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Vestas bärenstark: Was der Ausblick der Dänen für die Nordex-Aktie bedeutet

Bild: Courtesy of Vestas Wind Systems A/S

Im Geschäftsbericht von Vestas (WKN:913769) gibt es viel Positives zu lesen. Während kleinere Konkurrenten wie Nordex (WKN:A0D655) 2018 unter schwierigen Marktbedingungen litten, schreitet der dänische Branchenführer souverän voran und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Da stellt sich für mich die Frage, was sich aus dem Erfolg von Vestas für die Nordex-Aktie ableiten lässt.

Beeindruckende Erfolge und Rückenwind für die kommenden Jahre

Zwar spricht auch der Vestas-Boss Anders Runevad von einem „herausfordernden Jahr“, aber offenbar hat das Unternehmen die Herausforderungen gut gemeistert. Wo andere mit schmerzlichen Verlusten zu kämpfen haben, konnten die Dänen über 400 Mio. Euro für Aktienrückkäufe, 205 Mio. Euro für Dividenden und einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für Übernahmen ausgeben.

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Zudem ist der Auftragseingang zum Jahresende auf ein nie zuvor gesehenes Niveau angeschwollen und das margenstarke Servicegeschäft nimmt einen immer größeren Anteil am Betriebsgewinn ein. Bei beeindruckenden 101 Gigawatt (GW) weltweit installierter Leistung stehen heute 86 GW unter Vertrag. Diese Kapazität entspricht bereits jetzt Dutzenden großer Atom- und Kohlekraftwerke und über die kommenden Jahre sollen noch viel mehr davon ersetzt werden.

Für das laufende Geschäftsjahr wird mit einer Umsatzsteigerung auf rund 11,5 Mrd. Euro gerechnet, nach etwa 10 Mrd. Euro 2018. Mittelfristig kalkuliert Vestas zudem mit stark wachsenden Umsätzen rund um Repowering und Hybridkraftwerke. Um sich für die erwartete Expansion zu rüsten, sollen die Investitionen von 603 auf rund 700 Mio. Euro steigen, wobei sich das Geld sowohl auf neue und aufgerüstete Produktionsanlagen entlang der internationalen Wertschöpfungskette als auch auf vielfältige Forschungs- und Entwicklungsprojekte verteilt.

Wird Nordex mitgezogen oder abgehängt?

Es ist definitiv schön zu sehen, wie robust Vestas durch das letzte Jahr gekommen ist und wie optimistisch die Dänen ihre Zukunftsperspektiven einschätzen. Für Nordex kann das jedoch zweierlei bedeuten: Einerseits könnte es sein, dass die wieder wachsende Nachfrage auch den kleineren Konkurrenten erlaubt, zurück in die Erfolgsspur zu kommen. Andererseits muss man befürchten, dass Vestas sich durch ihre schiere Größe Skalenvorteile verschafft, die den anderen das Leben dauerhaft schwermachen.

Mit den deutlich geringeren Stückzahlen in Verbindung mit einem kleineren Forschungsbudget könnte es für Nordex schwer werden, Schritt zu halten. Aktuell kann Nordex noch mit ihrer preisgekrönten 4-MW-Klasse punkten, die zunächst die Nase vorn hatte und bei der Kundschaft gut angekommen ist. Aber schon im Januar präsentierte Vestas modulare EnVentus-Turbinen, die in die 5-MW-Klasse vorstoßen und für alle Windbedingungen geeignet sein sollen.

Vestas erhofft sich davon produktionsseitig erhebliche Kostensenkungen und anwenderseitig erhebliche Ertragssteigerungen und kann daher relativ aggressiv in den Markt gehen, ohne auf Margen verzichten zu müssen. Durch die hohe Anpassungsfähigkeit der neuen Plattform wird Vestas zudem voraussichtlich auf dem Spezialgebiet von Nordex wildern, nämlich exakt auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse hin ausgelegte Anlagen. Schon Ende 2020 soll die Serienproduktion anlaufen.

Was trotzdem für Nordex spricht

Immerhin hat Nordex mit ihrer 4,8-MW-Anlage dann ein gutes Jahr Vorsprung, denn dort geht es schon bald los. Zu bedenken ist auch, dass die Wettbewerbssituation in jeder Region anders aussieht. Nicht überall, wo Nordex bereits über etablierte Strukturen verfügt, ist auch Vestas stark. Zudem kann Nordex weiterhin mit Spezial-Know-how punkten und ist auch in Sachen Digitalisierun mit vorne dabei. Erfolgreiche strategische Partnerschaften wie etwa mit innogy (WKN:A2AADD) sprechen eine deutliche Sprache.

So wie es aussieht, arbeitet Vestas derzeit auch ziemlich am Anschlag und wird daher nicht mehr um jeden Preis um Aufträge kämpfen, sondern lieber versuchen dazu beizutragen, die Preise zu stabilisieren und die Rentabilität zu steigern. Das ausgegebene Ziel lautet auch passenderweise, die operative Marge nach zuletzt 9,5 % in Zukunft unabhängig von Konjunkturzyklen stets über 10 % zu halten. Das würde auch Nordex mehr Luft geben, um wieder nachhaltig in die schwarzen Zahlen zurückzukehren.

Schon wenn es gelänge, zukünftig halb so hohe Margen wie Vestas zu erwirtschaften und den für die kommenden zwei Jahre angepeilten Umsatz von rund 3 Mrd. Euro zumindest stabil zu halten, wäre der aktuelle Aktienkurs von 9,44 Euro (08.02.) gerechtfertigt. Eine Entscheidung für oder gegen die Aktie hängt also letztlich vor allem davon ab, was du für wahrscheinlicher hältst: dass Nordex von Vestas und anderen Marktführern wie etwa Envision aus China an die Wand gedrängt wird oder aber dass sich der Onshore-Spezialist in deren Kielwasser zu neuem, profitablem Wachstum aufschwingen kann. Ich für meinen Teil tendiere leicht zum optimistischen Szenario.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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