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Die wichtigste Lektion aus Jeff Bezos‘ Brief an die Aktionäre von Amazon

Foto: The Motley Fool.

Der Aufstieg von Amazon (WKN:906866) in den letzten zwei Jahrzehnten hat nicht nur den Einzelhandelsmarkt, sondern auch die IT-Branche in Aufruhr versetzt. Die Renditen waren daher auch mehr als unglaublich.

Wie hat Amazon das gemacht?

Jedes Jahr gibt Gründer und CEO Jeff Bezos im (meist sehr kurzen) Jahresbrief Einblicke in seine Unternehmensphilosophie. Der Brief vom letzten Jahr konzentrierte sich darauf, ein „Day One“-Unternehmen zu sein, aber der diesjährige Brief enthüllte etwas viel Umfassenderes und gab einen Hinweis darauf, wie Amazon jedes Jahr eine schwindelerregende Anzahl von Innovationen mit bemerkenswerter Konsequenz umsetzen kann.

Werfen wir einen genaueren Blick auf dieses Geheimnis des Erfolges.

Hohe Standards

Bezos betont, wie wichtig es ist, eine Unternehmenskultur mit hohen Standards zu schaffen.

Laut Bezos sind die Vorteile hoher Standards vielfältig. Zum einen wird das Unternehmen bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten. Genauso wichtig sind aber auch die Nebenwirkungen: Hohe Standards helfen auch, Gleichgesinnte anzuziehen, was die Messlatte immer höher legt und die „unsichtbare Arbeit“, die hinter den Kulissen eines jeden Unternehmens geleistet wird, qualitativ hochwertig macht – auch wenn niemand zusieht.

Der letzte Punkt ist besonders wichtig, um das Risiko zu mindern. Ende letzten Jahres beschäftigte Amazon 560.000 Menschen. Ein CEO oder Manager kann sie natürlich nicht alle im Auge behalten, aber ein Unternehmen, das sich dafür einsetzt, überall hohe Standards zu setzen, hat eine viel bessere Chance, Probleme zu vermeiden, die im Schatten lauern könnten.

Stell dir vor, welche Probleme bei skandalträchtigen Unternehmen wie General Electric, Equifax oder Wells Fargo hätten vermieden werden können. Möglicherweise hätten die Katastrophen, die diese Unternehmen erlitten haben, vermieden werden können, wenn sich strenge Standards in der gesamten Organisation durchgesetzt hätten.

Aber eine solche Kultur zu etablieren ist nicht so einfach, wie es aussieht, deshalb gibt uns Bezos Tipps, wie wir das erreichen können.

Die Messlatte höher legen

Es gibt einige Aspekte bei hohen Standards, die Bezos umreißt:

  1. Hohe Standards sind erlernbar, nicht angeboren.
  2. Sie sind in der Regel bereichsspezifisch, nicht universell.
  3. Sie sind nicht einfach zu erreichen und müssen ausreichend lange und mit dem richtigen „Umfang“ bearbeitet werden.

Hinsichtlich des ersten Punkts glaubt Bezos, dass Standards innerhalb einer Organisation „ansteckend“ sind und neuen Mitarbeitern beigebracht werden können. Du siehst schon, wie diese Kultur sich lawinenartig verbreiten kann – da immer mehr Mitarbeiter ihr folgen, verbessert sich die Organisation, was die Messlatte für Neueinstellungen noch mehr anhebt.

Zum zweiten Punkt meint Bezos, dass hohe Standards in einer Sache dich nicht automatisch zu einem Experten für Standards in einer anderen Sache machen. Bezos verweist hier als Beispiel auf sich selbst: Am Anfang der Geschichte von Amazon hatte er hohe Ansprüche an Einfallsreichtum, Kundenbetreuung und Neueinstellungen. Allerdings hatte er blinde Flecken bei Aspekten wie Geschäftsführung, die er von anderen lernen musste. Ein Bewusstsein dafür ist wichtig, weil es als Kontrolle der eigenen Hybris dienen kann. Wenn du in einer Sache wirklich gut bist, kann das zu einem Übermaß an Selbstvertrauen in deine Fähigkeiten an anderer Stelle führen. Wie Bezos es ausdrückte: „Du weißt vielleicht nicht einmal, dass deine Standards niedrig oder nicht vorhanden sind, und schon gar nicht Weltklasse. Es ist wichtig, sich dieser Wahrscheinlichkeit zu öffnen.“

Um seinen letzten Punkt zu veranschaulichen, nennt Bezos das Beispiel der sechsseitigen Memo-Politik von Amazon – das Unternehmen macht bekanntlich keine Power-Point-Präsentationen, sondern beginnt Meetings mit der Lektüre eines sechsseitigen Memos zum vorliegenden Thema. Bezos sagt, dass unterdurchschnittliche Memo-Autoren denken, dass sie ein Memo in ein paar Stunden raushauen können, aber sie verstehen nicht, wie viel Arbeit in einem erfolgreichen Memo steckt.

„Großartige Memos werden geschrieben und neu geschrieben, mit Kollegen geteilt, die gebeten werden, die Arbeit zu verbessern, für ein paar Tage beiseite gelegt und dann wieder mit frischem Verstand bearbeitet“, sagt Bezos. „Sie sind einfach nicht in ein oder zwei Tagen fertig.“

Lehren aus Seattle

Lektionen von einem erfolgreichen Unternehmenslenker zu hören, kann nicht nur bei Investitionen, sondern auch in deinem täglichen Leben sehr hilfreich sein, und deshalb werde ich meine Aufmerksamkeit immer wieder auf die Botschaft von Bezos richten. Wenn wir jeden Tag mit hohen Standards arbeiten – ob bei der Arbeit oder mit der Familie –, sollten gute Dinge dabei herauskommen.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, ein Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

Dieser Artikel wurde von Billy Duberstein auf Englisch verfasst und am 29.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. besitzt Aktien von Amazon.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon.

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