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Siemens-Aktie macht sich hübsch: Wie die Kraftwerksabspaltung Kräfte freisetzt

Quelle: www.siemens.com/presse

Was die gescheiterte Bahnfusion angeht, lag ich mit meiner Anfang 2017 erstellten Roadmap für Siemens (WKN:723610) goldrichtig. Die Abspaltung der Sparte Gas & Power kommt hingegen deutlich früher. Das Management hat für die Umsetzung eine interessante Variante gewählt, die nicht nur der Aktie mittelfristig Schub verleihen sollte, sondern auch uns Anlegern die Freiheit gibt, gleich dreistufig in Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) zu investieren.

Der Deal im Detail

Einen Tag vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2019 hat Siemens einen weiteren strategischen Schritt verkündet: Die Kopfschmerzsparte Gas & Power, die in den letzten Jahren unter ausgesprochen schwierigen Marktbedingungen litt, wird verselbstständigt. Bis in etwa einem Jahr soll dann die Abspaltung erfolgen, was bedeutet, dass Siemens-Aktionäre Wertpapiere von „Turbineers“ in ihre Depots gebucht bekommen (das war 2017 mein nur halb ernst gemeinter Namensvorschlag).

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Das Besondere dabei ist, dass nicht wie bei früheren Deals wie etwa Siemens Gamesa und dem fast vergessenen Stahlwerksausrüster Primetals Technologies die Kombination mit einem ausländischen Wettbewerber gesucht wird. Der Plan sieht vielmehr vor, lediglich die Mehrheitsbeteiligung an der Windkrafttochter in das neue Vehikel einzubringen. Durch diese Hinzunahme wird „Turbineers“ folglich ein komplettes Turbinenportfolio (Dampf, Gas, Wind) zuzüglich Kompressoren und Großmotoren bieten können.

Ziemlich elegant entledigt sich Siemens auch dem hardwarelastigen Stromnetzgeschäft. Ähnlich wie die Rivalin ABB (WKN:919730) ihren Smart-Grid-Bereich aktuell bei Hitachi (WKN:853219) unterbringt, wird Siemens diesen Bereich, der gut zu den anderen Aktivitäten passt, in die neue Gesellschaft einbringen. Folglich entsteht hier ein mächtiges Unternehmen im Energiesektor, das von der Öl- und Gasförderung über Ausrüstung von fossilen und dezentralen Kraftwerken bis zur Stromübertragung alles abdeckt.

Die Folgen für die Siemens-Bilanz und für Anleger

Die offensichtlichste Folge dieser Aktion ist, dass Anleger zukünftig die Wahl haben, entweder direkt in Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) zu investieren oder in Kombination mit dem Gas & Power-Geschäft über „Turbineers“ oder aber noch deutlich breiter gestreut über die klassische Siemens-Aktie. Jede der drei Varianten hat Vor- und Nachteile.

Wenn du an die Energiewende glaubst und erwartest, dass Windkraft dabei eine Hauptrolle spielen wird, dann liegt es nahe, sich für den Spezialisten zu entscheiden. Damit setzt du dich aber natürlich auch einem gewissen regulatorischen Risiko aus. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass kapriziöse Gesetzgeber immer mal wieder für branchenweite Turbulenzen sorgen.

Mit „Turbineers“ sind wir möglicherweise durch die vielseitigeren Technologien und Absatzmärkte besser vor solchen Unwägbarkeiten geschützt. Zudem kannst du mit dieser Aktie zukünftig auch auf weitere starke Themen wie Flüssigerdgas und die Wasserstoffwirtschaft setzen. Schließlich hat Gas & Power spezialisierte kompressorbasierte Lösungen dafür in petto. Andererseits besteht kaum Hoffnung, dass das Geschäft der fossilen Kraftwerkstechnik noch einmal große Sprünge macht.

Auch mit der Siemens-Aktie selbst werden Anleger weiterhin am Erfolg der Turbinentöchter partizipieren. Zunächst wird nämlich eine Beteiligung von 49 bis 50 % an der neuen Einheit angepeilt, die in den Folgejahren auf bis zu 25 % abschmelzen könnte. Die Abgabe der Mehrheit bedeutet jedoch, dass der Umsatz im Bereich von 30 Mrd. Euro nicht mehr in der Gewinn- und Verlustrechnung auftauchen wird. Erst am Ende beim Posten Beteiligungsergebnis wird das Ergebnis dann einfließen.

Der Vereinfachung im zukünftigen Kerngeschäft steht folglich eine komplizierter zu lesende Bilanz mit ihrem immer gewichtiger werdenden Beteiligungsportfolio gegenüber.

Die Zukunft bringt weitere Veränderungen

Der zugehörigen Pressemeldung ist Folgendes zu entnehmen:

Die Operating Companies Digital Industries (DI) und Smart Infrastructure (SI) bilden künftig den industriellen Kern von Siemens. Ergänzt wird dieser durch die konzernweiten Technologie- und Serviceeinheiten sowie die strategische Mehrheitsbeteiligung an Siemens Healthineers. Auch Siemens Mobility soll als Wachstumsgeschäft weiter gestärkt werden.

In diesem Satz sind Hinweise darauf enthalten, wie es nun weitergeht. Er macht deutlich, dass die Bahntechnik nach dem gescheiterten Deal mit Alstom (WKN:A0F7BK) keinesfalls zurück in den Schoß des Siemens-Kerns kommen wird. Vielmehr wird dafür nun nach alternativen Möglichkeiten Ausschau gehalten. Von daher würde ich mal damit rechnen, das Mobility auf die eine oder andere Weise im Laufe der nächsten zwei Jahre mit einem komplementären und aufsichtsrechtlich weniger problematischen Partner zusammengeführt und an die Börse gebracht wird.

Es geht voran

Insgesamt gefällt mir die eingeschlagene Marschroute vom Kraftwerkshersteller hin zum digitalen Powerhouse gut. Siemens ist auf dem besten Weg, ein dominierender Anbieter von intelligenten Lösungen im Umfeld von Industrie, Gebäuden und Infrastruktur zu werden, wird aber weiterhin bewertet wie ein schwerfälliger Lieferant von Komponenten und Systemen. Die nun eingeleiteten Schritte sollten dazu beitragen, das Profil zu schärfen und die Wachstumschancen sichtbarer zu machen.

Gleichzeitig dürfen Anleger aber nicht außer Acht lassen, dass es neben dem Kerngeschäft auch noch die Finanzdienstleistungen und das immer größere Beteiligungsportfolio gibt, die zusammen einen immer größeren Effekt auf das Nettoergebnis ausüben. Im schlechtesten Fall drohen dort hohe Abschreibungen. Im besten Fall jedoch blüht das Turbinengeschäft in den kommenden Jahren auf und liefert dem Konzern und seinen Aktionären gute Wertsteigerungen und erfreuliche Ausschüttungen.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens, Siemens Healthineers und Siemens Gamesa. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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