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Warum iQiyi wie Netflix ist und warum nicht

Foto: The Motley Fool.

Der chinesische Streaming-Riese iQiyi (WKN:A2JGN8) wurde kürzlich vom chinesischen Suchmaschinen-Unternehmen Baidu (WKN:A0F5DE) ausgegliedert, was der Muttergesellschaft schätzungsweise 2,25 Milliarden US-Dollar einbrachte.

Die Investoren mögen Vergleiche und in diesem Sinne haben wir den Streaming-Dienst „Das Netflix (WKN:552484) von China“ genannt. Es stimmt zwar, dass beide Unternehmen das Streaming für die Verbraucher bereitstellen, aber es gibt einige wichtige Unterschiede zwischen den beiden Geschäftsmodellen.

Schauen wir uns an, wie sich iQiyi von Netflix unterscheidet und wie ähnlich sie sind.

Der größte Unterschied

Netflix begann als DVD-per-Mail-Dienst in den USA, fügte aber vor etwas mehr als einem Jahrzehnt das Streaming hinzu, was inzwischen zum Hauptgeschäft des Unternehmens geworden ist. Netflix hat noch nie Werbung auf der Streaming-Plattform eingesetzt.

iQiyi begann als werbefinanzierter Video-on-Demand-Dienst. Mitte 2015 fügte iQiyi eine Paywall für eine Vielzahl von Neuerscheinungen hinzu, was dem Abonnentenwachstum einen starken Schub gab. iQiyis Abonnenten vervierfachten sich im Laufe des folgenden Jahres. Trotz der Beliebtheit des Abonnement-Service setzt die überwiegende Mehrheit nach wie vor auf das werbefinanzierte Modell.

Das größte Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Modellen ist die Verwendung von Werbespots.

Wo ist das Geld?

Mehr als 97 % der Einnahmen von Netflix stammen aus dem Streaming, während der Rest aus Abonnements für den DVD-per-Mail-Service und der Lizenzierung des geistigen Eigentums (IP) stammt.

iQiyi generiert Einnahmen aus einer Kombination von Werbung, Abonnement-Einnahmen und Content-Vertrieb. Im Jahr 2017 entfiel der größte Teil des Umsatzes – fast 47 % – auf Werbung, während 37 % auf Abonnementumsätze und der Rest auf den Vertrieb von Inhalten und anderen Quellen entfiel.

Wo die Zuschauer leben

Netflix hat fast 57 Millionen Abonnenten in den USA, aber das ist erst der Anfang. Darüber hinaus zählt das Unternehmen weitere 68 Millionen Kunden in den internationalen Märkten mit insgesamt 125 Millionen Abonnenten weltweit.

Nach der Perfektionierung des Modells in den USA begann Netflix Ende 2010 mit der internationalen Expansion nach Kanada. Mitte 2011 kamen Lateinamerika und zahlreiche weitere Länder hinzu, bevor Anfang 2016 130 neue Länder hinzukamen – und damit 190 Länder weltweit.

iQiyi ist nur in China tätig, hat aber im Heimatmarkt eine ähnlich bemerkenswerte Größe erreicht. Schätzungsweise 845 Millionen Kunden greifen jeden Monat auf die Plattform zu, obwohl die überwiegende Mehrheit der Zuschauer das kostenlose, werbefinanzierte Modell nutzt. Das Unternehmen hat monatlich 421 Millionen aktive Nutzer auf mobilen Geräten und 424 Millionen auf PCs.

Davon meldete iQiyi fast 51 Millionen zahlende Abonnenten in den Dokumenten, die vor dem Börsengang bei der SEC eingereicht wurden.

Es gibt noch mehr

Während sich Netflix bisher fast ausschließlich auf die Inhalte konzentriert hat, bietet iQiyi den Nutzern ein wachsendes Ökosystem von miteinander verbundenen Produkten und Dienstleistungen. Zusätzlich zum Streaming-Video haben die Kunden Zugang zu Online-Spielen, Comics und Merchandising-Artikeln, die auf dem geistigen Eigentum des Unternehmens basieren.

Netflix hat mit der Lizenzierung seines geistigen Eigentums gewatet und hat eine Reihe von Stranger Things-Produkten rechtzeitig zur Weihnachtszeit im letzten Jahr in die Läden gebracht. Comcasts Universal Studios haben vor kurzem angekündigt, dass das Unternehmen Stranger Things als Teil der Halloween Horror Nights-Attraktion in den Themenparks nutzen werde. Diese Enthüllung markiert den ersten großen Ausflug von Netflix in die Lizenzierung, obwohl ich denke, dass es erst der Anfang ist.

Dann gibt es da noch….

Bei dem vierten Quartals- dem Jahresbericht 2017 gab Netflix bekannt, dass das Segment International sein „erstes volles Jahr mit positivem Ergebnisbeitrag in unserer Geschichte“ erreicht hatte und das Jahr sowohl im Ausland als auch im Inland profitabel abgeschlossen hatte. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2017 einen Nettogewinn von 560 Millionen US-Dollar.

iQiyi ist noch nicht profitabel und erwirtschaftete 2017 einen Verlust von 574 Millionen US-Dollar, ein 22 % höherer Verlust als 2016. Das Unternehmen hat erklärt, dass die Kosten auf kurze Sicht das Umsatzwachstum  übertreffen werden, da das Unternehmen an der Verbesserung der Streaming-Technologie arbeitet und in zusätzliche Inhalte investiert.

Es ist Netflix und irgendwie doch nicht

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Streaming-Unternehmen, aber auch viele Unterschiede. iQiyi kann aufgrund des Hybrid-Freemium- und Bezahlmodells eher mit Hulu als Netflix verglichen werden. Es ist wichtig, die Unterschiede in den Geschäftsmodellen der beiden Unternehmen und den Märkten, die sie bedienen, zu verstehen, bevor man sich für eine Investition entscheidet.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Baidu und Netflix. The Motley Fool empfiehlt Comcast.

Dieser Artikel wurde von Danny Vena auf Englisch verfasst und am 24.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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