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Uniper spricht über Herausforderungen und Rückschläge, aber schweigt zu seinen Wachstumsplattformen

Bild: Uniper Mediathek

Uniper (WKN:UNSE01) hat an vielen Fronten zu kämpfen und spricht die schwierigen Themen offen an. Kaum zur Sprache kamen im Halbjahresbericht hingegen die wichtigen Zukunftsprojekte. Zunächst muss die Gegenwart in Ordnung gebracht werden.

Die Probleme stehen im Vordergrund

Der abgebrannte russische Kraftwerksblock Berjosowskaja 3 bringt in diesem Jahr keine Erträge. Von der Versicherung gab es im Mai 2017 lediglich eine Einmalleistung und die Wiederinbetriebnahme ist erst im Spätsommer oder Herbst 2019 geplant. Schäden an der Kesselanlage gab es auch beim umstrittenen Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Als der Bau 2007 in die Wege geleitet wurde, erschien es noch wie ein Modernisierungsprojekt. Nun verzögert es sich weiter und soll erst Mitte 2020 hochgefahren werden.

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Dabei setzt der Kohleausstieg nicht nur in Deutschland, sondern in praktisch ganz Europa bereits ein. In Frankreich, wo sowieso die Kernkraftwerke dominieren, wird vielleicht schon 2021 Schluss sein. Uniper könnte so bald die Geschäftsgrundlage im Nachbarland entzogen werden und auch in den Niederlanden arbeitet die Politik gerade an ihrer Ausstiegsstrategie. Uniper hofft, bis 2029 Zeit zu bekommen, rüstet sich aber auch für einen Rechtsstreit. Genauso läuft in Deutschland die Lobby-Arbeit auf Hochtouren, um Sonderabschreibungen und Massenentlassungen abwenden zu können.

Ein weiteres Projekt, das aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, ist die Pipeline Nord Stream 2. Dort wurden bereits so viel Planungsarbeit und Ressourcen hineingesteckt, dass es eigentlich kein Zurück mehr gibt. Trotzdem lasten die geopolitischen Spannungen auf der Realisierung, sodass mit weiteren Verzögerungen zu rechnen ist.

Nun brockte sich der Konzern auch noch mit misslungenen Absicherungsgeschäften gut eine Milliarde Verlust ein, der nur teilweise durch ein ordentliches Betriebsergebnis aufgefangen werden konnte. Hinzu kommt eine signifikante Erhöhung der Schulden aufgrund von neuen Rechnungslegungsstandards und einer Steigerung der erforderlichen Sicherheitsleistungen. Also wenn du mich fragst, dann muss ich sagen, dass es nicht wirklich Spaß gemacht hat, den Halbjahresbericht und die zugehörige Präsentation durchzublättern.

Die Chancen bleiben im Hintergrund

Dass die Aktie trotzdem nicht abgestürzt ist, lag zum einen daran, dass vieles davon bereits im Voraus bekannt war und zum anderen, dass es auch ein paar positive Entwicklungen gibt. Konkret erwähnt wurde zum Beispiel, dass die Implementierung der Strategie auf gutem Wege sei und der Ausblick mit rund 1 Mrd. Euro bereinigtem Betriebsgewinn bestehen bleibt. Auch die geplanten steigenden Dividendenzahlungen werden weiterhin versprochen.

Ein neues Standbein wittert das Management im Bereich Industrielösungen. Dort konnten langfristige Großaufträge an Land gezogen werden und es besteht die Hoffnung auf weiteres Wachstum. Auch bei der geplanten Modernisierung des alternden russischen Kraftwerksparks will man mitmischen. Weitere spannende Themen kamen jedoch diesmal nicht zur Sprache.

Dabei arbeitet Uniper an einigen überaus aussichtsreichen Dingen. Ich denke da zum Beispiel an das Geschäft rund um die Flüssigerdgas-Betankung, welches unter dem Label LIQVIS läuft. Das aktuell vielleicht noch relativ unbedeutende Geschäftsvolumen könnte schon in wenigen Jahren ein großer Umsatzbringer sein.

Ähnlich sieht es beim Engagement bezüglich Power-to-Gas aus, wo Uniper mit Partnern aus Industrie und Forschung derzeit an mehreren Standorten neue Konzepte testet. So soll etwa mit überschüssigem Windstrom zunächst Wasserstoff erzeugt und dieser dann zu Methan reformiert werden. Gelingt dies zu wirtschaftlichen Kosten, dann wäre wahrscheinlich ein großes Problem der Energiewende gelöst — und Uniper kann als führender Gashändler eine zentrale Position in dem Geschäft einnehmen.

Was ich daraus mache

Es gibt sie also, die Lichtblicke am Horizont. Das Uniper-Management scheint aktuell jedoch noch mit dem herkömmlichen Geschäft gut ausgelastet zu sein, bevor es neue visionäre Initiativen mit mehr Nachdruck verfolgen kann. 2, 3 und 4 müssen erst einmal in Ordnung gebracht werden: Nord Stream 2, Berjosowskaja 3 und Datteln 4. Parallel geht es darum, den Schaden im Rahmen des Kohleausstiegs zu minimieren. Erst dann wird der Blick nach vorne wieder klarer.

Vielleicht ist es also nicht so schlecht, sich bei den Innovationsthemen erst einmal in Ruhe in Stellung zu bringen, ohne waghalsige Investitionen anzustoßen. Andererseits ist mir als Aktionär schon wichtig, dass es auf diesen Feldern in absehbarer Zukunft Erfolgsmeldungen gibt. Auch die größte Cash-Cow — zu der Uniper sich hoffentlich weiterhin entwickelt — sollte zumindest etwas Wachstumsphantasie versprühen.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Uniper. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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