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3 Top-Aktien, die die Wall Street übersieht

Foto: Getty Images

„Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Obwohl dieses einfache Sprichwort lange vor dem Aufkommen des modernen Investierens entstand, enthält es eine wichtige Lektion: Manchmal müssen die Investoren über die Schlagzeilen hinaus schauen, um die besten Gelegenheiten zu finden. Mit einer Welt voller Möglichkeiten ist es leicht, sich auf die Unternehmen zu konzentrieren, von denen wir am häufigsten hören oder lesen, doch dann übersehen wir vielleicht auch verborgene Juwele.

Um Gelegenheiten zu finden, die etwas abseits der ausgetretenen Pfade liegen, haben wir drei Motley-Fool- Investoren gebeten, Top-Unternehmen auszuwählen, von denen sie glauben, dass die Investoren diese verpassen könnten. Sie boten überzeugende Argumente für Stanley Black & Decker (WKN:A1CTQA), Kinder Morgan  (WKN:A1H6GK) und Tencent Holdings (WKN:A1138D).

Das richtige Werkzeug

Demitri Kalogeropoulos (Stanley Black & Decker): Dieser Werkzeugspezialist hat den Markt im Jahr 2018 bisher hinter sich gelassen, vor allem aber wegen kurzfristiger Bedenken. Stanley Black & Decker senkte Ende April seinen Gewinnausblick aufgrund einer einmaligen Steuerbelastung. Auch im ersten Quartal ist die Gewinnspanne aufgrund steigender Rohstoffkosten, darunter Stahl und Aluminium, gesunken.

Das Wachstumstempo des Unternehmens ist jedoch weiterhin hoch. Der organische Umsatz stieg im letzten Quartal um 4 %, während die jüngsten Übernahmen, wie das Segment Nelson Fastener Systems, weitere 6 % zum Umsatzwachstum im ersten Quartal beitrugen.

CEO James Loree und sein Team sind auf der Suche nach weiteren Marken, um das Portfolio des Unternehmens im Bereich Consumer- und Industriewerkzeuge zu erweitern. Die Investoren können daher erwarten, dass Übernahmen eine wichtige Rolle in der Wachstumsstrategie von Stanley Black & Decker spielen werden. Ungeachtet der kurzfristigen Gewinneinbußen aufgrund der Aluminiumpreise sollte das Unternehmen den organischen Umsatz um 5 % erhöhen und das bereinigte Ergebnis 2018 um 11-14 % steigern.

Besser noch, das Unternehmen wird wahrscheinlich 100 % seiner Gewinne in freien Cashflow umwandeln, was dem Management genügend Ressourcen zur Verfügung stellen sollte, um höhere Dividenden und vermehrte Aktienrückkäufe zu tätigen, wenn sich das Ergebnis verbessert.

Rohr-Träume

John Bromels (Kinder Morgan): Was muss Kinder Morgan, der weltgrößte Pipeline-Besitzer, tun, damit die Wall Street aufmerksam wird? Ein herausragendes Q1 2018 melden? Erledigt. Die Dividende um 60 % erhöhen? Erledigt. Eine Viertelmilliarde US-Dollar an Aktien zurückkaufen? Die Unternehmen hat das alles getan – und noch mehr – und doch werde die Aktien immer noch auf nahezu historischen Tiefständen gehandelt.

Die Wall Street ist bärisch gewesen, seit das Management im Jahr 2016 eine (vermutlich notwendige) Kürzung der vierteljährliche Dividende von 0,51 US-Dollar auf 0,125 US-Dollar pro Aktie unternommen hatte. Im Jahr 2017 hinkte der Aktienkurs des Unternehmens dann den Konkurrenten hinterher, auch wenn das Unternehmen seine strategischen Pläne eingehalten hat.

Schließlich brachte Kinder Morgan im ersten Quartal 2018 mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar an Cashflow ein — 804 Mio. US-Dollar mehr, als es für die Auszahlung seiner erhöhten Dividende benötigte. Die Erdgastransportmengen stiegen um 10 % und die Ergebnisse aus Erdgasleitungen um 6 %. Ernsthaft, was muss ein Unternehmen noch tun?

Kinder Morgan muss wahrscheinlich härter an der Bereinigung seiner Bilanz arbeiten. Das war einer der Gründe für die Dividendenkürzung im Jahr 2016. Die Verschuldung des Unternehmens liegt aber immer noch bei dem 6,2-fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), das gegenüber dem 6,9-fachen Anfang 2017 rückläufig, aber immer noch sehr hoch ist. Das Management zieht es natürlich vor, sich das Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA anzusehen, das mit 5,05 besser ist. Das Unternehmen hat aber hier noch viel zu tun.

Noch wird Kinder Morgan günstiger als seine Konkurrenten mit einem Rabatt auf Unternehmenswert-zu-EBITDA-Grundlage gehandelt. Mit der neuen Outperformance und den laufenden Schuldenreduzierungsbemühungen macht es das Unternehmen zu einer Top-Investition für die Investoren, die die Wall Street schlagen wollen.

Ein chinesisches Juwel

Danny Vena (Tencent): Nach Angaben des National Bureau of Economic Research stellen US-amerikanische Unternehmen 90 % der Anteile des durchschnittlichen Aktienportfolios der US-Investoren dar — obwohl US-Aktien nur 49 % des Weltmarktes ausmachen. Indem sie sich nicht weit weg von ihrem Heimatland wegbewegen, verpassen die Investoren möglicherweise beeindruckende Gewinne.

Eine dieser Gelegenheiten ist Tencent Holdings. Während das Unternehmen in den USA nicht sehr bekannt ist, ist es in China als Besitzer von WeChat (auch Weixin genannt), der beliebtesten Messaging-App im Reich der Mitte mit mehr als 1 Milliarde Nutzern, ein großer Name.

Es gibt keine vergleichbare App in den USA, da es Social Networking, Messaging, Mobile Game und Payment in einer einfach zu bedienenden Plattform vereint. Darüber hinaus verfügt es über eine integrierte standortspezifische Funktionalität, die es den Nutzern ermöglicht, Essen zu bestellen, Fahrten zu planen und sogar für Flüge einzuchecken — alles ohne die App verlassen zu müssen.

Damit nicht genug, ist Tencent — gemessen am Umsatz — der größte Videospielverlag der Welt. Honor of Kings ist mit 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern Chinas Spitzenreiter. Ein weiterer Franchise des Unternehmens, League of Legends, hat sich im Jahresvergleich zu einem der weltweit führenden E-Sport-Titel entwickelt und zieht immer wieder neue Nutzer an. Das ist eine beeindruckende Leistung für ein Spiel, das 2009 veröffentlicht wurde. Das Unternehmen besitzt auch eine 40-prozentige Beteiligung an Epic Games, dem Herausgeber des Riesenhits Fortnite.

Tencent ist auch selbst ein begeisterter Investor, der seit 2013 277 Start-ups finanziert und sich allein im Jahr 2017 an 80 öffentlichen und privaten Unternehmen beteiligt hat. Tencent hält somit Anteile an renommierten Unternehmen wie Activision Blizzard (5 %), Tesla (5 %), Spotify (Aktientausch, weniger als 10 %) und Snap, dem Mutterunternehmen von Snapchat (12 %). Das Unternehmen hat in den letzten Jahren schätzungsweise 25 Milliarden US-Dollar für den Kauf von Anteilen an anderen Unternehmen ausgegeben.

Tencent produziert für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 475 Milliarden US-Dollar ein beeindruckendes Wachstum. Das entspricht einer Umsatzsteigerung um 48 % im letzten Quartal im Jahresvergleich — zusätzlich zu dem Wachstum von 55 % aus dem vorhergehenden Jahresvergleich. Das war also keine einmalige Sache.

Die Wall Street lässt dieses chinesische Juwel weiterhin außer Acht, doch du solltest es nun besser wissen.

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Dieser Artikel wurde von Danny Vena, John Bromels und Demitrios Kalogeropoulos auf Englisch verfasst und am 01.06.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. 

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Activision Blizzard, Kinder Morgan, Tencent Holdings und Tesla.

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