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Versprechen und Gefahren von Cannabis-Aktien – erklärt in nur einer Pressemitteilung

Foto: Getty Images

Diese Woche könnte sich die Branche rund um legal erwerbbares Cannabis im großen Stil für immer verändern. In Kanada stimmt der Senat am 7. Juni über die Bill C-45 ab, und man erwartet ein positives Resultat. Cannabis könnte also schon bald als Freizeitdroge dort zugelassen werden. Wenn das Gesetz in Kraft tritt, könnte der legale Verkauf von Cannabis bereits im August oder September beginnen.

Was würde der Verkauf von Cannabis an Erwachsene für die kanadische Cannabis-Industrie bedeuten? Verschiedene Schätzungen gehen davon aus, dass die ohnehin schnell wachsende Branche um 5 Milliarden Dollar oder mehr wachsen wird. Dieses würde noch zu dem dazukommen auf, was Züchter z.Z. von den medizinischen Marihuanaverkäufen und über Exporte zu den Ländern reinholen, in denen medizinisches Cannabis zugelassen ist.

Infolge dieser erwarteten Legalisierung haben die kanadischen Landwirte ihre Produktionskapazitäten in rasantem Tempo ausgebaut. Diese Landwirte wollen sicherstellen, dass ihnen möglichst viel Produktion zur Verfügung steht, wenn sie grünes Licht erhalten, in der Hoffnung, langfristige Lieferverträge mit Provinzen und/oder Einzelhändlern zu sichern und emotionale Markenbindungen mit den Konsumenten zu schmieden.

Das Versprechen der Marihuanaproduktion in Kanada

In der vergangenen Woche kamen noch Emerald Health Therapeutics (WKN:A14VKJ) und Village Farms International dazu an und gaben in einer Pressemitteilung bekannt, dass ihr 50-50 Joint Venture, bekannt als Pure Sunfarms, in die kommerzielle Produktion gegangen sei. Ihre Pressemitteilung war voller Optimismus und zählte auf, was Pure Sunfarms alles zu leisten vermag, enthielt aber auch eine erschreckende Prognose, mit der sich die kanadische Marihuana-Industrie unbedingt beschäftigen muss.

Der Zusammenschluss von Emerald Health Therapeutics und Village Farms International war klug, da der Bau neuer Gewächshäuser von null auf ein kostspieliges und zeitraubendes Unterfangen ist. Village Farms, ein Erzeuger von Gemüse (Tomaten, Gurken und Paprika), verfügt bereits über bestehende Gewächshausanlagen.

Am 14. Mai erhielt Pure Sunfarms eine Änderung seiner Anbaugenehmigung, die eine kommerzielle Produktion im großen Stil erlaubt. Das 1,1 Millionen Quadratmeter große Delta-3-Gewächshaus, das im Jahr 2020 bei voller Produktion 75.000 Kilogramm getrocknetes Cannabis aufnehmen können soll, soll bis Juli eine Fläche von 250.000 Quadratmetern aufweisen, bis September weitere 250.000 Quadratmeter und bis Ende des Jahres dann fertig gestellt sein.

Laut Village Farms wird die Umstellung von Tomaten auf Cannabis im Gewächshaus Delta 3 den Umsatz pro Quadratmeter Wachstumskapazität um das 10- bis 15-fache steigern. Auch die „EBITDA-Margen steigen von derzeit mittleren einstelligen Prozentsätzen auf 50 % oder mehr bei Cannabis“. Wenn die 3,7 Millionen Quadratmeter des angrenzenden Landes zu Delta 3 auch für die Marihuana-Produktion gebaut wird, wären Emerald Health und Village Farms in der Lage, etwa 300.000 Kilogramm pro Jahr zu produzieren. Basierend auf sehr flüssigen Produktionszahlen innerhalb der Branche wäre die dritthöchste Produktion in Kanada. Natürlich würde es auch Jahre dauern, bis die volle Produktionskapazität erreicht ist, wenn Pure Sunfarms expandieren würde.

Jetzt aber zum Risiko

Doch so vielversprechend die Cannabis-Branche in Kanada auch erscheinen mag, es gibt Risiken. Die gleiche Pressemitteilung, in der die Vorteile der Cannabisproduktion bei Delta 3 hervorgehoben werden, weist ebenfalls auf eine ernste Besorgnis hin. Hier der Auszug aus der Pressemitteilung, der die Cannabis-Anbauer und deren Investoren beunruhigen sollte:

„Das Unternehmen plant, dass Pure Sunfarms den Umsatz pro Quadratmeter wachsender Kapazität um das 10- bis 15-fache steigern wird, indem es von Gemüse auf Cannabis umsteigt. Die EBITDA-Margen sollten von derzeit mittleren einstelligen Prozentsätzen auf 50 % oder mehr bei Cannabis steigen. Das Unternehmen bestätigt, dass es sich dabei um vorsichtige Zahlen handelt, ebenso wie die Produktionsschätzungen. Das langfristige Umsatzmodell basiert auf einem Cannabis-Verkaufspreis von 2 Dollar pro Gramm, was derzeit deutlich unter dem Markt liegt, aber wir und viele Experten sind überzeugt, dass sich dort in den kommenden Jahren der Preis für Cannabisblüten einpendeln wird.“

Der erste Teil ist eine gute Nachricht. Aber: ein Teil des langfristigen Umsatzmodells des Unternehmens geht davon aus, dass die Preise für getrocknetes Cannabis langfristig auf 2 Dollar pro Gramm sinken. Das ist schlecht…. wirklich, wirklich schlecht. Unter der Annahme, dass diese Zahl in US-Dollar angegeben wird, da Village Farms seine Betriebsergebnisse in US-Dollar veröffentlicht und diese Pressemitteilung von Village Farms verbreitet wurde, sprechen wir von einem Rückgang der Cannabispreise von derzeit etwa 6,65 Dollar pro Gramm auf 2 Dollar pro Gramm in Kanada auf lange Sicht. Das wirkt sich natürlich auf die Margen von Landwirten aus.

Es unterstreicht auch die Bedeutung der Diversifizierung des Anbaus über das reine getrocknete Cannabis hinaus. So sind beispielsweise Cannabisöle und -extrakte ein Nischenprodukt. Sie verfügen aber auch über einen durchgängig höheren Preispunkt. Das bedeutet, dass sie wahrscheinlich eine höhere Marge als getrocknetes Cannabis haben werden. Solange Pure Sunfarms keine Anstrengungen unternimmt, um mehr Vielfalt in seine wachsenden Betriebe zu bringen, könnten Emerald Health und Village Farms, selbst mit den neu gewonnenen Größenvorteilen, bei getrocknetem Cannabis zu kämpfen haben.

So verlockend die Pot-Aktien auch erscheinen mögen, es wäre wahrscheinlich klug, die Branche erst ein wenig reifer werden zu lassen, bevor man überhaupt in Erwägung zieht, dort ernsthaft Geld zu investieren.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 31.5.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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