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Was General Electric für seine Aktionäre jetzt tun muss

Foto: The Motley Fool.

Bislang war es kein tolles Jahr für Anleger von General Electric (WKN:851144) — der Aktienkurs ist Stand 22.5. fast 19 % gefallen. Allerdings sind die Aktien im letzten Monat sogar um 9 % gestiegen. Es ist zwar keine gute Idee, auf kurzfristige Kursbewegungen zu hoffen, aber dieser Aufschwung verdeutlicht die Chance, dass GE im Jahr 2018 eine Value-Aktie sein könnte.

In Anbetracht dieser Möglichkeit überprüfen wir hier doch mal, was für GE heute richtig läuft, was schief läuft, und was Investoren von dem Unternehmen wissen müssen, bevor sie guten Gewissens ihr Geld anlegen.

General Electrics’ Vorteile

Obwohl GE nach dem ersten Quartal des Jahres 2018 an der unteren Grenze der EPS-Prognose von 1 bis 1,07 Dollar lag, zeigt ein genauerer Blick auf den Ergebnisbericht für das erste Quartal einige wichtige positive Trends.

  • Man erwartet, dass die Kostensenkungen das im November gesetzte Ziel von 2 Milliarden Dollar übertreffen werden.
  • Gute Erträge in den Segmenten Flugzeuge und Gesundheit soll Ergebnisrückgänge im Bereich Energie ausgleichen.
  • CEO John Flannery sagte, dass GE in Gesprächen zu Veräußerungen von Assets war. Das Unternehmen hatte Versprochen, Assets im Wert von 20 Milliarden Dollar zu veräußern. Bis Juni will man eine Entscheidung getroffen haben, wie man weiter mit dem Segment Transport verfährt.
  • Das Management kündigte Pläne zur Umstrukturierung des Betriebssystems von GE an.

Zusätzlich ist denkbar, dass der steigende Ölpreis – derzeit bei über 70 Dollar pro Barrel – die Aussichten für Baker Hughes (WKN:872933) verbessern wird. Die befinden sich mehrheitlich im Besitz und unter der Kontrolle von GE. Tatsächlich ist der Aktienkurs des Ölfeld-Dienstleistungsriesen wohl deswegen gestiegen. Die Zahl der Bohrinseln in den USA ist ebenfalls gestiegen – all das sind gute Nachrichten für GE.

Trotzdem ist die Guidance noch unsicher

Und dennoch geben Flannery und CFO Jamie Miller eine eher bescheidene Prognose vor. Der Gewinn des Strom-Segments dürfte im Jahr 2018 um 500 Millionen Dollar niedriger sein wird als bisher angenommen — was einem EPS-Schnitt von etwa 0,05 Dollar entspricht.

Das deutet darauf hin, dass es nicht gerade einfach sein wird, die EPS-Guidance für 2018 zu erreichen. Aber die verbesserten Bedingungen für Baker Hughes dürften die Ergebnisse von GE mit nach oben ziehen, aber das eigentliche Problem ist die anhaltende Verschlechterung der Märkte des Energiesegments.

Was passiert beim Energiesegment?

Sowohl die derzeitigen als auch die früheren Führungskräfte von GE haben die Verschlechterung der Nachfrage nach Gasturbinenausrüstung und -services unterschätzt. Diese Schwäche wird durch eine Kombination aus stagnierender Stromnachfrage, steigender Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromerzeugung und sinkenden Kosten für die Energiespeicherung (was erneuerbare Energien zu einer rentableren Option macht) verursacht.

Diese Schrumpfung in den Endmärkten ist besonders problematisch, da GE Power auf eine deutlich höhere Nachfrage ausgerichtet war. Das Unternehmen macht Fortschritte bei der Kostensenkung, aber wie Miller sagte: „… was man sieht ist ein Fortschritt, der nicht so schnell durch den Fortschritt der neuen Aufträge ersetzt wird. Also, das Energiesegment sieht in diesem Jahr aus wie etwas, was man sich in der zweiten Jahreshälfte noch einmal anschauen sollte.“

Die Marktnachfrage nach Heavy-Duty-Gasturbinen (HDGT) ging von 48 Gigawatt im Jahr 2016 auf nur noch 34 Gigawatt im Jahr 2017 zurück (der ehemalige CFO Jeff Bornstein hatte für 2017 eine Nachfrage von 40 Gigawatt prognostiziert), und GE plant nun einen Jahresbedarf im Bereich von 30 Gigawatt bis 34 Gigawatt. Leider hat Flannery in der Ergebnispräsentation des ersten Quartals dargelegt, dass der Markt in den letzten sechs Monaten tatsächlich zu einer jährlichen Nachfrage von weniger als 30 Gigawatt tendiert hat.

Was das alles für GE Power bedeutet

Die Auswirkungen auf GE zeigen sich in den informellen Leitlinien für HDGTs, Aeroderivate (kleinere Turbinen aus Flugzeugtriebwerken) und Advanced Gas Path (AGP) Lösungen. AGPs sind Upgrades für bestehende Turbinen, und sie waren so erfolgreich, dass sie laut dem CEO von GE Power, Russell Stokes, dafür verantwortlich waren, dass die Nachfrage nach neuen Turbinen gesunken ist.

GE begann 2017 mit der Erwartung, zwischen 155 und 165 AGP-Einheiten und rund 96 Aeroderivate auszuliefern – am Ende waren es nur 80 bzw. 40. Die HDGT-Lieferungen von 102 Stück entsprachen jedoch dem ursprünglichen Zielbereich von 100 bis 105 Stück. Was dieses Jahr anbelangt, so fasst die folgende Tabelle die Trends der informellen Leitlinien von GE zusammen.

Energiegewinnungssystem Prognose für verkaufte Einheiten für 2018, Stand Nov. 2017
Prognose für verkaufte Einheiten für 2018, Stand Jan. 2018 Prognose für verkaufte Einheiten für 2018, Stand April 2018
Advanced Gas Path Solutions 30 bis 50 40 keine
Heavy Duty Gas Turbines 65 bis 75 60 bis 70 50 bis 55
Aeroderivatives keine 30 bis 40 20 bis 30

Quelle: GEs Unternehmenspräsentation. Tabelle vom Autor

Das Wichtigste, was GE jetzt tun muss

Das Management von GE hat eine Menge vor sich. Von der Veräußerung von Vermögenswerten bis hin zur Sicherstellung einer ausreichenden Liquidität für die Restrukturierung des Unternehmens und die Ausschüttung der Dividende sind die Herausforderungen ungebrochen. In der Zwischenzeit droht dem Unternehmen eine SEC-Untersuchung der Rechnungslegungsgrundsätze, und das Management muss das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.

Doch selbst wenn die meisten oder alle diese Strategien erfolgreich sind, muss GE sein Energiesegment stabilisieren. Investoren werden ja sehen was passiert, wenn GE aufhört, seine Prognose für das Energiesegment zu reduzieren. Allerdings wird es nicht einfach sein, die Umsätze aus diesem Bereich zu stabilisieren. Miller erwartet, dass es eine „Sache der zweiten Jahreshälfte“ wird, aber die Nachfragetrends lassen etwas anderes vermuten. Unabhängig davon würden zusätzliche Einschnitte beim Umsatz von GE Power das Ergebnis je Aktie und den Cashflow des Konglomerats erheblich gefährden.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Lee Samaha erschien am 22.5.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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