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Achtung Daimler, VW und Co., jetzt kommt Amazon

Der Markt erwartet, dass bei Daimler  (WKN:710000) in den nächsten zehn Jahren das Licht ausgehen wird. So erklärt zumindest Dieter Zetsche, scheidender Daimler-Vorstandsvorsitzender, die enttäuschende Entwicklung der Daimler-Aktie. Eine erschreckende Aussage für alle Daimler-Aktionäre. Nun kommt es scheinbar noch dicker, denn der Schrecken aller Branchen, Amazon.com  (WKN:906866), investiert viel Geld in einen Elektroautobauer und einen Spezialisten für autonomes Fahren.

Scheinbar ein weiterer übermächtiger Konkurrent für Daimler und auch Volkswagen  (WKN:766403), der die Prognose des Marktes untermauert. Natürlich ist Zetsche nicht so pessimistisch wie der Markt. Genau wie auch ich persönlich.

Amazons Ambitionen

Amazon ist der Onlinehändler der westlichen Welt. Nach Angaben des Handelsblatts werden annähernd 50 % des deutschen Onlinehandels über Amazon abgewickelt. So sehr einige Unternehmen darunter leiden – hallo, stationärer Einzelhandel –, so stark profitierten viele andere Unternehmen im riesengroßen Amazon-Windschatten.

Diese Freuden waren manchmal aber nur von kurzer Dauer.

Zunächst freuten sich die Paketdienstleister über rasant steigende Paketlieferungen. Bereits jetzt stellen viele von ihnen aber fest, dass dort, wo Amazon mit der Qualität und den Preisen der Dienstleister nicht zufrieden ist, Amazon die Lieferung gerne selbst in die Hand nimmt.

Dieser Schritt freute wiederum Fahrzeughersteller wie Daimler. Zuletzt sprach man im September 2018 von einer Bestellung von 20.000 Mercedes-Benz-Vans mit Amazon-Branding, die bei Daimler eingegangen sei.

Nun scheinen plötzlich aber auch die Fahrzeugzulieferer die gleichen Ängste zu spüren wie die Paketzusteller. Amazon beteiligt sich nämlich nicht nur an Aurora, einem Spezialisten für selbst fahrende Fahrzeuge und unter anderem auch Kooperationspartner von Volkswagen, sondern auch am aufsehenerregenden US-Elektromobilitäts-Start-up Rivian.

Die naheliegendste Erklärung dieser beiden Transaktionen sind die Ambitionen von Amazon, in naher Zukunft eigene elektrische und autonome Lieferfahrzeuge herstellen zu können. Wie bereits bei den Paketzustellern würde so auch in der Lieferfahrzeugbranche ein einst gern gesehener Kunde zu einem direkten Konkurrenten heranreifen.

So groß sind die Gefahren für Daimler, VW und Co.

Ohne in großartige Hysterie zu verfallen, könnte man die Amazon-Beteiligung als keinerlei Verschärfung der Wettbewerbssituation bewerten. Sowohl Rivian als auch Aurora waren bereits vor dem Amazon-Einstieg Konkurrenten im Wettbewerb um die Vormachtstellung der künftigen Mobilitätsbranche – im Falle von Volkswagen und Aurora sprechen wir gar von Partnern in diesem weltweiten Wettbewerb.

Natürlich stehen beide Unternehmen nach der neuen Finanzierungsrunde finanziell nun besser da als noch zuvor. Hätte aber Amazon nicht das Geld für eine Beteiligung in die Hand genommen, hätte es wohl jemand anderes gemacht. Sowohl Aurora als auch Rivian hätten in Zeiten des günstigen Geldes und der Euphorie rund um Elektromobilität und autonome Fahrzeuge wohl wenig Probleme gehabt, andere Geldgeber zu finden.

Aber wenn ein vermeintlicher Großkunde eine Beteiligung an einem künftigen Konkurrenten eingeht, dann sollte man diese Bedrohung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zumindest sollte man seine Anstrengungen nicht zurückfahren, sondern diese eher noch erhöhen, um die schon immer gut finanzierte Konkurrenz mithalten zu können.

Die Anstrengungen von Daimler, VW und Co. im Vergleich

Zunächst zurück zu Dieter Zetsche. Auf der Bilanzpressekonferenz, in der er auf Nachfrage die traurige Wahrheit aussprach, dass der Markt von Daimler in zehn Jahren überhaupt nichts mehr erwarten würde, sagte er natürlich auch noch etwas anderes.

Er deutete nämlich auf die Investitionen und Forschungsausgaben hin, die seit 2014 von 10,5 Milliarden Euro pro Jahr auf mittlerweile deutlich über 16 Milliarden Euro pro Jahr angewachsen sind. Ein Großteil dieser zusätzlichen Gelder sind in die Zukunftsfelder der Mobilitätsbranche geflossen. Und auch wenn Waymo (autonomes Fahren), Tesla (Elektromobilität) und Uber (Mobilitätsservices) laut Zetsche in ihren jeweiligen Feldern heute noch vor Daimler stehen, ist Daimler in jedem dieser Felder dennoch in Schlagdistanz und zielt darauf ab, künftig eine führende Position einzunehmen.

Die neuen Finanzierungsrunden, an denen sich Amazon beteiligte, bringen Aurora nun 530 Millionen US-Dollar und Rivian erhält eine Finanzspritze von 700 Millionen US-Dollar. Das ist viel Geld, im internationalen Vergleich aber relativ wenig. Zu den erwähnten Daimler-Investitionen kommen weitere 4 Milliarden Euro von Daimler-Partner Bosch, der bis 2022 diese Summen in die Technologie rund um das autonome Fahren investieren möchte. Auch VW hat ambitionierte Pläne und kündigte an, in den nächsten fünf Jahren 44 Milliarden Euro für die Mobilität der Zukunft locker zu machen.

Das viele Geld ist natürlich keine Garantie für den Erfolg, aber zumindest eine notwendige Voraussetzung, um auch in der Mobilität der Zukunft an der Spitze zu stehen.

Der Markt wird Daimler und Co. aber wohl erst dann eine andere Bewertung zugestehen, wenn nicht nur von großartigen Absichten und enormen Summen gesprochen wird, sondern wenn wirklich zählbare Erfolge dabei herausspringen. Oder, um es wieder in den Worten von Dieter Zetsche auszudrücken, wenn es Daimler schafft, die bereits gemachten Fortschritte der Öffentlichkeit glaubhaft zu erläutern.

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Offenlegung: John Mackey, CEO von Whole Foods Market, eine Amazon-Tochter, ist Mitglied im Board of Directors bei The Motley Fool. Sven besitzt Aktien von Daimler. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Tesla. The Motley Fool empfiehlt Daimler.