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So günstig ist die Lufthansa-Aktie nach dem Kurssturz

Quelle: Thomas Brantl

Die Lufthansa (WKN:823212)-Aktie brach nach Veröffentlichung der Q1-Zahlen zeitweise um bis 9 % ein. Ob der Absturz gerechtfertigt war und wie günstig die Aktie jetzt ist, erfährst du, wenn du weiterliest!

Darum brach die Lufthansa-Aktie ein

Eigentlich waren die Zahlen fürs erste Quartal 2018 in Ordnung. Bereinigt um Umstellungseffekte beim Rechnungsstandard stieg der Umsatz verglichen mit dem Vorjahresquartal um 4,5 %. Das Adjusted EBIT, also der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen, stieg ebenfalls leicht um eine Million Euro auf 26 Millionen Euro.

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Dass der Gewinn weniger stark gestiegen ist als der Umsatz gefiel den Anlegern allerdings überhaupt nicht. Sie verkauften kräftig und sorgten so für den Absturz der Lufthansa-Aktie. Zu Unrecht, wie ich finde. Denn das Ergebnis wurde nur aufgrund eines Einmaleffekts belastet, nämlich den Kosten zur Integration von Air Berlin.

Langfristig wird sich dieser Einmaleffekt meiner Meinung nach nicht negativ auf die Lufthansa auswirken. Deshalb halte ich den Einbruch der Aktie für übertrieben. Immerhin macht der Kursverfall die Aktie günstiger. Wie günstig, dass habe ich anhand der Discounted Cashflow-Analyse, kurz DCF, überprüft.

So viel ist die Lufthansa wert

Wie viele andere Value-Investoren auch bewerte ich Unternehmen wie die Lufthansa mit Hilfe der Discounted Cashflow-Analyse. Dabei werden die erwarteten Cashflows, also die Beträge, die im Gegensatz zum Gewinn tatsächlich auf dem Firmenkonto landen, aufsummiert und mit dem aktuellen Börsenwert des Unternehmens verglichen.

Und weil Geld, das in der Zukunft erwirtschaftet wird, weniger wert ist als Geld, das uns heute zur Verfügung steht, werden diese zukünftigen Cashflows abgezinst. Genau das habe ich in der folgenden Tabelle gemacht. Keine Sorge, das Wesentliche erkläre ich dir natürlich im Anschluss an die Tabelle!

in Mio. Euro 2017 2018  2019  2020  2021  2022  2023  2024  2025
Free Cashflow  948  996 1.046  1.098 1.153 1.211 1.271 1.335 1.402
Abschlag Risikofaktor Ölpreis     –  100   500   500   500   500   500   500   500
Discounted Cashflow     –  854   496   517   538   558   577   595   612

Quellen: Geschäftsbericht Lufthansa 2017, Berechnungen des Autors

In der ersten Zeile findet du die Free Cashflows der Lufthansa. Mit Ausnahme des 2017er Cashflows, der aus dem Geschäftsbericht entstammt, sind alle folgenden meine persönlichen Prognosen basierend auf diesen Annahmen: Pro Jahr 5 % Wachstum beim Gewinn vor Steuern und Zinsen, parallel dazu steigende Abschreibungen, Steuern, Investitionen und Veränderung des Umlaufvermögens.

Diese 5 % Wachstum habe ich mir nicht aus den Fingern gezogen. Hierbei handelt es sich um das prognostizierte Wachstum des weltweiten Luftverkehrs des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Eigentlich gehe ich davon, dass die Lufthansa überproportional von diesem Wachstum profitieren kann, also sogar um mehr als 5 % jährlich wachsen könnte.

Aber ich möchte die Analyse bewusst vorsichtig halten. Einfach um eine höhere Sicherheitsmarge in der Berechnung zu haben. Apropos Sicherheit: In der zweiten Zeile findest du einen Ölpreis-Abschlag. Da steigende Ölpreise und die damit einhergehenden steigenden Treibstoffkosten den Gewinn und damit auch die Cashflows der Lufthansa massiv belasten, habe ich einen Ölpreis-Abschlag vorgenommen.

Für 2018 prognostiziert die Lufthansa stabile Treibstoffpreise. Sicherheitshalber habe ich für dieses Jahr trotzdem 100 Millionen Euro vom Free Cashflow abgezogen. Falls der Ölpreis stärker steigt, als die Lufthansa es annimmt. In den Folgejahren habe ich dann jeweils 500 Millionen Euro abgezogen. Steigt der Ölpreis in den nächsten Jahren tatsächlich, wirft das meine Analyse nicht gleich über den Haufen.

Bleibt der Ölpreis stabil oder sinkt sogar, wird der Sicherheitspuffer noch größer beziehungsweise es bleibt mehr freier Cash für uns Aktionäre übrig. Das wäre natürlich der bestmögliche Fall aus Sicht der Lufthansa und deren Anteilseignern!

Zieht man diesen Ölpreisabschlag dann vom Cashflow aus der ersten Zeile ab, erhält man den Cashflow, den man abzinsen kann. Du erinnerst dich: Weil Geld heute mehr wert ist als in fünf Jahren! Den Abzinsungsfaktor habe ich mit dem durchschnittlichen Kapitalkostensatz der Lufthansa berechnet.

Die Berechnung erspare ich dir an dieser Stelle, sie ist ohnehin von persönlichen Annahmen abhängig. Mit meinen getroffenen Annahmen komme ich auf einen Abzinsungssatz von 5 %. Zinst man die Cashflows nach dem Ölpreis-Abschlag mit diesen 5 % ab, erhält man die jeweiligen, diskontierten Cashflows für jedes Jahr. Diese muss man dann nur noch addieren und schon erhält man den prognostizierten Cashflow nach acht Jahren. Im Falle der Lufthansa sind das gut 4,7 Milliarden Euro.

Da die Lufthansa in acht Jahren nicht wertlos sein wird und weiter Cashflows generieren sollte, muss man noch einen Restwert, die sogenannte ewige Rente, zu diesen 4,7 Milliarden Euro hinzurechnen. Auch hier erspare ich dir die genaue Formel, die Annahmen fasse ich jedoch kurz für dich zusammen: Den Abzinsungsfaktor habe ich auf 10 % erhöht, ganz einfach weil die Zukunft in acht Jahren schwer vorhersehbar und damit noch unsicherer ist als in den ersten acht Jahren.

Auch nach dem achten Jahr gehe ich von einem Gewinnwachstum von 5 % aus. So erhalte ich einen Restwert der Lufthansa nach dem DCF-Verfahren in Höhe von 8,8 Milliarden Euro. Addiert man die 4,7 Milliarden Euro aus den ersten acht Jahren hinzu, erhält man einen prognostizierten Marktwert von 13,5 Milliarden Euro. Oder 28,65 Euro pro Aktie.

Der Kursturz erhöht die Sicherheitsmarge!

Am 27.04. kostete eine Lufthansa-Aktie 24,60 Euro. Damit ist mein berechneter Marktwert 16,5 % höher als der aktuelle Kurs der Lufthansa-Aktie. Oder anders gesagt: Die Sicherheitsmarge beträgt 16,5 %. Ob dir diese Sicherheitsmarge genügt oder nicht, musst du natürlich selber entscheiden. Auf jeden Fall hat der jüngste Kursrutsch die Sicherheitsmarge erhöht und eine ohnehin nicht allzu teure Aktie so noch günstiger gemacht.

Abschließend sei erwähnt, dass ein extrem stark steigender Ölpreis die Lufthansa sogar in die Verlustzone befördern könnte. In diesem Fall wird meine Analyse natürlich hinfällig, weil kein Free Cashflow mehr existieren würde. Diesem Risiko muss sich jeder Lufthansa-Aktionär bewusst sein!

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Thomas Brantl besitzt Aktien der Lufthansa. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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