The Motley Fool

Was an der Debatte um Elektrofahrzeuge so falsch ist

Foto: The Motley Fool

Ich gebe zu, dass ich ein Tesla-Fan bin. Und ja, ich besitze auch die Aktie. Aber mittlerweile nur noch aus demselben Grund, weshalb ein BVB-Fan die BVB-Aktie besitzt.

Ein Fan von Elektrofahrzeugen bin ich nämlich auch. Ich glaube, dass sie den Verbrennungsmotor schneller verdrängen werden, als die meisten glauben. Allein schon aus Kosten- und Performancegründen. Ob sie heute umweltfreundlicher sind oder nicht, wird dabei überhaupt keine Rolle spielen.

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Und trotzdem kann ich nicht dem Drang widerstehen, auf dieses Thema einzugehen. Mir kommt es so vor, dass, umso mehr „Informationen“ zum Verhältnis zwischen der Elektromobilität und der Umwelt in die Welt hinausgetragen werden, es umso klarer wird, dass sich die Technologie durchsetzt.

Woran das liegt, darüber will ich gar nicht spekulieren. Als Investor und Analyst liegt mir jedoch sehr viel an einer korrekten Faktenlage und Perspektive. Diese scheint mir bei dieser Debatte viel zu kurz zu kommen. Daher möchte ich hier auf die meiner Ansicht nach wichtigsten Unkorrektheiten bei der Debatte eingehen.

1. Der 200.000-Kilometer-Mythos

Seit Jahren, aber gefühlt ganz besonders häufig in den letzten Wochen, lese ich ständig das Argument, dass man ein Elektrofahrzeug erst einmal 200.000 Kilometer fahren muss, bis die Umweltbilanz gegenüber dem Verbrenner positiv wird. Es gibt sogar prominente Stimmen (mindestens eine jedenfalls), die besagen, dass es beim aktuellen Strommix 500.000 Kilometer seien.

Diese Behauptung dürfte sich (wenn überhaupt) auf eine Studie des schwedischen Umweltforschungsinstituts IVL stützen, die offenbar von der schwedischen Energieagentur und der schwedischen Version des Kraftfahrtbundesamtes finanziert wurde.

Allerdings wurden die Ergebnisse dieser Studie vom schwedischen Staatsmedium SVT nicht ganz korrekt wiedergegeben, wie zum Beispiel (als einer von vielen) Viktor Irle von EV Volumes hier unmissverständlich schon kurze Zeit später klarstellte. Unter anderem beruht die Studie auf veralteten Daten.

Vor rund zwei Wochen beschrieb das zur Handelsblatt-Gruppe gehörende Nachrichtenportal Edison ganz schön, wie sich die Inhalte dieses Artikels von einem Medium zum nächsten verbreiteten, was die Faktenlage wie im Stille-Post-Spiel von Mal zu Mal verschlechterte.

So dürfte vermutlich auch die „Information“ entstanden sein, dass die Produktion der Batterien für Elektrofahrzeuge extrem umweltschädlich sei. Das Schweizer Forschungsinstitut für Materialwissenschaften und Technologie EMPA von der renommierten Universität ETH in Zürich hat in einer eigenen Studie jedoch festgestellt:

  • Der Anteil des gesamten Umweltfußabdrucks der Elektromobilität, der von der Batterie verursacht wird, beträgt 15 %.

Insgesamt kommt die Studie unter anderem zu folgendem Schluss:

  • Eine Break-Even-Analyse zeigt, dass ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor weniger als 3,9 Liter verbrauchen muss, um auf einen geringeren kumulierten Energiebedarf zu kommen als ein batteriebetriebenes Elektrofahrzeug.

Trotz alledem hält sich dieser 200.000-Kilometer-Mythos extrem hartnäckig.

2. Die schon mögliche Überlastung des Stromnetzes

Als weiterer Grund gegen Elektrofahrzeuge wird das Argument genannt, dass eine zu 100 % von Elektrofahrzeugen durchdrungene Gesellschaft das Stromnetz zum Zusammenbrechen bringen würde. Da ist im Gegensatz zum oben diskutierten Punkt sogar etwas dran. Aber auch nicht so viel, wie man aufgrund der Hitze der Debatte vermuten würde und wie man mit einer Milchmädchenrechnung schnell feststellen kann:

  • Laut Wikipedia hat das performancestärkste Tesla Model 3 eine Batterie mit einer Kapazität von 75 kWh und eine WLTP-Reichweite von 530 Kilometern.
  • Laut Kraftfahrtbundesamt beträgt „die jährliche Gesamtfahrleistung aller in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge […] 2017 […] 732,9 Milliarden Kilometer“.

Daraus folgt: Wären alle diese Kilometer im performancestärksten Tesla Model 3 zurückgelegt worden, hätte dies zu einem Energieverbrauch von 103,7 Terawattstunden geführt.

Zum Vergleich: Laut Energy Charts lag die Nettostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2017 bei rund 550 Terawattstunden. Das hypothetische Tesla-Szenario würde daher zu einem um weniger als ein Fünftel höheren Stromverbrauch führen. Das hört sich für mich nicht wirklich extrem an.

Natürlich würde uns das von heute auf morgen vor große Probleme stellen. Insbesondere, weil die Stromerzeugung und der Stromverbrauch alles andere als gleich verteilt sind. Das Horrorszenario ist, wenn alle Elektrofahrzeuge gleichzeitig an die Steckdose kommen, am besten in einer windstillen Nacht ohne Energieerzeugung aus Solar oder Wind.

Aber bin ich denn der Einzige, der glaubt, dass man so etwas über einen Zeitraum von mehreren Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten managen kann? Man könnte zum Beispiel entsprechende Anreizsysteme anwenden, beispielsweise einen über den Tag von der Stromproduktion abhängigen Strompreis.

Aber selbst ohne solche Systeme: Was man bei dieser Debatte nicht berücksichtigt, sind die Fortschritte in der Energieerzeugung. In zehn Jahren kann viel mehr passieren, als wir uns heute vorstellen können! Es scheint zum Beispiel immer wahrscheinlicher zu werden, dass wir in den kommenden zehn Jahren das erste Kernfusionskraftwerk haben könnten, woran heute verschiedene Unternehmen und Forschungsinstitute aus unterschiedlichen Ländern arbeiten.

Kernfusion ist nichts anderes als das, was die Sonne für uns den ganzen lieben Tag lang macht: Das Verschmelzen von zwei Atomkernen. Das ist im Vergleich zur Kernspaltung, die wir heute betreiben, deutlich weniger gefährlich – und erzeugt, wenn richtig angestellt, auch keine atomare Strahlung.

Das Beste daran: Diese Art der Energieerzeugung könnte uns praktisch grenzenlose Energie zur Verfügung stellen. Das Unternehmen TAE Technologies arbeitet zum Beispiel an einer Lösung, Wasserstoffatome mit Bor-Atomen zu verschmelzen. Laut TAE Technologies gibt es beides zur Genüge auf der Erde (Bor scheint es praktisch überall auf der Welt in der Erdkruste zu geben) und man kann mit einer Badewanne voll dieses Minerals 200.000 Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Energie versorgen.

Das hört sich heute an wie Science Fiction. Das war vor 120 Jahren jedoch genauso, wenn man den Menschen etwas vom Fliegen erzählt hat. Die Chancen scheinen jedoch gut zu stehen, dass wir so etwas noch haben werden, bevor die Mehrzahl aller Fahrzeuge in Deutschland mit einem Elektromotor unterwegs sind.

Solche Dinge gehören meiner Ansicht nach genauso in die Debatte – sie werden jedoch außen vor gelassen, während der Blick in die Vergangenheit der Stromerzeugung gerichtet wird.

3. Die Kinder in den kongolesischen Kobaltminen

In den heutigen Batterien wird Kobalt benötigt. Leider befinden sich die mit Abstand größten Vorkommen dieses ferromagnetischen Metalls im Kongo. Dieses Land ist für rund 60 % der weltweiten Kobaltproduktion verantwortlich. Und leider kommen in den toxischen Minen dort Kinder zum Einsatz, die ihr Leben riskieren – UNICEF schätzt die Anzahl auf 40.000 Kinder.

Dieser Umstand ist nicht wegzudiskutieren. Und ich finde ihn genauso schlimm wie wahrscheinlich die allermeisten Leser.

Was mir bei dieser Debatte jedoch fehlt, ist die Perspektive. Hier die Fakten dazu:

  • Laut Global Energy Metals wurden im Jahr 2016 rund 50 % des Kobalts in Batterien eingesetzt. Im Jahr 2020 erwartet man, dass sich dieser Anteil auf 62 % vergrößert.
  • Laut Statista ist der aktuell größte Markt für Lithium-Ionen-Batterien der Markt für mobile Endgeräte. Im Jahr 2020 erwartet Statista, dass mehr als die Hälfte (55 %) der Kapazitäten in der Autoindustrie verwendet wird.
  • Laut TheWorldCounts arbeiten weltweit mehr als 100 Millionen Kinder unter gefährlichen Bedingungen. Und der Großteil der Kinderarbeit wird auf Kakao-, Kaffee-, Baumwoll-, Gummi-, Tee-, Tabak- und so weiter -Farmen verrichtet.

Wenn man sich diese Fakten zu Gemüte zieht, dann muss man doch fast zu dem Schluss kommen, dass dieses Argument gegen Elektrofahrzeuge im besten Falle polemisch ist oder als populistisch bezeichnet werden kann.

Wer aus diesem Grund gegen Elektroautos argumentiert, der darf auch kein Smartphone oder Laptop verwenden und sollte gleichzeitig daran denken, dass um ein Vielfaches mehr Kinder seit vielen Jahren unter harten Bedingungen arbeiten, damit wir unsere Produkte des täglichen Lebens kostengünstig bekommen können.  – „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Fazit

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Artikel einem Anleger unmittelbar weiterhelfen wird, bessere Entscheidungen zu treffen. Aber er zeigt auf, was man mit ein wenig eigener Recherche alles herausfinden kann. Ich würde wetten, dass sich die wenigsten Menschen, die gegen die Sinnhaftigkeit von Elektrofahrzeugen argumentieren, sich differenziert mit den Fakten beschäftigt haben.

Und hier ist die Verbindung zum Investieren: Genau dasselbe trifft meiner Erfahrung nach auch auf die Recherchen und Analysen zu Unternehmen zu. Viele machen sich nicht die Mühe, unter die Oberfläche zu schauen. Das bedeutet: Wer das tut, verschafft sich einen Vorteil. Wenn es nur eine Sache gibt, die man aus diesem Artikel mitnimmt, dann wünsche ich mir, dass es diese ist.

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Offenlegung: Bernd besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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