hacker anscheinend wenig Probleme damit, die Investoren von Zeit zu Zeit zu täuschen und mit den hart erarbeiteten Tokens das Weite zu suchen. Erst in der vergangenen Woche enthüllte Binance, eine der beliebtesten Krypto-Börsen, dass Hacker etwa 7.000 Bitcoins im Wert von etwa 40 Mio. US-Dollar gestohlen haben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein dieser gestohlenen Tokens identifiziert wird oder den Weg zurück zu ihren rechtmäßigen Besitzern findet. Die SEC hat in der Vergangenheit ausdrücklich davor gewarnt. Da so viele Krypto-Transaktionen außerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten stattfinden, ist ihre Fähigkeit, Tokens zu verfolgen und zurückzugewinnen, sowie Hacker zu verfolgen, begrenzt.

Ein weiteres ziemlich großes Problem ist, dass Bitcoin einen begrenzten Nutzen hat. Sicher, es ist das Medium, mit dem die meisten Kryptowährungen gekauft werden (d. h. die Investoren müssen erst Bitcoin kaufen, um diese Währung an vielen Börsen gegen seltenere Krypto-Tokens zu tauschen). Doch die überwiegende Mehrheit der Einzelhändler und Unternehmen wird Bitcoin nicht als gültige Zahlungsmethode akzeptieren. Es ist einfach zu volatil für die meisten Unternehmen, um dieses Risiko einzugehen. Das schränkt den praktischen Nutzen von Bitcoin ein.

Selbst die Blockchain, die seit Anfang 2017 wohl das Herzstück der Krypto-Rallye ist, hat eine eigene Zwickmühle. Die Unternehmen sind nämlich nicht bereit, sich auf die Blockchain zu verlassen, ohne dass sie ihre Effektivität im realen Testen unter Beweis stellt. Die Blockchain kann jedoch keinen realen Szenarien ausgesetzt werden, wenn die Unternehmenswelt der Technologie keine Chance gibt.

Bitcoin ist häufig eine Quelle der Frustration für die Investoren

Obwohl die jüngste Rallye von Bitcoin die Investoren dazu veranlassen könnte, darüber nachzudenken, es mit der Kryptowährung doch noch zu versuchen, wäre mein Rat einfach: Macht es nicht! Abgesehen vom direkten Kauf von Bitcoin an den Kryptowährungs-Börsen, was mit Sicherheitsrisiken verbunden ist, verursachen die Aktien, die den Investoren Bitcoin anbieten, viele Kopfschmerzen und Frustrationen für die Investoren.

Der Grayscale Bitcoin Trust (WKN:A14S73) ist eine Möglichkeit, um an Bitcoin zu kommen. Der Grayscale Bitcoin Trust besaß zum 30. April 2019 rund 225.638 Bitcoins, was einem Marktwert von rund 1,39 Mrd. US-Dollar entspricht. Der tatsächliche Marktwert des Grayscale Bitcoin Trust ist jedoch immer viel höher als der Wert seiner Beteiligungen. Im Moment beträgt die Prämie nur etwa 5 % des Nettovermögenswertes, ohne die absurde 2-prozentige Verwaltungsgebühr, die man jährlich für ein Portfolio zahlt, das praktisch kein Management benötigt. In der Vergangenheit hat der Grayscale Bitcoin Trust jedoch Prämien von 25 % bis 100 % des Nettovermögenswertes erzielt, was ihn zu einer spekulativen Investition macht, die man meiden sollte.

Bitcoin und die Krypto-Bewegung als Ganzes haben auch bei etablierten Unternehmen wie NVIDIA (WKN:918422) für Chaos gesorgt. Im Jahr 2017 wurden die Grafikkarten, die NVIDIA herstellt, von den Krypto-Minern in unglaublicher Stückzahl gekauft (die Belohnung für das Mining von Transaktionsblöcken ist oft ein Krypto-Token). Das wiederum ließ den Aktienkurs von NVIDIA durch die Decke gehen, da ein kleines Segment der Umsätze drastisch angestiegen ist. Als der Krypto-Markt in der zweiten Jahreshälfte 2018 einbrach, passierte dasselbe auch mit NVIDIAs Wachstum. Der Umsatz im vierten Quartal sank um 24 % auf 2,21 Mrd. US-Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum und fiel um 31 % gegenüber dem dritten Quartal in Folge. Selbst mit einer moderaten Erholung bei den meisten Krypto-Tokens ist es nicht garantiert, dass das Mining auf diesen Niveaus profitabel ist.

Es ist unbestreitbar, dass Kryptowährungen seit Anfang 2017 hervorragende Renditen erzielt haben. Die gehören jedoch nicht annähernd zu den Portfolios langfristiger Investoren.

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 10.05.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt NVIDIA.