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TecDAX: Die große Verzerrung kommt, aber es gibt Alternativen

Bild: Ralf Anders

Die große Index-Reform nähert sich mit großen Schritten. Ab dem 24. September gilt eine neue Systematik. Was gut für DAX, MDAX und SDAX ist, könnte für den TecDAX zum Problem werden. Wachstumshungrige Anleger, die gerne mit ETFs oder Indexzertifikaten streuen, werden sich woanders umschauen müssen.

Es ist nicht mehr so wie früher

Früher war der TecDAX eine Ansammlung von vielen aufregenden Börsenstorys: Würde Wirecard (WKN:747206) sich als Zahlungsdienstleister durchsetzen und immer weiter wachsen? Wird es Nemetschek (WKN:645290) gelingen, den weltweiten Standard bei Bau- und Architektur-Software zu setzen? Kann Xing (WKN:XNG888) die Internationalisierung erfolgreich bewältigen? Wird Evotec (WKN:566480) der nächste Biotech-Gigant?

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Diese Zeiten sind wohl bald endgültig vorbei. Bereits jetzt sind viele dieser Storys praktisch zu Ende erzählt und ich tendiere fast dazu, sie als „Langweiler“ abzustempeln, die eher ein solides Dividendenportfolio schmücken, als ein auf Turbowachstum ausgerichtetes Depot. Werte wie etwa United Internet (WKN:508903) haben sich längst bequem in einer profitablen Nische eingerichtet. Da wird nur noch in Randaktivitäten größeres Risiko eingegangen.

Nun sind verlässliche Erträge natürlich nichts Schlechtes, aber brauche ich dafür den TecDAX? Jetzt mit der großen Index-Reform wird der Effekt voraussichtlich eher noch stärker.

Was sich im September ändert

Die Tatsache, dass sich viele bisherige TecDAX-Unternehmen zukünftig auch in den „Mainstream“-Indices der DAX-Familie wiederfinden werden, wird dort also kaum einen Unterschied machen, weil sich das Risikoprofil meistens nicht sonderlich unterscheidet.

Beim TecDAX hingegen bekommen in Zukunft voraussichtlich auch Konzerne wie SAP (WKN:716460) und die Deutsche Telekom (WKN:555750) ein zweites Zuhause. Ich finde, das sind durchaus attraktive Aktien, aber mit der ursprünglichen Idee von „Tech“ – also risikoreiches und schnell skalierendes Wachstum mit neuartigen Technologien und Geschäftsmodellen – haben die nach meiner Einschätzung nicht mehr viel zu tun. Da müsste man schon sehr weit ausholen und Initiativen wie den starken Wagniskapitalarm Deutsche Telekom Capital Partners oder die Internet-der-Dinge-Plattform SAP Leonardo heranziehen.

Insofern sind die beiden schon ein bisschen „tekkie“ unterwegs, aber das ändert nichts daran, dass sie im Kern solide Value- oder Dividendenwerte sind. Trotzdem wird der zukünftige TecDAX von eben solchen Giganten dominiert werden. Schließlich bleibt er ein gewichteter Index und je größer und wertvoller ein Unternehmen, desto mehr Einfluss übt es auf die Kursentwicklung aus. Meine Erwartung ist daher, dass die Schwankungsbreite abnehmen wird.

Die große Verzerrung kommt, aber Abhilfe naht

Dass die großen Indexmitglieder den Index stabilisieren werden, bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass einige der hochgeputschten Werte in Zukunft nahezu unbemerkt einbrechen können. Schließlich ist eine Nemetschek, die sich über die letzten 5 Jahre mehr als verzehnfacht hat, mit ihren heute knapp 5 Mrd. Euro Börsenwert immer noch um eine Größenordnung kleiner als die zukünftigen Dickschiffe. Daran sieht man, wie stark sich der Charakter des Indexes ändern wird.

Wenn du also in Zukunft auf vielfältige spannende Börsenstorys setzen willst, dann bist du bei diesem Index wahrscheinlich an der falschen Adresse. Dann musst du entweder den Weg über Einzelinvestments gehen oder dich woanders umschauen. Du könntest beispielsweise bei Zertifikaten oder ETFs fündig werden, die sich auf einen Korb von echten Wachstumswerten fokussieren und diese eventuell sogar gleichgewichten.

Vielleicht wird auch der kleinere Scale-30-Index bald besser investierbar. Dort geht es noch richtig bunt zu. Vor einem Investment solltest du dich aber gut damit vertraut machen, ob die dort versammelten Unternehmen wirklich zu deinem Anlagestil passen. In diesem Einstiegssegment finden sich nämlich auch Beteiligungsgesellschaften, Immobilieninvestoren und solide Maschinenbauer sowie einige echt kuriose Geschäftsmodelle.

So oder so gehe ich davon aus, dass die stets umtriebigen Emittenten von Zertifikaten und ETFs für Abhilfe sorgen werden, um diejenigen Investoren, die dem TecDAX den Rücken kehren, mehr attraktive Alternativen zu bieten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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