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Was man von General Electric im Jahr 2019 erwarten kann

Der CEO von General Electric (WKN:851144), Larry Culp, gab bei seiner ersten Telefonkonferenz Ende Oktober keinen konkreten Ausblick, und seither ist die Aktie anfällig für Angriffe von Bären. Das Unternehmen steht zweifellos vor Problemen – Steuer- und Versicherungsschulden sowie Untersuchungen seiner Buchführung durch die SEC Commission und das Justizministerium –, aber die meisten Aktien sind ihren Preis wert, und es scheint, dass der Markt bei GE zu pessimistisch war.

Ausblick für 2019

Die Weigerung des Managements, einen spezifischen Ausblick für 2018 zu geben, könnte auf den Wunsch hindeuten, alle schlechten Nachrichten im dritten und vierten Quartal 2018 in die Aktie aufzunehmen — etwas, das positivere Zahlen für 2019 schaffen würde. Wenn dies zutrifft, dann achte im vierten Quartal auf das Stromsegment. Hier könnte sich das Management entscheiden, weitere Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen vorzunehmen.

Was die Erwartungen an GE im Jahr 2019 betrifft, so ist der Konsens der Analysten ein Anstieg des Gewinns pro Aktie von 0,69 US-Dollar im Jahr 2018 auf 0,84 US-Dollar im Jahr 2019. Einige prognostizieren 4,4 Milliarden US-Dollar an freiem Cashflow im Jahr 2018 und rund 4,7 Milliarden 2019. Sowohl der Gewinn pro Aktie als auch der freie Cashflow beziehen sich auf das aktuelle Portfolio.

Zur Erinnerung: GE ist gerade dabei, sich von GE Healthcare zu trennen und GE Transportation mit Wabtec zu fusionieren. Das Unternehmen wird in Zukunft auf die Bereiche Energie, Luftfahrt und erneuerbare Energien ausgerichtet sein .

Der freie Cashflow von GE

Wenn Culp die oben genannten Werte für den freien Cashflow voraussagt, dann könnte die Aktie bald billig aussehen. Angesichts der derzeitigen Marktkapitalisierung von rund 63 Milliarden US-Dollar würde GE beispielsweise ein Kurs-Cashflow-Verhältnis von 13,4 haben. Das ist deutlich günstiger als das, wofür Industriekonzerne derzeit handeln.

KURS-CASHFLOW-VERHÄLTNIS DER LETZTEN 12 MONATE. DATEN VON YCHARTS.

Einige Analysten sind besorgt über den Rückgang des freien Cashflow von GE in den kommenden Jahren. Der Grund dafür ist jedoch, dass sich GE von einigen seiner besten Geldmaschinen trennt, und zwar Gesundheit und Verkehr. Daher dürfte der freie Cashflow des verbleibenden GE in den kommenden Jahren sinken. Das sind viele beunruhigende Anzeichen zum Rückgang des freien Cashflows von GE.

Mach dir jedoch keine allzu großen Sorgen, denn GE- Investoren sollten Aktien des neuen GE Healthcare erhalten, wenn es ausgegliedert wird. Mit anderen Worten, man kann sich nicht nur den freien Cashflow des verbleibenden Unternehmens ansehen.

Darüber hinaus wird Culp hoffentlich erklären, warum GE Aviation und GE Power derzeit aufgrund kurzfristiger Einschränkungen keinerlei freien Cashflow generieren.

GE Aviation

Stellt man zudem die Segmente Aviation und Power in den rechten Kontext, erscheint die Bewertung von GE noch günstiger.

GE Aviation wird 2018 nur 80 % seines Gewinns in freien Cashflow umwandeln, und die Marge wird zusätzlich durch den Produktionsanstieg von defizitären LEAP-Flugzeugmotoren verkleinert. Im Jahr 2017 wurden 459 LEAP-Einheiten produziert. 1.150-1.200 werden für 2018 erwartet, 1.850-1.900 für 2019 und 2.200 für 2020. Das ist natürlich kein Problem, denn GE wird in den kommenden Jahren mit dem Einsatz der Motoren margenstarke Umsätze aus Ersatzteilen und Dienstleistungen generieren.

Es bedeutet aber auch, dass das Ergebnis von GE Aviation und der freie Cashflow im Jahr 2019 vorübergehend niedriger  sind und nicht das langfristige Potenzial des Segments widerspiegeln.

GE Power

Auch das Segment Strom sieht sich kurzfristig mit erheblichen Problemen beim Gewinn und freien Cashflow konfrontiert. Es ist zwar alles andere als klar, dass die Nachfrage nach Gasturbinen nicht strukturell durch die Steigerung der Energieeffizienz und die Ausbreitung erneuerbarer Energien unter Druck steht, aber GE sollte in der Lage sein, in den kommenden Jahren zumindest eine Marge im mittleren einstelligen Prozentbereich in diesem Bereich zu erwirtschaften — im Einklang mit den Erwartungen von Siemens.

Darüber hinaus muss sich GE auch mit früher als erwarteten Reparaturen an der Turbine befassen, aber laut Reuters hat GE im vierten Quartal schwer an der Lösung gearbeitet. GE Power wurde von den Garantie- und Wartungsrückstellungen für die Turbinenschaufelproblematik mit einem Schaden von 240 Millionen US-Dollar belastet, und es werden in Zukunft weitere Belastungen erwartet. Darüber hinaus ist GE dabei, sein Stromsegment zu restrukturieren und auch das wird nicht billig.

Alle diese Probleme summieren sich zu erheblichen kurzfristigen Problemen. Doch erwähnenswert ist auch, dass die Erträge von GE Power in den letzten Jahren so schwach waren, weil GE laut Morgan Stanley das Geschäft mit der HA-Turbine stark reduziert hat, um in Zukunft Wachstum im Ersatzteilgeschäft und im Servicebereich zu generieren.

Wie die GE-Investoren über den Ausblick 2019 denken sollten

Zusammenfassend lässt sich sagen, wenn Culp 4 bis 4,7 Milliarden US-Dollar industriellen freien Cashflow für 2019 erwartet, wäre die Aktie billig. Die Strom- und Luftfahrterträge und der freie Cashflow aus diesen Segmenten werden durch eine Vielzahl von Faktoren niedrig gehalten, die der Markt in die Bewertungen einbeziehen sollte.

Die größte Unwägbarkeit ist wahrscheinlich GE Capital mit den verschiedenen Verbindlichkeiten, die es zu schultern hat — zum Beispiel sind die Analysten besorgt über die potenziellen Steuer- und Versicherungsschulden von GE. Angesichts der Tatsache, dass GE die Endnachfrage im Stromsegment immer wieder überschätzt hat, könnte die SEC außerdem feststellen, dass GE zuvor mehr Gewinne verbucht hat, als tatsächlich aus seinen langfristigen Serviceverträgen im Bereich Power kommen werden – drohen also Geldbußen?

Sobald wir vom Management mehr wissen, sollte sich jedoch ein großer Teil der Unsicherheiten (und davon gibt es eine beträchtliche Menge) auflösen. Unabhängig davon, in welche Richtung es geht, dürfte 2019 für GE ein besseres Jahr werden als 2018.

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Dieser Artikel wurde von Lee Samaha auf Englisch verfasst und am 23.12.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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