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Facebook und Blockchain, endlich vereint? Eher nicht

Foto: Getty Images

Die Revolution der digitalen Währungen stand im Jahr 2017 im Mittelpunkt, wobei die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptos um fast 600 Milliarden Dollar in die Höhe schoss. Prozentual gesehen war die Wertsteigerung von über 3.300 % bei den Krypto-Währungen wahrscheinlich die größte einjährige Performance in der Geschichte einer Anlageklasse, und man kann davon ausgehen, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholt.

Was ist eine Blockchain, und warum wurde sie entwickelt?

Im Mittelpunkt dieser Rallye stand das Aufkommen der Block-Technologie. Das ist ein digitales, verteiltes und dezentrales Verzeichnis, das den meisten Krypto-Währungen zugrunde liegt und für die Verarbeitung von Transaktionen und/oder die Erfassung von Daten ohne einen Finanzintermediär zuständig ist. Noch einfacher gesagt, ist es eine brandneue Möglichkeit, Geld ohne herkömmliche Banknetzwerke zu überweisen und Daten auf eine transparente, aber unveränderliche Art und Weise zu speichern. Dieser letzte Punkt ist erwähnenswert, da Blockchain genauso viele (wenn nicht sogar mehr) Anwendungen in Branchen außerhalb der Finanzindustrie hat.

Blockchain wurde aufgrund der wahrgenommenen Mängel in den bestehenden Bankennetzwerken entwickelt. Insbesondere die Bearbeitungszeiten von Transaktionen, vor allem bei grenzüberschreitenden Überweisungen, können bis zu fünf Werktage in Anspruch nehmen, um abgewickelt zu werden. Natürlich waren die Banken, die bei Transaktionen als Dritte auftreten und Gebühren erheben, weil sie nichts anderes tun, als Transaktionen in ihren Netzwerken zuzulassen, den Entwicklern gegenüber nicht gerade fröhlich gestimmt.

Die Blockchain-Technologie zielt darauf ab, einige dieser Schlüsseldefizite zu beheben, indem sie drei Lösungen auf den Tisch bringt. Erstens ist die Blcokchain dezentralisiert, was bedeutet, dass die Daten nicht an einem zentralen Ort, sondern auf Computern auf der ganzen Welt gespeichert werden. Diese Sicherheitsfunktion stellt sicher, dass keine einzelne Einheit, einschließlich Cyberkriminelle, die Kontrolle über ein Netzwerk erlangen kann.

Zweitens: Blockchain vereinfacht Transaktionen, beteiligt sind nur noch Sender und Empfänger von Geldern. Durch die Verarbeitung von Transaktionen in Blockchain-Netzwerken wird die Bank und ihre Transaktionsgebühr aus der Gleichung herausgenommen. Dies bietet die Möglichkeit, die Gesamttransaktionsgebühren stark zu senken.

Letztlich können Blockchain-basierte Transaktionen in Echtzeit validiert und abgerechnet werden, selbst in Fällen, in denen Gelder international fließen. Diese Geschwindigkeit der Validierung und Abwicklung macht Blockchain wirklich attraktiv.

Facebook erforscht Einsatzmöglichkeiten für Blockchain

Seit Jahren schon sorgt Blockchain für Furore, und jetzt scheint es, dass selbst der Social-Media-Riese Facebook (WKN:A1JWVX), der kürzlich 2,2 Milliarden aktive Nutzer monatlich erreicht hat, dem Reiz nicht widerstehen kann. Wie am 8. Mai bekannt wurde, bildet Facebook ein neues Team von Führungskräften, das von David Marcus, dem Leiter der Messenger-Plattform von Facebook und dem ehemaligen CEO von PayPal, geleitet wird, um zu erforschen, wie die Blockchain über die Plattform des Social-Media-Riesen genutzt werden kann. Zu Marcus werden einige wichtige Führungskräfte von Instagram gehören, darunter der VP of Engineering James Everingham und der VP of Product Kevin Weil.

Marcus ist aus zwei Gründen eine interessante Wahl, um das Blockchain-Team von Facebook zu leiten. Zunächst einmal ist Marcus aufgrund seiner Vergangenheit bei PayPal bestens mit der Welt der Zahlungen vertraut. Da erwartet wird, dass sich Blockchain am unmittelbarsten auf die Finanzdienstleistungsbranche auswirkt, könnte Marcus‘ Ernennung zum Leiter dieser Initiative den logischsten Einsatz der Blockchain-Technologie innerhalb der Facebook-Plattform signalisieren – z.B. indem innerhalb von Messenger Zahlungen möglich werden. Das Senden von Geldern über Messenger und deren Verarbeitung und Aufzeichnung über Blockchain könnte die Abwicklung dieser Zahlungen beschleunigen und sicherstellen, dass es ein transparentes und unveränderliches Protokoll dieser Transaktionen gibt.

Zweitens weist Recode darauf hin, dass Marcus ein gewisses Interesse an Krypto-Währungen hat, die die Blockchain wirklich in den Vordergrund gerückt haben. Im Dezember trat Marcus dem Vorstand für den beliebten Krypto-Währungsaustausch Coinbase bei. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Facebook untersucht, was virtuelle Währungen mit der Blockchain-Technologie anstellen.

Neben der Verwendung von Blockchain für Zahlungen könnte Facebook die Verwendung dieser neuen Technologie als Mittel zur sicheren Speicherung von Daten in Betracht ziehen. Schließlich ist Blockchain unveränderlich, d.h. es könnte Facebook erlauben, Benutzerdaten zu speichern, ohne befürchten zu müssen, dass diese Daten kompromittiert werden. Das ist wichtig, wenn man den ganzen Verbraucherdaten-Skandal, mit dem das Unternehmen zu tun hat, aufmerksam verfolgt.

Aber das ist alles noch nicht spruchreif

Während einige Krypto-Fans die Ankündigung von Facebook als großartige Neuigkeiten auffassen werden, ist es wohl meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass alle einen kühlen Kopf bewahren. In Wirklichkeit wird der Vorstoß von Facebook in die Blockchain in absehbarer Zeit keinen nennenswerten Fortschritt bringen.

Das größte Problem bei Blockchain ist das, was ich oft als Proof-of-Concept-Problem bezeichne. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Pilot- und Kleinprojekte, bei denen die Blockchain-Technologie zu glänzen wusste. Allerdings hat bei den Testprojekten noch niemand so richtig die Stützräder von der Blockchain genommen. Unternehmen sind nicht bereit, sich in Sachen Blockchain zu verpflichten, bis die Skalierbarkeit unter Beweis gestellt wurde – aber die Blockchain kann diese nur nachweisen, bis Unternehmen ihr eine Chance für ein paar ernsthafte Testläufe gibt.

Selbst in Fällen, in denen Blockchain versucht hat, skaliert zu werden, ist es nicht immer wie geplant gelaufen. Kurz nachdem IOTA die Beta-Version des Data Marketplace freigeschaltet hatte, wurde das Netzwerk von den Nutzern derart an die Grenzen der Belastung gebracht, dass die Transaktionen am Ende Tage in Anspruch nahmen. Dieses Problem würde Facebook wahrscheinlich davon abhalten, Blockchain in großem Stil zu implementieren.

Der andere Faktor, der hier nicht ignoriert werden kann, ist die Abneigung von Facebook gegenüber Krypto-Währungen. Obwohl Blockchain unabhängig von virtuellen Währungen funktioniert, werden sie oft in einem Atemzug genannt.

Ende Januar kündigte Facebook eine Änderung seiner Werbepolitik an, die unter anderem die Werbung für ICOs, Krypto-Währungen und Krypto-Handel verbot. Rob Leathern, Leiter des Produktmanagements bei Facebook, sagte damals: „Wir haben eine neue Richtlinie entwickelt, die Werbung für Finanzprodukte und -dienstleistungen verbietet, die häufig mit irreführenden oder irreführenden Werbepraktiken wie binären Optionen, ICOs und Krypto-Währungen in Verbindung gebracht werden.“ Soll heißen, es besteht praktisch keine Chance, dass das Blockchain-Team von Facebook vorhat, eine eigene Kryptowährung zu schaffen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bei dieser Verkündung gab es offenbar viel Lärm um nichts. Während Facebook der Krypto-Community Hoffnung bietet, indem man untersucht, wie Blockchain am Ende in seine Plattform integriert werden könnte, scheint jede Chance auf eine sinnvolle Veränderung noch Jahre entfernt zu sein. Bis das Proof-of-Concept-Problem gelöst ist und große Unternehmen sich die Mühe machen, es in der realen Welt auszuprobieren, bleibt Blockchain nichts anderes als ein interessantes Steckenpferd für die Unternehmenswelt.

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The Motley Fool besitzt Aktien von Apple und Paypal Holdings, besitzt aber keine Anteile an Krypto-Währungen.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 14.5.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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