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So schätzt Warren Buffett derzeit die Märkte ein

Er gilt als einer der besten Investoren aller Zeiten. In den ersten zehn Jahren seiner Karriere erzielte Warren Buffett eine Durchschnittsrendite von über 30 % pro Jahr, und seit 1965 kletterte der Buchwert seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) um durchschnittlich 19,1 % pro Jahr. Es ist also kein Wunder, dass sein Wort Gewicht hat und viele Investoren sein Handeln genau beobachten.

Der S&P500-Index notiert derzeit bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24,75. Der langfristige Mittelwert liegt jedoch bei 15,72. Aus diesem Grund sind viele Anleger beunruhigt. Aber wie schätzt Warren Buffett die Situation ein?

Hohe Cashposition bei Berkshire Hathaway

Zum Ende des ersten Halbjahres 2018 belief sich Berkshires Cashposition inklusive kurzfristiger Anlagen auf 111 Mrd. US-Dollar. So hoch, wie fast nie zuvor. Dies lässt viele Anleger darauf schließen, Warren Buffett baue Cash auf. Aber ist dies wirklich so und ist diese Zahl an sich aussagekräftig? Ich meine: Nein, weil bei einem wachsenden Unternehmen auch gleichzeitig immer der Cashbestand zulegt. Ein ähnlicher Fehler wird häufig bei der Betrachtung von Schulden eines Landes gemacht, um darzustellen, wie enorm sie sind. Für sich genommen haben sie aber keine Aussagekraft. Nur in Relation zur Wirtschaftsleistung eines Landes macht die Betrachtung Sinn.

In Bezug auf Berkshire: Eine Kennzahl, die dagegen aussagekräftiger ist, ist der prozentuale Cashbestand, also wie viel Cash Berkshire im Verhältnis zu seinen gesamten Vermögenswerten hält. Und dieser Wert liegt derzeit bei 15,6 %. Ich habe den prozentualen Cashbestand über die letzten zehn Jahre ausgerechnet. Aber sieh selbst:

Jahr  2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008
Bestand Cash & kurzfristige Anlagen Berkshire Hathaway in % 16,52 13,91 17,77 17,49 16,18 19,92 17,70 19,64 22,78 21,38

Quelle: Geschäftsberichte Berkshire Hathaway 2017 bis 2008

Den höchsten prozentualen Cashbestand besaß Berkshire 2009 mit 22,8 % und der Mittelwert liegt bei 18,33 %. Berkshire hält derzeit einen unterdurchschnittlichen Cashbestand. Daraus lässt sich also nicht indirekt interpretieren, Warren Buffett finde derzeit keine Investments mehr und halte deshalb besonders viel Cash.

Alles hängt von den Zinsen ab

Wer Warren Buffett verfolgt, weiß, dass für ihn alles von den Zinsen abhängt. Sie bestimmen, wie attraktiv Anleihen oder im Vergleich Aktien sind. Buffett selbst sagt darüber: „Der wichtigste Punkt bei der Bewertung sind natürlich die Zinssätze. Wenn die Zinsen auf niedrigem Niveau verharren, macht dies jeden Investment-Ertragsstrom wertvoller. Der Dreh- und Angelpunkt ist immer das, was Staatsanleihen bringen. Als 1982 die Rendite für kurzfristige Anleihen bei 15 % lag, wären natürlich Aktien mit einem KGV 20 viel zu teuer gewesen.“

Aber wie sieht es heute aus? Zum Ende des ersten Halbjahres 2018 lag die Rendite von US-Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 2,88 %. Dies entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für Anleihen von 34,7. Sicher sind also amerikanische Aktien derzeit mit einem KGV von 24,75 nicht mehr günstig, aber Anleihen sind weiterhin noch teurer. Also wohin wird das Geld weiterhin fließen? Wahrscheinlich eher in Aktien als in Anleihen oder Cash. Nichtsdestotrotz können Aktien aber dennoch zwischendurch scharf korrigieren. Dies tun sie regelmäßig.

Aussagen in Interviews

In Interviews vom Oktober 2017 und Januar 2018 bestätigt er seine Aussage, dass die aktuelle Aktienmarktbewertung Sinn macht, weil die Zinsen so niedrig sind. Deshalb würde er auch heute noch Aktien den Anleihen vorziehen. Und tatsächlich kauft Berkshire auch immer noch mehr Aktien, als es verkauft. Wenn sich die Situation ändern würde, die Zinsen also stärker anziehen, müsste man neu bewerten. Allerdings warten viele Investoren schon sehr lange auf höhere Zinsen. Ich denke: Daran haben aber viele Länder kein Interesse, weil sie sonst sehr viel Zinsen auf ihre Schulden zahlen müssten.

Klar ist aber auch, dass steigende Märkte sich selbst treiben, da manche Anleger Aktien nur kaufen, weil sie steigen, und nicht die Bewertung beachten. „Dies kann zu einer Blase führen“, so Buffett.

In Europa ist die Situation mit den Negativzinsen noch deutlicher. Wenn Tagesgeld und Anleihen Negativrenditen erzeugen, sind Aktien, bei denen du oft noch eine gute Dividendenrendite bekommst, auch bei relativ hoher Bewertung immer noch besser.

Unterschätzte US-Steuerreform

Ich denke, viele Investoren sehen die hohen KGVs bei den amerikanischen Märkten, rechnen aber nicht die extrem starken Steuersenkungen mit ein. KGVs werden meist auf Basis der vergangenen zwölf Monate oder des letzten Jahres errechnet. Wenn die Steuern von 35 auf 21 % sinken, bedeutet dies, dass die Gewinne um 21,5 % steigen und das KGV aus dem Stand von 24,75 auf 20,37 % sinkt. Dies ist zwar immer noch mehr als der langfristige Durchschnitt, aber dann relativiert sich das Verhältnis zu Anleihen (mit einem KGV von 34,7) noch einmal.

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Christof Welzel besitzt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien). The Motley Fool empfiehlt Berkshire Hathaway (B-Aktien).

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