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Wie kanadische Marihuana-Aktien auf legale Art und Weise die Investoren täuschen

Foto: Getty Images.

Das Warten hat ein Ende. Nach neun Jahrzehnten des Verbots ist Freizeitmarihuana in Kanada offiziell legal — wenn auch das Ausmaß, wer und wo man es kaufen kann, und ob man die Pflanze selbst zuhause anbauen darf, von der Provinz abhängt.

Das Wichtige dabei ist, dass man von der Legalisierung erwartet, dass das der Branche Milliarden von Dollar an zusätzlichen jährlichen Einnahmen einbringen wird. Diese Erwartung  — die Wall Street geht von ungefähr 5 Mrd. Dollar an zusätzlichen jährlichen Einnahmen aus, sobald die Industrie an Fahrt gewonnen hat — steckt hinter der mehr als zweijährigen Rallye der Marihuana-Aktien. Allerdings haben viele der größten Pot-Aktien seit Anfang 2016 um 1.000 % oder mehr an Wert zugelegt.

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Einige dieser Aktien haben Verwirrung gestiftet, indem sie im Frühstadium Gewinne erzielten und vermutlich die Voraussetzungen für einen echten grünen Ansturm geschaffen haben. So hat beispielsweise CannTrust Holdings (WKN:A2DWH4) in den letzten beiden Quartalen jeweils einen Gewinn erwirtschaftet und ist damit auf Kurs, 0,11 CAD (kanadische Dollar) als Gewinn pro Aktie für das laufende Geschäftsjahr auszuweisen, basierend auf der Konsensschätzung der Wall Street. Weitere profitable Züchter sind OrganiGram Holdings (WKN:A12AQF) und Aphria (WKN:A12HM0).

Aber was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass diese Gewinne eine völlig legale Täuschung sind?

Die IFRS-Rechnungslegung könnte Marihuana-Aktieninvestoren zum Narren halten

Seien wir ehrlich, die Marihuana-Industrie ist für die meisten Menschen schwer zu begreifen, vor allem, weil sie in den letzten neunzig Jahren in Kanada eine Untergrundindustrie war. Aber die Berichtsstandards, denen die Marihuanazüchter Folge leisten müssen, machen es dem durchschnittlichen Investor besonders schwer, sie zu verstehen.

In Kanada sind börsennotierte Unternehmen verpflichtet, ihre Gewinn- und Verlustrechnung nach den International Financial Reporting Standards oder IFRS zu erstellen. Eine der seltsamen Besonderheiten der IFRS ist die Bilanzierung von Agrarprodukten. Wenn es um Pot-Aktien geht, sind die Züchter verpflichtet, den Marktwert der biologischen Vermögenswerte abzüglich der Verkaufskosten zu erfassen, bevor sie diese tatsächlich verkaufen.

Ich wiederhole das für diejenigen von euch, die diesen Artikel vielleicht nur überfliegen. Grundsätzlich müssen Marihuanazüchter „schätzen“, wie viel ihre Ernte wert ist — und bedenken, dass der Wert einer Ernte je nach den verschiedenen Phasen des Pflanzenwachstums variieren kann. Dann müssen sie auch noch schätzen, wie viel ihre Vertriebskosten betragen werden … bevor die Ernte abgeschlossen ist. Da Cannabispflanzen verschiedene Phasen ihres Wachstumszyklus durchlaufen, kann sich die Marktwertschätzung ändern … sehr ändern.

Als ob das nicht schon verwirrend genug wäre, erhielten kanadische Landwirtschaftsunternehmen mit biologischen Vermögenswerten (d. h. Cannabispflanzen) die Möglichkeit zu bestimmen, wo sie diese Marktwertanpassung in der Gewinn- und Verlustrechnung erfassen, die, wie bereits erwähnt, regelmäßige Änderungen erfordern wird.

Börsennotierte kanadische Pot-Aktien haben sich dafür entschieden, den Marktwert als Wert oberhalb der Gewinnlinie zu erfassen, was bedeutet, dass die Vertriebskosten reduziert werden, was die Herstellungskosten in einem frühen Stadium buchhalterisch reduziert. Mit anderen Worten, Marktwertanpassungen für biologische Vermögenswerte können künstlich die Gewinne steigern, basierend darauf, wie viel Cannabis angebaut wird und entsprechend dem Lebenszyklus der Kultur eines Anbaubetriebes.

Allerdings ist das alles nach IFRS zu 100 % legal. Aber ehrlich gesagt sind diese Gewinne im Frühstadium eine totale Täuschung.

Was wirklich vor sich geht

Wenn wir das mal genau untersuchen würden, würden wir zumindest kurzfristig ein viel düstereres Bild erhalten.

So hat der Hydrokultur-orientierte Züchter CannTrust Holdings in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatz von 16,89 Mio. CAD erwirtschaftet, wobei die Kosten der verkauften Produkte ohne Anpassungen der biologischen Vermögenswerte 8,05 Mio. CAD betragen haben. Die Betriebskosten wie Vertriebs- und Versandkosten, aktienbasierte Vergütung, Marketing und Promotion sowie all die anderen normalen Kosten, die irgendwie vergessen werden, beliefen sich jedoch auf 18,32 Mio. CAD im bisherigen Jahresverlauf. Mit anderen Worten, ohne IFRS-Rechnungslegung hat CannTrust in diesem Jahr wahrscheinlich operativ fast 10 Mio. CAD verloren.

Es ist die gleiche Geschichte bei OrganiGram Holdings und Aphria. OrganiGram hat in den letzten neun Monaten einen Umsatz von 10,1 Mio. CAD erzielt und Herstellungskosten von 5,09 Mio. CAD gehabt. Aber die Aufwendungen von OrganiGram beliefen sich auf insgesamt 12,99 Mio. CAD ohne Marktwertanpassung, was einen operativen Verlust von 8 Mio. CAD bedeutet.

Was Aphria betrifft, so hat das Unternehmen in den letzten Quartalsergebnissen einen Umsatz von 13,29 Mio. CAD und etwas mehr als 4,8 Mio. CAD Produktions- und „sonstige“ Kosten ausgewiesen. Die Betriebskosten beliefen sich jedoch auf satte 24,12 Mio. CAD, was zu einem Betriebsverlust von fast 16 Mio. CAD führt, wenn man die biologischen Anpassungen ausschließt.

Kurz gesagt: Marihuana-Aktien spielen den Investoren, die nicht in die Thematik tiefer eindringen wollen, einen perfekt legalen Streich. Das soll nicht heißen, dass diese Unternehmen mit dem jetzt in Kanada zugelassenen Produkt in Zukunft nicht wirklich profitabel sein werden. Doch wenn wir ein wenig genauer hinsehen, deutet das darauf hin, dass Pot-Aktien auf rein operativer Basis immer noch nicht annähernd profitabel sind — und das ist es, was für die Investoren wichtig sein sollte.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 18.10.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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