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Dürr will ein Industrie-4.0-Kraftpaket werden

Roboter, Drohnen, Automatisierung, Cloud-Lösungen. Die digitale Vernetzung von Maschinen und Anlagen, das nennt sich Industrie 4.0.

Es handelt sich meiner Ansicht nach um einen der wichtigsten Zukunftstrends überhaupt. Entgegen weit verbreiteter Ansichten und womöglich auch durch zu viele Filmfantasien stehen wir bei dieser Entwicklung jedoch noch ganz am Anfang – und sie hat damit enormes Potenzial sowohl für Ingenieure und Softwareentwickler als auch für Anleger.

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Wir beobachten die Entwicklung täglich, wenngleich zumeist aus einer eher passiven Perspektive. Drohnen gibt es schon bei Saturn und Media Markt, Cloud-Anwendungen sind eigentlich bereits eine Selbstverständlichkeit und kleine Roboter gibt es auch schon in der Spielzeugabteilung für unsere Liebsten. Das sind aber alles noch Einzelprodukte, die nicht miteinander vernetzt sind.

Bei Industrieanwendungen müssen jedoch komplexe Vorgänge zwischen unterschiedlichen Maschinen, von unterschiedlichen Herstellern und aus unterschiedlichen Bereichen zu gemeinsamen Arbeitsprozessen perfekt aufeinander abgestimmt werden.

Da diese Herausforderung so wichtig für die Zukunft der Industrie ist, habe ich angefangen, mich nach Unternehmen umzuschauen, die besonders relevant sein könnten. Siemens (WKN: 723610), ABB (WKN: 919730) und KUKA (WKN: 620440) sind einige der bekannteren Namen, die sich der Thematik widmen. Oft sind es jedoch die weniger beachteten Titel aus der zweiten Reihe, die Anlegern womöglich mehr Chancen bieten. Ich meine, mit DÜRR (WKN: 556520) genau solch ein Unternehmen gefunden zu haben.

Was macht DÜRR genau?

Der im MDAX notierte Wert ist laut eigener Angabe einer der weltweit führenden Anlagen- und Maschinenbaukonzerne, tätig an 92 Standorten in 28 Ländern. Produkte, Systeme und Services von DÜRR sind in unterschiedlichen Industrien auffindbar, doch der Großteil des Umsatzes entfällt auf das Geschäft mit Automobilherstellern und -zulieferern. Weitere Abnehmerbranchen sind zum Beispiel die Chemie- und Pharmaindustrie und auch die holzbearbeitende Industrie. Der Konzern ist dabei in fünf Bereiche gegliedert:

  1. Paint and Final Assembly Systems (Lackierereien und Endmontagewerke für die Automobilindustrie)
  2. Application Technology (Robotertechnologien für den automatischen Auftrag von Lack sowie Dicht- und Klebstoffen)
  3. Measuring and Process Systems (Auswucht- und Reinigungsanlagen sowie Montage-, Prüf- und Befülltechnik)
  4. Clean Technology Systems (Abluftreinigungsanlagen und Energieeffizienztechnik)
  5. Woodworking Machinery and Systems (Maschinen und Anlagen für die holzbearbeitende Industrie)

Allein in dieser kurzen Zusammenfassung fällt mir gleich ein Punkt auf, der ein erstes Indiz für den Verfall des Aktienkurses des Unternehmens aufzeigen könnte. Nämlich …

Der Großteil des Umsatzes entfällt auf das Geschäft mit Automobilherstellern und -zulieferern.

Wir schauen uns die Zahlen weiter unten noch einmal genauer an, aber ich meine, dass die hohe Abhängigkeit von der Automobilindustrie wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen hängt. Der Grund ist einfach nachzuvollziehen: Unsere Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen und genießt derzeit nicht den besten Ruf. Ich denke, dieses Thema bedarf einer separaten Analyse, aber es ist nur logisch, dass, wenn ein Unternehmen so stark an einer anderen Branche hängt, der Aktienkurs sich dementsprechend mitentwickelt.

Ein Blick auf die Produktpalette von DÜRR bestätigt, dass die vielen unterschiedlichen Anwendungsbereiche größtenteils auf die Autoindustrie abgestimmt sind. Das soll aber natürlich nicht bedeuten, dass sie nicht auch in vielen anderen Branchen Verwendung finden könnten. Und tatsächlich, auch wenn manche Analysten DÜRR als „Autolackierer“ bezeichnen, kann man an den letzten Übernahmen von DÜRR gut erkennen, dass hier ein Imagewandel früher oder später erfolgen wird.

2014 fand eine Übernahme des Unternehmens Homag im Bereich der Holzverarbeitung statt, und erst kürzlich, im Juni 2018, wurde die Übernahme von Babcock & Wilcox Megtec verkündet, die sich mit umwelttechnischen Anlagen zur industriellen Abluftreinigung beschäftigt. Langfristig wird sich das Unternehmen daher sicher noch in weiteren Feldern umschauen, um sein Kundenspektrum auszubauen und die Abhängigkeit von der Automobilindustrie weiter zu reduzieren. Meiner Ansicht nach ein guter und wichtiger Schritt.

Industrie 4.0 aktiv mitgestalten

Ich bin auf die Aktie von DÜRR gestoßen, weil das Unternehmen an einem branchenübergreifenden Industrie-Cloud-Projekt als Mitgründer beteiligt ist und damit in Fachkreisen viel Aufmerksamkeit erregt hat: das Projekt „ADAMOS“ in Zusammenarbeit mit der Software AG (WKN: A2GS40).

ADAMOS steht für „Adaptive Manufacturing Open Solutions“, und unter dem Oberbegriff „Industrial Internet of Things“ oder „IIoT“ hat man einige namhafte Industrieunternehmen dazu gebracht, sich auf gemeinsame Standards für Vernetzung und die gemeinsame Nutzung eines cloudbasierten Programms zur Systemintegration zu einigen.

Das Potenzial ist gewaltig, denn damit wird eine Grundlage für genau die zuvor beschriebenen Prozesse geschaffen: Perfekt aufeinander abgestimmte Industrielösungen aus verschiedenen Branchen miteinander kombinieren zu können.

Dass es in diesem Bereich noch stark hapert, hat zuletzt zum Beispiel Tesla (WKN: A1CX3T) gezeigt. Elon Musk hatte von Beginn an eine nahezu vollständige Automatisierung seiner Fabriken angestrebt, musste das Ziel jedoch als (derzeit) zu ambitioniert verschieben. Roboter und Industrieanlagen sind derzeit noch nicht in der Lage, ohne menschliche Unterstützung Prozesse aufeinander gut genug abzustimmen, was unter anderem zu den unterschiedlichsten Herausforderungen in der Fertigung des Model 3 geführt hat.

Die Erwartung an ADAMOS schlägt genau in diese Kerbe. Daher ist die aktive Partnerschaft an dem Projekt sinnvoll und vielversprechend. Der Erfolg der Plattform wird aber natürlich an einigen Bedingungen hängen. Zum einen braucht es eine breite Unterstützung und Integration des Projekts von weiteren namhaften Industrieunternehmen. Zum anderen muss ADAMOS aber auch erst noch beweisen, dass es ebendiesen hohen Erwartungen gerecht werden kann.

Die Weichen sind also gestellt und ich persönlich finde es sehr aufbauend und bewerte es positiv, dass das Unternehmen aktiv versucht, die Zukunft zu gestalten, und das Potenzial moderner Technologie richtig erkannt hat. Für dich als Anleger stellt sich nun die Frage, wie und ob dieses Potenzial tatsächlich umgesetzt und genutzt werden kann.

Was sagen die Zahlen

Der Aktienkurs schaut auf den ersten Blick sehr traurig aus, aber dazu gibt es einiges anzumerken. Zum einen wurden am 22. Juni 2018 Bonusaktien im Verhältnis 1:1 ausgegeben. Effektiv ist das also wie ein vollwertiger Aktiensplit zu betrachten. Trotz des derzeit negativen Umfelds auf dem Aktienmarkt sollte der Wert der Aktie eigentlich nach dem Split noch wesentlich niedriger liegen, daher bewerte ich die Entwicklung des Aktienkurses positiv.

Das mag nicht zuletzt an den guten Zahlen liegen. Die Umsätze von Dürr sind von 2014 bis 2017 um rund 44 % gestiegen. Dabei spielt die Autobranche wie zuvor erwähnt eine besonders ausgeprägte Rolle. Rund 55 % der gesamten Einnahmen stammten auch 2017 aus dieser Quelle und bedürfen, wie ich meine, einer weiteren Diversifizierung. DÜRR ist sich dessen bewusst und arbeitet daran, hier Besserung zu schaffen. Die Übernahme des Holzverarbeiters Homag hat bereits kräftig zur Umsatzentwicklung beigetragen und steuerte 2017 rund 33 % zum Gesamtergebnis bei.

Gleichzeitig steckt das Unternehmen kontinuierlich mehr Geld in Forschung und Entwicklung. Das Budget hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Anzumerken ist, dass das dem EBIT dennoch kaum geschadet hat. Dieses kletterte ebenfalls im gleichen Zeitraum um satte 31,5 %.

Der Erfolg des Unternehmens spiegelt sich auch in der Dividende wider, die von 1,65 EUR 2014 auf 2,20 EUR 2017 geklettert ist. Durch den Aktiensplit wird sie dieses Jahr zwar um die Hälfte auf 1,10 EUR gekürzt, das ist jedoch eine rein optische Maßnahme, denn die herausgegebenen Bonusaktien sind voll dividendenberechtigt. Damit entsteht für bisherige Anleger kein Verlust. Mit einer aktuellen Rendite von 2,89 % (am 9. August 2018) ist die Aktie auch für Dividendenjäger interessant.

Schlussfolgerung

DÜRR hat die Zukunftstrends richtig gedeutet und wichtige Schritte unternommen, um bei der nächsten industriellen Revolution mit dabei zu sein. Die Partnerschaft mit der Software AG ist dabei meines Erachtens ein sinnvoller Schritt.

So richtig Begeisterung kommt für die Aktie derzeit in der Öffentlichkeit aber nicht auf, was beim Zustand der Automobilindustrie und der damit vorliegenden Abhängigkeit des Unternehmens logisch erscheint. Auch die Investition in ADAMOS sollte erst Früchte tragen, bevor der Wert des Projekts in die Unternehmensbewertung voll einfließen kann. DÜRR ist hier eine Wette eingegangen, bei der das Ergebnis noch aussteht.

Als potenzieller Anleger solltest du deshalb, wie immer, vor einer Investition dein Risikoprofil prüfen.

Ist DÜRR es wert zu kaufen?

Wenn du in ein Unternehmen wie DÜRR investierst, dann solltest du besser die Zahlen verstehen und was sie dir sagen. Im Spezialbericht "15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen" von The Motley Fool hat Analyst Bernd Schmid, 15 der wichtigsten Bilanzkennzahlen identifiziert, die du benötigst um herauszufinden, ob DÜRR wirklich gut aufgestellt ist oder ob das Unternehmen dabei ist, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Klick einfach hier, um diesen kostenlosen Bericht zu erhalten.

Jakub Piwowarski besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.