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Wann werden sich die Investitionen von NVIDIA in selbstfahrende Autos auszahlen?

Selbstfahrende Autos sollten das nächste große Ding von NVIDIA (WKN:918422) sein, aber das Unternehmen scheint die Initiative in diesem Bereich verloren zu haben, da sich die Konkurrenz verschärft hat.

Der Grafikspezialist hatte viel Aufsehen mit der Technologie erregt, mit der seine Grafikprozessoren (GPUs) die Autos von morgen antreiben könnten, indem sie tonnenweise Daten von auf Fahrzeugen montierten Kameras berechnen. Ein gutes Omen war, als NVIDIA den Elektrofahrzeughersteller Tesla für den Einsatz von Chips für Infotainmentsysteme und digitale Kombi-Instrumente  als Kunde gewinnen konnte. Tesla versprach auch, dass das Unternehmen NVIDIAs Supercomputer für den Autopilot nutzen würde, aber bald darauf ging es bergab.

Was lief schief?

Intel (WKN:855681) hat NVIDIA im vergangenen Jahr das Tesla-Geschäft weggenommen. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass Intel die Chips für Alphabets selbstfahrende Autoabteilung Waymo ist, die mit großem Abstand die Entwicklung selbstfahrender Autos anführt. Daher war die Verwendung von Intel-Chips eine große Bestätigung für Chipzilla und NVIDIA konnte den Vorsprung nicht halten.

Es überrascht nicht, dass das Wachstum des Unternehmens in der Automobilbranche unverändert blieb, als Intel im Rampenlicht stand und entscheidende Partnerschaften einging, um sich diesen Bereich zu erschließen. NVIDIA erwirtschaftete im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019 einen Umsatz von 145 Mio. US-Dollar und lag damit über den 140 Mio. US-Dollar des Vorjahreszeitraums.

Im Nachhinein hat NVIDIAs Versäumnis, Waymo als Kunden zu gewinnen, sich als strategisch wichtiger Fehler herausgestellt, da sich Alphabets Abteilung für selbstfahrende Autos auf eine kommerzielle Markteinführung vorbereitet und plant, den Taximarkt anzugreifen. Dieser Erfolg hätte einen großen Unterschied für NVIDIAs Automobilgeschäft bedeuten können, aber es ist noch nicht zu spät, da selbstfahrende Autos noch nicht die kritische Masse erreicht haben.

NVIDIAs neue Strategie

Wir befinden uns noch am Anfang des Rennens im Bereich selbstfahrende Autos und NVIDIA hat beschlossen, seine Strategie zu ändern, um diesen Markt zu erschließen. Früher konzentrierte sich das Unternehmen auf die Lieferung von Lösungen für Infotainmentsysteme für Fahrzeuge, doch jetzt hat es erkannt, dass dieser Bereich zum Massenprodukt wird.

NVIDIA konzentriert sich jetzt auf den Verkauf von End-to-End-Systemen und integriert sowohl die Hardware als auch die Software in einem einzigen Paket, das sowohl das Fahrzeug als auch die Systeme im Cockpit unterstützt. Das Gute daran: Diese Strategie scheint bei den Automobilherstellern und Zulieferern den richtigen Ton getroffen zu haben, wie die jüngsten Partnerschaften zeigen.

Das Mercedes-Benz Mutterunternehmen Daimler und der Automobilzulieferer Bosch haben beschlossen, die NVIDIA DRIVE Pegasus Computerplattform mit künstlicher Intelligenz zu nutzen, um selbstfahrende Autos zu entwickeln. Konkret werden Bosch und Daimler NVIDIAs Prozessor und GPUs für die Verwaltung eines Netzwerks von elektronischen Steuergeräten (ECUs) in einem autonomen Fahrzeug verwenden. Hinzu kommt die KI-Software des Grafikspezialisten, um den autonomen Algorithmus auszuführen und das Fahrzeug autonom zu betreiben.

Die Allianz beabsichtigt, in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 mit der Erprobung autonomer S-Klasse-Limousinen auf kalifornischen Straßen zu beginnen und in den nächsten fünf Jahren Fahrzeuge mit Level-4- und Level-5-Automatisierungsfunktionen auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus haben Bosch und Daimler im April bekannt gegeben, dass sie mit ihren völlig autonomen Fahrzeugen den Taximarkt erschließen wollen.

Das ist eine gute Nachricht für NVIDIA, denn diese Partnerschaft könnte die Eintrittskarte in eine schnell wachsende Branche sein, die sich laut Goldman Sachs bis 2030 verachtfachen soll. Aber das ist nicht der einzige Weg, wie NVIDIA eine Delle im aufkeimenden Taximarkt machen könnte, da die selbstfahrende Plattform des Unternehmens Anfang des Jahres Uber als Kunden bekam.

Uber hat 24.000 Volvo-SUVs bestellt, um eine Flotte von autonomen Taxen zu bauen, deren Auslieferung zwischen 2019 und 2021 erwartet wird. Es ist wahrscheinlich, dass sie das NVIDIA-System enthalten werden.

NVIDIA arbeitet auch mit anderen Automobilherstellern wie Audi zusammen, um bis 2020 ein selbstfahrendes Auto auf die Straße zu bringen. Daimler und Bosch könnten fünf Jahre brauchen, um ein Level-4- oder Level-5-fähiges Auto auf die Straße zu bringen, vorausgesetzt, es gibt keine Pannen. Bei Uber wird das wohl nicht vor 2021 stattfinden.

Zum Vergleich: Intel scheint besser in der Lage zu sein, die Träume von selbstfahrenden Autos zu verwirklichen, da Waymo noch vor Ende 2018 einen kommerziellen Start plant und die Flotte des Unternehmens bis 2020 vergrößern will. Daher werden die Probleme von NVIDIA weitergehen, bis einer der Kunden des Unternehmens beginnt, selbstfahrende Autos in Masse zu produzieren, und das wird in den nächsten zwei oder drei Jahren wohl kaum der Fall sein.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien), NVIDIA und Tesla.

Dieser Artikel wurde von Harsch Chauhan auf Englisch verfasst und 09.08.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.